Die Hälfte der 4a an der Igelschule freut sich über Zeugnisse und das verdiente Sportabzeichen, für das sie auf dem Schulhof geschwitzt haben. Jutta Gedrath bom KSB sowie Klassen- und Sportlehrer Bernd Emmerich jubeln mit. Foto: t&w

Erfinderisch zum Sportabzeichen

Lüneburg. Sport ist die große Leidenschaft von Viertklässler Timur – und deshalb gibt er auch ganz offen zu: „Die Urkunde für Gold beim Sportabzeichen ist mir noch wichtiger als mein Zeugnis.“ Zum Glück muss er sich nicht entscheiden, sondern darf sich am heutigen letzten Schultag vor den Sommerferien über beides freuen.

Mit Urkunde und Zeugnis in die Sommerferien

128 Sportskanonen der Lüneburger Igelschule nahmen gestern stolz ihre Urkunden über Gold, Silber oder Bronze entgegen. Alle Klassen haben in den vergangenen Wochen in den verschiedenen Disziplinen geschwitzt, obwohl die Schulen wegen der Corona-Verordnung eigentlich auf den Sportunterricht verzichten mussten. Die Igelschule wurde erfinderisch.

„Wir haben überlegt, wie wir Kognitives und Bewegung dennoch in den Stundenplan kriegen, da bietet sich die Leichtathletik an, weil man alles kontaktarm und draußen machen kann“, erklärt Bernd Emmerich, Sportfachleiter der Igelschule. Kurzerhand verwandelte er den Schulhof in einen Sportplatz.

Die Sandgrube, auf der das große Klettergerüst steht, wurde zur Weitsprung-Anlage, zwischen den Toren auf dem Fußballfeld gingen die Kinder zum Werfen an den Start – und auch die 30- und 50 Meter-Sprintstrecken waren auf dem Gelände schnell abgemessen. Wer sich auf der Langstrecke beweisen wollte, konnte das auf einem Rundkurs um den Pausenhof.

Neun Schüler pro Durchgang

Probleme, Mindestabstand und Hygieneregeln einzuhalten, gab es nicht: Da das Land Niedersachsen nur halbe Klassen im Wechsel pro Schultag zulässt, waren die Gruppen für die Sportabzeichen-Abnahme übersichtlich. „Mit neun Schülern pro Durchgang funktionierte das super“, erläutert Bernd Emmerich.

„Und da unser Schulhof so weitläufig ist, haben wir sogar Klassen parallel betreut. Auch der Sport-Nachwuchs konnte dem Mindestabstand zumindest etwas Positives abgewinnen: „Sonst wird man bei den Sprints oft von Schnelleren weggedrängelt, das ging jetzt natürlich nicht. Das fand ich super“, berichtet Viertklässlerin Lucia.

Sie freut sich über Gold und hat dafür starke Ergebnisse rausgehauen: Nur 8,5 Sekunden benötigte sie über 50 Meter Sprint, sprang 2,79 Meter weit und schaffte beim Weitwurf 16,50 Meter. „Das ist für ein Mädchen ordentlich“, weiß Jutta Gedrath.

Die Sportabzeichen-Beauftragte des Kreissportbundes Lüneburg unterstützte die Igelschule, wertete im Anschluss auch die Ergebnisse aller Schülerinnen und Schüler aus. „Das ist eine tolle Leistung, ihr seid die einzige Schule, die so motiviert war“, lobt Gedrath, die aufgrund der Corona-Pandemie viele Absagen bekommen hat. In zwei weiteren Schulen hätten noch Viertklässler das Abzeichen gemacht, „aber für die Zeit nach den Sommerferien habe ich noch viele freie Termine, um Schulen zu begleiten.“

Igelschule ist eine sportliche Ausnahme

Bernd Emmerich ist froh, sich trotz aller Umstände für die Abnahme entschieden zu haben: „Das Kollegium hat toll mitgezogen und die Kinder haben gleich gefragt, wann sie wieder loslegen und sich verbessern können.“ Wer es noch nicht zur Urkunde geschafft hat, soll nach den Ferien weiter die Möglichkeit bekommen – ob auf dem Schulhof oder Sportplatz wird sich zeigen.

Sportlich aber ist die Igelschule allemal: Insgesamt haben 67 Jungen 17 Mal Gold abgelegt, 35 Mal Silber und 15 Mal Bronze. Von 61 Mädchen schafften 24 Gold, 26 Silber und elf Bronze. „Die sieben jüngsten Teilnehmer waren sieben Jahre alt“, so Jutta Gedrath. Von so viel Enthusiasmus ließ sich auch Konrektorin Imke Pilgrim anstecken: Sie machte als einzige Lehrerin mit – und schaffte es auf dem eigenen Schulhof prompt zu Gold.

Für Timur endet die Grundschulzeit heute. Er und seine 4 a können sich die Zeit ohne Igelschule nicht vorstellen, zumal ihnen das Coronavirus viele Wochen genommen hat. „Herr Emmerich fehlt uns jetzt schon“, versichern Luca, Lukas und Lucia. Und sicher auch die sportliche Schule, die den Schulhof mal eben zum Sportplatz macht.

Von Kathrin Bensemann