Samstag , 8. August 2020
Karikatur: Gunga

Wetter bleibt wechselhaft

Deutsch Evern. Mit den großen Ferien beginnen die schönsten Tage des Jahres. Stellt sich die nicht unwichtige Frage nach dem dazugehörigen Wetter.

Wie in jedem Jahr lohnt ein Blick auf den Siebenschläferraum vom 27. Juni bis 10. Juli, dessen Witterungsverlauf in zwei von drei Jahren Taktgeber für den Hochsommer ist. Anders als 2018 und 2019 hatte die Siebenschläferzeit diesmal wenig Erfreuliches zu bieten.

Grund für das wechselhafte und bislang zu kühle Wetter ist das ortsfeste Azorenhoch, das seine Fühler nur zögernd nach Norddeutschland ausstreckt. Zwischen ihm und einem umfangreichen Tiefdruckkomplex über Nordeuropa hat sich eine Westwind-Wetterlage eingestellt, mit der Regenfronten teils erwärmte, teils kühle Meeresluft zu uns lenken. An diesem Hin und Her wird sich vorläufig auch nichts ändern.

Nächste Kaltfront ab Sonntagnachmittag

Den letzten Crash des Schaukelsommers erlebten wir gestern. Heute geht’s schon wieder bergauf. Zum Start in die großen Ferien sind zwischen Heide und Elbe angenehme 21 bis 22 Grad angesagt, dazu viel Sonnenschein und kaum noch Schauer. Zum Wochenende liegen wir weiter auf Sommerkurs. Bei einem freundlichen Wechsel aus Sonne und Wolken mit höchstens vereinzelten Schauern werden am Freitag 23 bis 24 Grad erreicht. Sonnabend und Sonntag ist bei oft sonnigen 24 bis 25 Grad sogar die Sommermarke in Sicht.

Doch Vorsicht: Dies ist nur die eine sprichwörtliche Fliege, die noch keinen Sommer macht. Schon ab Sonntagnachmittag steht die nächste Kaltfront aus Westen vor der Tür. Ob ihre Schauer und Gewitter eine deutliche oder nur verhaltene Abkühlung bringen, ist noch nicht klar. Angesichts der derzeit kurzen Verfallzeit guter Nachrichten ist allerdings eine gesunde Skepsis angebracht.
Aber keine Angst: Für den August besteht Hoffnung auf Besserung. Nach Vorhersagen von Langfristmodellen soll sich der Sommer erholen. Die Zugbahn von Atlantiktiefs wird weiter im Nordwesten berechnet. Damit würde das Azorenhoch mehr Freiraum Richtung Norddeutschland bekommen. Trotzdem wird das wechselhafte Erbe des Siebenschläfers – in abgeschwächter Form – wohl noch eine ganze Weile spürbar sein. Dauerhitze ist weiterhin nicht zu erwarten, eher vereinzelt Hitzespitzen, die mit erfrischenden Tagen wechseln. Alles in allem können wir uns auf mäßig warme, normal sonnige und relativ trockene Ferienwochen der angenehmen Art freuen.

Der Tipp: Wer es sonniger und wärmer haben will, sollte sich Richtung Süden orientierten. Aufgrund der Großwetterlage bleibt der Sommer zwischen Nord- und Süddeutschland bis auf Weiteres ungerecht verteilt.

Warum Siebenschläfer?

Eines vorweg: Mit dem Nagetier hat der Siebenschläfertag nichts zu tun. Der Name stammt aus einer Legende, die erstmals im 6. Jahrhundert schriftlich festgehalten wurde. Demnach hatten sich sieben junge Christen auf der Flucht vor einem römischen Kaiser in eine Höhle verkrochen. Doch dort wurden die Männer entdeckt und lebendig eingemauert. Der Legende nach starben sie nicht, sondern schliefen 195 Jahre lang. Daher der Begriff „Sieben Schläfer“. Am 27. Juni 446 wurden sie zufällig entdeckt, wachten auf, bezeugten den Glauben an die Auferstehung der Toten und starben wenig später.

Von Reinhard Zakrzewski