Montag , 26. Oktober 2020
Das „Huus för Kinner“ in Radbruch platzt aus allen Nähten. Ändern wird sich das, wenn alles gut läuft, erst Ende des nächsten Jahres mit der Eröffnung einer neuen Krippe. Deren Standort wollte die SPD noch einmal diskutieren. (Foto: fw)

Ringen um Krippen-Neubau

Radbruch. Das „Huus för Kinner“ in Radbruch hat nicht erst seit diesem Jahr Kapazitätsprobleme. Als vor zehn Jahren die damaligen Kita-Kinder mit ihren Erzieherinnen den großzügigen Neubau bezogen, ahnte niemand, dass der Platz nur wenige Jahre reichen würde. Stattdessen wuchs die Einrichtung rasant und platzt heute aus allen Nähten – auch durch die Einrichtung einer Krippe zur Betreuung unter Dreijähriger. Eindrücklich schilderten Kita-Mitarbeiterinnen die aktuelle Situation bei der jüngsten Sitzung des Sozialausschusses Anfang der Woche.

Dabei könnte das Problem längst gelöst sein. Geplant ist der Neubau einer Krippe. Damit würde sich die Platzsituation im „Huus för Kinner“ entspannen, könnten die Elementargruppen den freiwerdenden Platz der Krippengruppen nutzen. Doch verzögert seit Monaten ein politischer Streit um den Standort die Neubau-Pläne.

SPD-Antrag gibt altem Streit neue Nahrung

„Mein größter Fehler in Sachen Krippe war, dass ich mich darauf eingelassen habe, alternative Standorte zu diskutieren“, ärgert sich Radbruchs Bürgermeister Rolf Semrok (CDU). Er ist sicher, dass ohne diese Diskussionen der Bau der Krippe auf der ursprünglich ins Visier genommenen Fläche südlich der Kita längst abgeschlossen sei.

Doch hatte ein Antrag der SPD von Anfang Juli dem Streit um den Standort neue Nahrung gegeben. Darin fordert die SPD-Fraktion um den ehemaligen Bürgermeister Achim Gründel, eine Vereinbarung zwischen Gemeinde und Samtgemeinde, in der der Bau und gegebenenfalls auch der Betrieb eines neuen Krippengebäudes in die Hände der Gemeinde Radbruch gelegt werden. Dabei sei auch der Standort zu überprüfen und die Anpachtung einer Fläche gegenüber dem Huus för Kinner als Alternative darzustellen, heißt es in dem Antrag. Die SPD-Fraktion begründete ihren Antrag damit, dass die Samtgemeinde einen Planungsentwurf für die neue Krippe vorgelegt habe, der einen Wohnblock mit einer untergeordneten Krippe darstelle. Ein solches Konzept sei aber nicht ortsbildgerecht.

Der Antrag hat Semrok ebenso überrascht wie viele Ratskollegen. Auch, weil Verhandlungen über die von der SPD favorisierte Fläche in den vergangenen Monaten mehrfach geführt worden sind – ohne Erfolg. Deshalb appellierte der Bürgermeister an die SPD-Fraktion, nicht noch einmal die Standortfrage für die Krippe zu diskutieren. „Wir sehen das erste Mal Licht am Ende des Tunnels. Lasst uns diesen Punkt einvernehmlich gemeinsam zu Ende bringen.“

Geld für Krippenbau steht im Haushalt bereit

Diesem Appell schloss sich Samtgemeindebürgermeister Heiner Luhmann (CDU) an. Das Geld für den Bau der Krippe sei für 2020 und 2021 im Haushalt vorgesehen, und der Samtgemeindeausschuss werde im August entscheiden, ob die Krippe mit der Schaffung von Wohnraum kombiniert werden soll – so wie es auch bei anderen Neubau-Vorhaben der Samtgemeinde üblich sei. Voraussichtlich im September könne der Bauantrag gestellt werden, so Luhmann, Baubeginn wäre frühestens Anfang 2021. Mit dem Bezug der Krippe
rechnet der Verwaltungschef Ende 2021, die Umbauten im Kindergarten würden spätestens zum Beginn des Kita-Jahres 2022/2023 dann abgeschlossen.

Dass die Umsetzung des Projektes so lange auf sich warten lässt, ist laut Luhmann auch der politischen Diskussion geschuldet. Der Idee der Radbrucher SPD, nicht nur den Bau, sondern auch den Betrieb der Krippe zu übernehmen, erteilt er eine Absage. „Die Krippen befinden sich in der Zuständigkeit der Samtgemeinde. Um das zu ändern, sind politische Beschlüsse auf Samtgemeindeebene nötig“, erklärte der Rathauschef.

„Wir haben damit also noch zwei schwierige Jahre vor uns“, fasste Radbruchs Bürgermeister die Situation zusammen und bat die Opposition nochmals, die Standort-Frage zu begraben. Angesichts des neuen Sachstands auf Samtgemeindeebene wollen die SPD-Ratsmitglieder ihren Antrag noch einmal in der Fraktion diskutieren.

Kita-Notbetreuung

Wenig Interesse von Eltern

Die Sommerschließzeiten des Kindergartens aufzuheben, hatten die Grünen im So­zialauschuss der Gemeinde gefordert, um den Eltern zu helfen, die coronabedingt ihre Urlaubstage bereits verbraucht haben. Eine solche Lösung wolle man für die kommenden Jahre samtgemeindeweit diskutieren, erklärte Bürgermeister Semrok. In der Radbrucher Kita habe es aber bereits die Bereitschaft zu einer Notbetreuung in den Sommerferien 2020 gegeben. Bis zum Ende des Anmeldezeitraumes war zu dieser Notbetreuung allerdings nur ein Kind angemeldet worden. Angesichts der geringen Resonanz entfällt die Betreuung in den Sommerferien. fw

Von Franzis Waber