Freitag , 25. September 2020
Christin Rodehorst (v.l.), Jonathan Intemann, Nele Vosshagen, Naíma Granitza und Frederik Chantelau haben die besten Abizeugnisse Lüneburgs in diesem Jahr. (Fotos: t&w)

Gute Voraussetzungen für die Zukunft

Die LZ sprach mit einigen der besten Abiturienten aus dem Landkreis über ihre Erfahrungen und Wünsche.

Erst Ausbildung, dann Abitur

Lüneburg. Montags bis freitags büffeln fürs Abitur an den Berufsbildenden Schulen III, sonntags noch arbeiten in einer Apotheke. „Es war anstrengend, aber es hat Spaß gemacht“, sagt Christin Rodehorst. Und dass sie auch gut im Rennen lag, wusste die 24-Jährige. Dann kam Corona und mit dem Virus viele Fragezeichen. Doch am Ende stand der Erfolg: Mit einer Abiturnote von 1,3 erzielte die leidenschaftliche Reiterin das beste Ergebnis an den Berufsbildenden Schulen Lüneburgs.

Mit 16 Jahren zog Christin aus dem Kreis Celle in die Salzstadt, machte an der von-Morgenstern-Schule zunächst eine Ausbildung als pharmazeutisch-technische Assistentin und arbeitete dann anderthalb Jahre in diesem Beruf in einer Apotheke. Dann wechselte sie an die BBS III, um in der Fachrichtung Gesundheit und Pflege die Allgemeine Hochschulreife abzulegen. Als die Corona bedingte Schulschließung dann die letzten Lernwochen vor der Prüfung abrupt beendete, gab es plötzlich viele Fragezeichen. Wird es überhaupt noch Abi-Prüfungen geben? Oder wird das Abiturergebnis einfach aufgrund der Durchschnittsnoten errechnet? „Im Nachhinein war es gut, dass die Prüfungen dann doch stattfanden, denn sonst hätte es immer geheißen, wir hätten ja gar kein richtiges Abitur gemacht“, sagt Christin Rodehorst heute.

Zwar ist ihr Jahrgang jetzt der mit einem „richtigen“ Abiturzeugnis, aber doch ohne feierlichen Abschluss. Die Zeugnisübergabe erfolgte nur im Klassenverband, Begleitpersonen waren nicht zugelassen. Der Abi-Ball fiel der Pandemie ebenso zum Opfer wie die von den Schülern geplanten Motto-Wochen, in denen man sich jede Woche etwas anderes einfallen lassen wollte. Schade sei das schon, sagt die 24-Jährige, aber immerhin: „Wir hatten wenigstens schon nach unserem Realschulabschluss einen Ball, da beenden wir nicht ganz ohne so eine Erfahrung unsere Schulzeit.“
Das Lernen ist für Christin Rodehorst mit der Zeugnisübergabe aber noch nicht abgeschlossen, ganz im Gegenteil: Derzeit büffelt sie für ihren Medizinertest, der von Mai auf den 25. Juli verschoben wurde. „Ich möchte Human- oder Veterinärmedizin in Hannover studieren, je nachdem was klappt“, sagt sie. Immerhin kann sie auf eine Abiturnote von 1,3 verweisen – und auch schon jede Menge praktischer Erfahrung. tm

„Mehr gebracht als geschadet“

Lüneburg. Das Schuljahr ist vorbei, für manche ist auch gleich die ganze Schulzeit Vergangenheit. So auch für Nele Vosshagen und Frederik Chantelau. Die beiden 19-jährigen Abiturienten haben an der IGS Lüneburg das beste Zeugnis hingelegt – beide mit einem Schnitt von 1,4.

„Meine Lieblingsfächer waren Deutsch und Geschichte“, verrät Frederik. Logisch, dass sein Studiumswunsch auch in diese Richtung gehen wird. „Ich denke da an Geisteswissenschaften, Geschichte und Philosophie vielleicht.“ Jetzt ist aber erst einmal Jobben angesagt, denn wer vor dem Gang an die Uni reisen möchte und auch einen Führerschein anstrebt, der braucht Geld. Deswegen hat sich Frederik einen Job als Spülkraft in der Gastronomie besorgt.

Ein bisschen reisen ist auch für Nele eine Option. „Sofern Corona das möglich macht“, räumt sie ein. Auf jeden Fall würde sie dabei in Deutschland bleiben. Im April hatte sie noch ein Interrail-Ticket gewonnen, von denen die EU immer wieder Exemplare unter jungen Menschen verlost. Benutzen konnte sie es aus hinlänglich bekannten Gtünden allerdings nicht. Vielleicht kann sie das bald nachholen. Ihr Berufsziel? „Ich möchte gerne Jura studieren, am Ende Rechtsanwältin werden“, sagt sie. „Am liebsten würde ich etwas mit Strafrecht oder Menschenrecht machen. Mal schauen.“ Geschichte mochte sie ebenfalls, genau wie Frederik. Und welches Schulfach zählte nicht zu ihren Favoriten? „Biologie, das war nicht so meine Sache.“

Frederik denkt da auch an etwas, das ihn nicht wirklich ansprach. „Sport. Da habe ich nur das Nötigste gemacht.“ Er erinnert sich, dass auch mal Jumpstyle-Tanzen auf dem Stundenplan stand. Nicht wirklich sein Ding.

Der Integrierten Gesamtschule als Schulform geben sie ganz klar ihre Stimme. „Die Lehrer waren eigentlich alle in Ordnung. Und das Prinzip IGS auch“, so Frederik. „Natürlich waren es unsere Eltern, die uns dorthin geschickt haben“, sagt Nele. „Sie fanden die Arbeit in Tischgruppen und andere IGS-typische Inhalte einfach gut. Das geht mir genauso. Unterm Strich hat mir diese Schulform mehr gebracht als geschadet.“ tl

Verbundenheit unter den Schülern

Lüneburg. Sie hatten schon den Ansporn, ein gutes Abitur zu machen. Eine 1 vor dem Komma, war das Ziel von Naíma Granitza (20) und Jonathan Intemann (18). Mit 1,3 haben die Beiden nun den besten Abi-Schnitt an der Rudolf-Steiner-Schule gemacht, und liegen damit deutlich unter dem Gesamtdurchschnitt von 2,16. 13 Schüler waren laut Klassenbetreuerin Dorothee Kahlke zur Prüfung angetreten, 12 haben sie bestanden.

Sowohl Naíma Granitza aus Ashausen als auch der Lüneburger Jonathan Intemann haben seit der 1. Klasse die Schule an der Walter-Bötcher-Straße besucht. Das Angebot an kreativen Fächern, Englisch und Französisch ab der 1. Klasse sowie das Lernen im Klassenverbund bis zur 13. Klasse, „das zu einer engen Verbundenheit unter den Schülern führt“, sind Gründe dafür, dass sie ihre Schule sehr schätzen.

Abitur in Corona-Zeiten, das sei schon eine Herausforderung mit viel Ungewissheiten gewesen. Offen war ja eine Zeitlang, ob und wann die Prüfung gemacht werden kann. „Das diskutierte Durchschnittsabi wäre an unserer Schule nicht möglich gewesen, weil bei uns nur die Noten zählen, die man in den Abi-Klausuren schreibt.“ Dennoch, es wurde „kontinuierlich gelernt“. Mit großem Erfolg – das streichen die Beiden sympathischerweise wenig heraus. Wohl aber, dass das vergangene Jahr anstrengend war.

Deshalb setzt Intemann jetzt erst einmal auf „körperliche Arbeit als Kontrastprogramm zur Schule“. Er macht Bundesfreiwilligendienst bei der Loewe-Stiftung in Ochtmissen, möchte dort im Bio-Gemüse-Anbau mit Klienten der Einrichtung tätig sein. Danach strebt er ein „Studium im Ingenieurbereich mit dem Schwerpunkt Nachhaltigkeit“ an. Auch für Granitza war klar: Studium ja – zum Beispiel etwas Kreatives mit Schwerpunkt Nachhaltigkeit –, aber nicht direkt nach der Schule. Sie begibt sich erst einmal mit Freunden auf Wanderung durch die Alpen. Geplant war, danach im Rahmen eines Freiwilligen-Musik-Projektes nach Südamerika zu gehen. Doch Corona hat ihr einen Strich durch die Rechnung gemacht. Aber sie ist überzeugt, es wird Alternativen im europäischen Ausland geben. as