Sonntag , 25. Oktober 2020
Annette Kork (CDU) sorgt mit ihrem Aufruf, eine Wählerinitiative in Hohnstorf zu gründen, für Verwunderung. (Foto: A/t&w)

Frau Kork auf neuen Wegen

Hohnstorf/Elbe. So mancher in der CDU ist verdutzt über einen Flyer, den die langjährige Kommunalpolitikerin der Christdemokraten, Annette Kork, in Hohnstorf verteilt hat. Darin ruft die Hohnstorfer Ratsfrau, die überdies im Samtgemeinderat Scharnebeck sitzt und Mitglied des Kreistags ist, zur Gründung einer neuen Wählergemeinschaft in dem Ort auf.

„Wenn auch Sie unzufrieden sind, sich engagieren und etwas ändern möchten, melden Sie sich gern zur Beteiligung an der neuen Wählergemeinschaft bei mir. Wir müssen etwas tun, bevor in Hohnstorf alles heruntergewirtschaftet wird“, heißt es in dem Faltblatt.

Die Christdemokraten sind stärkste Fraktion im Rat Hohns­torf und stellen mit André Feit den Bürgermeister. Annette Kork hat die Fraktion vor Monaten verlassen, arbeitet seitdem als unabhängige CDU-Frau im Gemeinderat weiter mit.

Der Ton, der in dem Info-Blatt angeschlagen wird, stößt bei der Kreis-CDU auf Verwunderung und wirft Fragen auf: „Wie kann ein Kreistagsmitglied der CDU an einer Klausurtagung Anfang Juli teilnehmen und gleichzeitig in einem Aufruf in Hohnstorf eine Wählerinitiative gegen die Orts-CDU ins Leben rufen?“ und „Ist das nicht parteischädigendes Verhalten?“

Kreisvorsitzender Felix Petersen sieht Handlungsbedarf. „Das sind Äußerungen in dem Flyer, die man bewerten muss. Ich werde ihn jetzt den Mitgliedern im Kreisvorstand schicken. Wir werden das Thema dort beraten“, kündigt er an.

Annette Kork hält den Ball flach. Sie betont auf LZ-Anfrage, dass es ihr mit dem Aufruf einzig und allein um die Hohnstorfer Ortspolitik gehe. Kritik übt sie in dem Handzettel unter anderem an dem geplanten und aus ihrer Sicht zu teuren Kita-Neubau und an der vom Rat beschlossenen Abschaffung der Straßenausbaubeitragssatzung (Strabs). Das Ende der Strabs hält sie zwar für richtig, doch sieht sie einige Grundeigentümer benachteiligt, die vor der Entscheidung die Abgabe noch zahlen mussten. Für sie fordert sie eine gerechtere Lösung.

Broschüre soll CDU nicht schaden

„Das alles soll keine weiteren Kreise ziehen, als auf der Ortsebene“, sagt sie. Mittlerweile habe sie für den Flyer Zuspruch von vielen Hohnstorfern erhalten. Keinesfalls wolle sie der CDU schaden, noch aus der Partei austreten. Ob sie später für die angestrebte Wählergemeinschaft kandidieren wolle, sei offen, erklärt sie. Hingegen sind die Würfel für ihre Zukunft im Kreistag gefallen. Sie werde sich zur nächsten Wahl nicht mehr aufstellen lassen, sagt sie.

„Ende Juli gibt es Gespräche mit den Fraktionsvorsitzenden im Rat der Samtgemeinde und im Kreistag“, berichtet Annette Kork. Dann werde man sehen, wie die Partei mit ihrer Aktion in Hohnstorf umgehe, meint sie.

Entspannt gibt sich Jörg Ahlfeld, der einer der beiden Gesprächspartner Ende des Monats ist. „Bei uns rumort es nicht, wir arbeiten sachlich weiter und sind gelassen“, sagt der CDU-Partei- und Fraktionschef in der Samtgemeinde Scharnebeck.

Annette Korks Verhalten sei für einen Parteiausschluss vermutlich nicht ausreichend, wohl aber für das mögliche Ende ihrer Mitarbeit in den Fraktionen, glaubt er. „Das alles prüft der CDU-Landesgeschäftsführer, das ist nicht unsere Aufgabe.“

Ahlfeld betont, dass die Zusammenarbeit mit Annette Kork bislang stets auf einem vernünftigen Umgang miteinander beruht habe. „Allerdings finde ich es schade, dass sie sich jetzt so von Jens Kaidas instrumentalisieren lässt“, kommentiert er Passagen in dem Faltblatt, in denen es um den ehemaligen Ortsbürgermeister und CDU-Landtagsabgeordneten aus Hohns­torf geht.

Kritik: Kein Hohnstorfer mehr in wichtigen Gremien

Darin heißt es: „Unter Mitwirkung der Hohnstorfer Ratskollegen wurde unser Ehrenbürgermeister Jens Kaidas im Samtgemeinderat gemobbt und hat daraufhin sein Mandat niedergelegt.“ Nach Umbesetzung der Ausschüsse sei nun kein Hohnstorfer mehr in den wichtigen Entscheidungsgremien der Samtgemeinde vertreten. „Das machen jetzt für uns die Art­lenburger. (…) Außerhalb Hohnstorfs gilt das Wort des erfahrenen Politikers Kaidas noch etwas.“

„Ich kann mich an kein Mobbing erinnern. Jens Kaidas hat die Fraktion freiwillig verlassen“, sagt Jörg Ahlfeld. Es sei nicht unüblich, nach der Hälfte einer Wahlperiode Ausschüsse umzubesetzen, um so neue und auch jüngere Leute für die nächsten Kommunalwahlen zu positionieren, erklärt er. Genau das sei in der CDU-Fraktion passiert.

„Besonderer Stellenwert ist Geschichte“

„Das hat Jens Kaidas offenkundig nicht geschmeckt. Und nun versucht er, seine Auffassungen mit einer anderen Partei durchzusetzen und Unruhe zu stiften.“ Aber: „Das interessiert bei uns in der Samtgemeinde-CDU kaum einen. Der besondere Stellenwert von Jens Kaidas ist nämlich Geschichte.“

Annette Kork hingegen sieht sich nicht als Marionette des Ex-Bürgermeisters: „Ich habe durchaus meine eigene Meinung und habe darauf bestanden, dass die Passage, die ihn betrifft, im Flyer stehen bleibt.“

Von Stefan Bohlmann