Sonntag , 1. November 2020
Die alte Kita in Hohnstorf/Elbe ist in die Jahre gekommen, soll durch einen Neubau ersetzt werden. Dieser Kurs soll trotz finanzieller Einbußen durch die Corona-Krise beibehalten werden, beschloss der Gemeinderat mit knapper Mehrheit. Foto: be

Rat hält an Kita-Neubau fest

Hohnstorf/Elbe. Jedem Ratsmitglied war der große Respekt vor der finanziell weitreichenden Entscheidung für die Gemeinde anzumerken. Einmal mehr war der Kita-Neubau in Hohnstorf Thema im Rat, ein Eilantrag der Gruppe SPD/Freie Wählergemeinschaft Hohnstorf (FWGH) hatte das Projekt auf die Tagesordnung für die Sitzung am Donnerstagabend gehievt. Es sei eine gute Idee, die Diskussion abermals zu führen, war fraktionsübergreifend der einhellige Tenor. Nach einer leidenschaftlichen, jedoch betont sachlichen Diskussion stand der Beschluss fest: Mit 7:6 Stimmen sprach sich die Ratsmehrheit dafür aus, am Kita-Neubau festzuhalten, die bisherige Planung in einen Bauantrag münden zu lassen.

Es ist im Rat unstrittig, dass Handlungsbedarf besteht

Neben dem Feuerwehrhaus entsteht an der Elbuferstraße ein Neubau, unter anderem mit Räumen für eine Krippengruppe mit 15 Kindern und drei Kindergartengruppen für insgesamt 75 Mädchen und Jungen. So hatte es der Gemeinderat auch schon im Februar 2017 beschlossen. Dass Handlungsbedarf besteht, weil der gegenwärtige Kindergarten an der Dorfstraße an seine Kapazitätsgrenze stößt, ist im Rat unstrittig. Nur zu welchem Preis, da gehen die Meinungen weit auseinander. Und das bereits, seit es die ersten Überlegungen für den Neubau gibt.

Die SPD-Fraktionsvorsitzende Bettina Kühnast machte klar, dass der Antrag für die Sitzung ein kostenreduzierter Alternativ-Vorschlag zum Neubau sei. Die Idee ist, das bisherige Gebäude an der Dorfstraße auch weiterhin als Kindergarten zu nutzen und um Küche und Mensa zu erweitern. Kosten: 150.000 Euro. Am Feuerwehrhaus wird eine neue Krippe mit zwei Gruppenräumen gebaut. Bei der Planung werden mögliche Erweiterungen von Krippe und Kindergarten berücksichtigt. So der Vorschlag der Gruppe.

„Die Mühlen der Bürokratie mahlen langsam“

Ratsherr Kevin-Brian Lühr verdeutlichte, dass SPD und Freie Wähler durchaus für einen Neubau wären. „Aber nur, wenn das Vorhaben finanzierbar ist. Zu erwartende vier Millionen Euro sind für unsere Gemeinde nicht darstellbar. Das passt nicht in unseren Haushalt“, betonte er. Lühr sieht die Handlungsfähigkeit der Kommune wegen der finanziellen Belastung dauerhaft gefährdet.

Von vier Millionen Euro geht die Gruppe SPD/FWGH aus. Denn in der bisherigen Planung fehlten etwa noch Zufahrt, Parkplätze und der Kita-Außenbereich, meinte Andreas Köhlbrandt (SPD). „Und wir liegen jetzt schon bei 3,7 Millionen Euro“, schätzte er und kritisierte gleichzeitig, dass seit 2016 keine verlässliche Kostenkalkulation vorliege.

Ein maßgeblicher Grund dafür sei, dass die Mühlen der Bürokratie langsam mahlen, erklärte Bürgermeister André Feit (CDU). „Wir wollen auf einem alten Maisacker bauen. Dafür mussten Änderungen im Flächennutzungsplan vorgenommen und Bebauungspläne beschlossen werden. Das alles ist ein langer Prozess und dauert seine Zeit“, sagte er. Diese Spanne wirke sich auf die Kalkulation aus. Der bislang letzte Ansatz von 2,4 Millionen Euro sei dadurch überholt, auch weil ein weiterer Krippenraum entstehen soll. Von aktuell rund 3,4 Millionen Euro geht Michael Drägestein (CDU) aus. „Wir halten trotzdem am Neubau fest, weil bereits Kosten für Planung und Grundstückskauf von 250.000 Euro angefallen sind und der alternative Krippenneubau auch je nach Variante 1,5 bis zwei Millionen Euro kostet“, sagte er. Claus-Cornelius Poggensee (Grüne) ergänzte, dass die dafür nötige Umplanung nochmals mit 250.000 Euro zu Buche schlagen würde.

„Komplettlösung ist der richtige Weg“

Nancy Behr (CDU) sagte, nach Diskussionen in der Fraktion habe am Ende immer wieder der Neubau als Ergebnis gestanden. „Ja, das ist eine große Summe“, sagte sie. „Wir müssen zukunftsorientiert denken. Wir versenken ja kein U-Boot in der Elbe, sondern schaffen ein tolles Gebäude für Familien“, meinte sie. Bürgermeister Feit ergänzte: „Die Kita ist ein Leuchtturmprojekt für Hohnstorf, ein Standortfaktor.“ Daher sei die Komplettlösung der richtige Weg. Diese sei finanzierbar, beteuerte Claus-Cornelius Poggensee. Das ergäben zwei in der Laufzeit kombinierbare Kreditangebote mit Zinssätzen von 0,01 und 0,3 Prozent. „Auch sind noch Kostenreduzierungen im neuen Gebäude möglich“, erklärte er.

Es werde nach 30 Jahren eine Restschuld verbleiben, räumte André Feit ein. „Aber trotzdem verbauen wir nächsten Ratsgenerationen nichts und die Gemeinde ist und bleibt finanziell handlungsfähig.“

Von Stefan Bohlmann

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