Donnerstag , 1. Oktober 2020
Max Strampe ist zufrieden mit der Qualität der Heidelbeeren in diesem Jahr. Voraussichtlich bis Mitte September läuft die Ernte in Neetze. Foto: t&w

Bauern sehen Blau

Neetze. Eigentlich ist Max Strampes Lieblingsfarbe Rot. Doch in diesen Wochen, wenn er auf seinem Feld im Wald bei Neetze unterwegs ist, sieht er am liebsten Blau: Blaubeeren unter strahlend blauem Himmel. Die Heidelbeersaison hat begonnen.

Niedersachsen ist laut Landwirtschaftskammer (LWK) mit etwa 2000 Hektar Anbaufläche und rund 70 Prozent der Produktion das Zentrum des deutschen Heidelbeeranbaus. Die LWK-Fachleute rechnen in diesem Sommer mit einer guten Fruchtqualität und einer ordentlichen Erntemenge. So auch Strampe. Gerade in den vergangenen drei Jahren, in denen viele heimische Feldfrüchte angesichts der Trockenheit die Köpfe hängen ließen, habe die robuste Blaubeere gezeigt, was sie kann, freut sich der Obstbauer aus Neetze. Darum will er den Anbau im kommenden Jahr nochmals erweitern.

Bei ihm im Wald, wo einst Kiefern wuchsen, fühlten sich die Heidelbeersträucher besonders wohl. Die fingernagelgroßen Früchte machen Strampe und seinem Team in diesen Wochen aber auch mächtig Arbeit: Neben den Kunden, die sich auf den Feldern regelmäßig selbst bedienen dürfen, sind 40 Feldarbeiter mit der Beerenernte beschäftigt. Denn nicht nur die Blaubeeren sind erntereif, auch Erd-, Brom- und Himbeeren müssen gepflückt werden.

Eine Folge des „Gesundheitstrends“

Die Helfer kommen überwiegend aus Rumänien und Polen. Sie arbeiten und leben in diesem Jahr unter ganz neuen Bedingungen auf Hof Strampe: Statt mit dem Bus reisten sie mit dem Flugzeug an. Dann folgten zwei Wochen in Quarantäne. Ein Mitarbeiter ist ausschließlich dafür zuständig, auf die Einhaltung der Hygieneregeln zu achten, und die Zahl der Wohncontainer wurde verdoppelt. Einen Container teilen sich nun maximal zwei Personen.

In Niedersachsen hatten LWK-Angaben zufolge im vergangenen Jahr 162 Betriebe 9780 Tonnen Heidelbeeren geerntet, darunter 28 Öko-Betriebe mit einer Erntemenge von rund 1000 Tonnen. In Neetze wachsen schätzungsweise 20.000 Heidelbeersträucher. Jeder Strauch trägt pro Jahr rund drei Kilo Beeren – und die finden reißenden Absatz. Eine Folge des „Gesundheitstrends“, vermutet Strampe. Die Bedingungen in der Region seien ideal für den Anbau geeignet. Heide- oder Waldstandorte – dort wüchsen die meisten Sorten gern. Diese haben alle unterschiedliche Reife-Termine, darum dauert die Heidelbeersaison in Neetze voraussichtlich auch noch bis Mitte September.

Von Anna Petersen