Montag , 26. Oktober 2020

Die Feuerprobe der Koordinatoren

Lüneburg. Was tun, wenn man eigentlich die Ganztagsbetreuung von Grundschülern organisieren soll, diese aber vom Coronavirus vorerst auf Eis gelegt wird? Vor dieser Frage stand Petra Niski im Frühjahr. Sie ist seit August 2019 Ganztagskoordinatorin der Schule zum Roten Felde. Ihre Antwort: „Flexibilität!“

Ihre Kernarbeitszeit wanderte vom Nachmittag auf den Vormittag. Ebenso die der Pädagogischen Mitarbeiter. Wer eigentlich Arbeitsgemeinschaften anbot, beaufsichtigte nun die Kinder, deren Eltern nicht ins Homeoffice ausweichen konnten: Notbetreuung statt Schülerzeitung oder Töpfern. Wer eigentlich in der Mensa die Kinder speiste und mit ihnen im Küchenatelier Gerichte zubereitete, sorgte nun in der Schule für Hygiene: Wischlappen statt Suppenkelle.

Die Pandemie wurde zur Feuerprobe für die Ganztagskoordinatorin und ihre fünf Kollegen an anderen Lüneburger Grundschulen.

Neustart nach den Ferien wird „Herausforderung“

„Die Stellen wurden von der Stadt Lüneburg geschaffen“, so Petra Niski, „um das Niveau der Ganztagsbetreuung zu halten oder sogar zu heben.“ Nun dienten die monatlichen Treffen der Ganztagskoordinatoren auch dem Austausch von Infos, wie man am besten den Herausforderungen durch die Seuche begegnen kann. „Das war extrem hilfreich“, sagt Petra Niski.

Dabei sei schon der „normale“ Schulalltag herausfordernd gewesen. „Ohne die Unterstützung durch Schulleitung, Sekretärin, Lehrerkollegium und die Pädagogischen Mitarbeiter hätte ich das nie geschafft. Und es lief nicht an allen Schulen so wie hier.“

„Da stand ich vor der Frage, wie setze ich die Pädagogischen Mitarbeiter ein? Zum Glück zeigten sich alle beweglich.“
Petra Niski, Ganztagskoordinatorin an der Schule zum Roten Felde

Die Viertklässler waren an den Grundschulen die ersten, die Steine aus der Mauer des Shutdowns brachen. „Da stand ich vor der Frage, wie setze ich die Pädagogischen Mitarbeiter ein? Zum Glück zeigten sich alle beweglich. Wer bisher nachmittags die Hausaufgaben betreute, passte nun auf die Kinder derjenigen auf, die in systemrelevanten Berufen arbeiteten.“ Zum Teil war die Flexibilität durchaus belastend, weiß Niski. „Die Kollegin, die sonst die Essensausgabe in der Mensa organisierte, putzte nun nonstop Tische, Tür- und Fensterklinken sowie Toiletten. Das war schon hart.“

Den Neustart nach den Sommerferien sieht Petra Niski als „große Herausforderung. Ich bin skeptisch, was das Infektionsrisiko angeht, weil wir alle wieder reisen.“

Wieder Essen in der Mensa

Nach einer Weisung des Kultusministeriums müssen alle Schulen mehrgleisig planen. Klar ist für die gelernte Erzieherin aber: „Zu einer Ganztagsbetreuung wie vor Corona wird es vorerst nicht kommen. Weil sich in frei zu wählenden Arbeitsgemeinschaften die Schüler, die im Unterricht noch voneinander getrennt wären, wieder mischen würden.“

Zum Zauberwort könnte die „Kohorte“ werden. Entlehnt aus den römischen Legionen meint es, dass vorerst die Schüler, die schon im Unterricht zusammensitzen, auch danach die
29 Angebote gemeinsam wahrnehmen müssten. Immerhin soll nach den Ferien wieder Essen in der Mensa ausgegeben werden.

Noch hat Petra Niski die Pläne nicht komplett ausgearbeitet. Wissend, dass ein winziges Virus diese wieder über den Haufen schmeißen kann. Klar ist, was dann wieder gefordert ist: Flexibilität.

Von Joachim Zießler

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