Freitag , 25. September 2020
Das Gebäude der Uni am Wilschenbrucher Weg 84. Hier begann Lüneburgs akademisches Leben. Werden hier bald Gymnasiasten auf das Studium vorbereitet? Foto: t&w

Uni-Keimzelle als Ausweichquartier?

Lüneburg. Hilft die Universität der Wilhelm-Raabe-Schule aus der Raumnot? Stadt und Leuphana bestätigten jetzt auf LZ-Anfrage, dass derzeit Gespräche über eine mögliche Anmietung des Unigebäudes am Wilschenbrucher Weg 84 durch die Stadt laufen. Eine Einigung vorausgesetzt, könnte die Keimzelle der Leuphana den Platzmangel am nahen Gymnasium im Roten Feld lindern. Nach Aussage von Stadtpressesprecherin Ann-Kristin Jenckel werden Räume für den 12. und 13. Jahrgang der Schule gesucht.

Hintergrund: Derzeit platzen alle Lüneburger Gymnasien aus den Nähten, weil sie nach Beerdigung des Turbo-Abis 13 Jahrgänge parallel unterbringen müssen. Hinzu kommt der erhöhte Platzbedarf in Zeiten von Corona-Abstandsregeln. Erweiterungsflächen fehlen in dem historischen Komplex, wie zuletzt in der Schulausschussitzung des Lüneburger Rates am 20. Februar deutlich wurde. Bei einem Umbau des 1. Obergeschosses in diesem Sommer sollen drei Klassenräume gewonnen werden. 2022/23 soll dann der Dachboden ausgebaut werden, was vier Klassenräume brächte.

Die Stadt sucht Flächen

Zu spät für den aktuellen Platzbedarf in Corona-Zeiten. Leuphana-Sprecher Henning Zühlsdorff hielt sich bedeckt, was die konkreten Pläne anging: „Die Stadt sucht Flächen, insofern könnte das mit dem Gebäude im Wilschenbrucher Weg passen. Ich muss mich aber zurückhalten, was die Erwägungen im Einzelnen angeht, weil die Gespräche aktuell laufen.“ Auch Stadtpressesprecherin Jenckel betont, dass die Gespräche erst ganz am Anfang stünden. Der Wilschenbrucher Weg sei für die Wilhelm-Raabe-Schule eine Option. „Es gab bisher eine erste gemeinsame Besichtigung mit Uni und Schule vor Ort. Die Schulleitung muss anhand der Raumpläne erst einmal prüfen, ob die Schüler beider Jahrgänge tatsächlich dort untergebracht werden könnten. Anschließend stehen weitere Gespräche an.“

Derzeit seien noch Institute der Universität in dem mehr als hundert Jahre alten Gebäude ansässig, sagt Uni-Sprecher Zühlsdorff, Mensa und Bibliothek sind dagegen schon längst umgezogen. „Es war schon immer der Plan, alles um den Campus herum zu konzentrieren.“

„Wir planen auch Hybrid-Veranstaltungen“

Bringt der Verzicht auf Räumlichkeiten nun nicht die Leuphana, die ja ebenfalls die Corona-Abstandsregeln einhalten muss, in Platznöte? Das verneint Henning Zühlsdorff. „Bräuchten wir die Räume, gäbe es die Gespräche nicht.“ Zudem setzt die Leuphana in Zeiten der Pandemie weiter auf ein möglichst digitales Studium. „Wir planen auch Hybrid-Veranstaltungen, in denen ein Teil der Studierenden präsent vor Ort ist, während ein anderer online zugeschaltet ist.“

Der Reiz einer Vermietung ihrer Keimzelle liegt für die Leuphana im Finanziellen. Auf einer Sitzung des Finanzausschusses des Landtags am 22. Januar bezifferte Ministerialdirigent Rüdiger Eichel die Finanzierungslücke beim Bau des Zentralgebäudes „mit – grob gerundet – 10 Millionen Euro“. Diese Lücke soll durch langfristige Vermietungen geschlossen werden.

Henning Zühlsdorff sagt dazu: „Generell wäre eine derartige Vermietung nicht uninteressant. Das Gebäude bliebe im Stiftungsbesitz, zugleich würden wir Einnahmen generieren, um das Zentralgebäude zu finanzieren.“

Von Joachim Zießler