Mittwoch , 21. Oktober 2020
Bürgermeister Thomas Maack (l.), Amtsleiterin Sandra Eddelbüttel und Gemeindebrandmeister Mirko Dannenfeld zeigen, was sie in der Zeitkapsel im alten Erbstorfer Feuerwehrhaus gefunden haben. Foto: Michael Behns

Freude auf eine neue Ära

Erbstorf. Vom Feuerwehrhaus in Erbstorf ist nichts mehr übrig: Das 1971/72 errichtete Gebäude, das 1985 um einen Anbau für die Fahrzeuge der Brandschützer erweitert wurde, ist abgerissen worden. Ein Bagger machte die Heimat der Feuerwehrleute jetzt dem Erdboden gleich. Entstehen soll auf dem Grundstück im Osten Adendorfs ein hochmodernes Feuerwehrhaus.

Gespannt waren die Verantwortlichen von Gemeinde und Feuerwehr auf die „Zeitkapseln“, die bei den Grundsteinlegungen in den Gebäuden hinterlegt worden waren. „Beim Bau von 1971/72 wissen wir aber nicht, ob es überhaupt eine gibt“, sagte Ordnungsamtsleiterin Sandra Eddelbüttel, die in der Verwaltung für die Feuerwehr zuständig ist. Es gab wohl keine – gefunden wurde jedenfalls nichts. Die von 1985, verborgen in einem Pfeiler der Fahrzeughalle, schon.

Bürgermeister Thomas Maack (SPD), Amtsleiterin Eddelbüttel, Nils Wollny von der Erbstorfer Feuerwehr und dessen Sohn Keno (10) waren dabei, als die Zeitkapsel geöffnet wurde. Bauhofleiter Stefan Switalla musste ran – mit Hammer und Meißel. „Kein Problem für einen gelernten Landmaschinenmechaniker“, sagte er.
Eine Landeszeitung vom Wochenende 18./19. Mai 1985 fand sich in der metallenen Hülse, die auch eine eigene Geschichte hat: Handgefertigt wurde sie vom damaligen Lehrling Thomas Brammer im benachbarten Metallbauunternehmen Leutert. Brammer gehört noch heute der Erbstorfer Feuerwehr an, gab den Tipp, wo die Zeitkapsel zu finden sein dürfte.

In der Kapsel lagen Zeitungen, Urkunden und Geld

In der gefundenen Landeszeitung wurde darüber berichtet, dass eine Liegewiese im Kurpark für das Sonnenbaden „mit und oben ohne“ freigegeben werden soll. In der Kapsel lag auch eine Ausgabe der „Informations- und Anzeigenzeitung Der Adendorfer“ – mit einem Bericht über das Adendorfer Schützenfest und einem Sternmarsch zum Rathaus mit vielen Hundert Teilnehmern. Auch eine Urkunde mit den Unterschriften Erbstorfer Feuerwehrleute und 1,68 Mark in Münzen lagen bei – jeweils eine Münze von einer Mark sowie 50 Pfennig, zehn Pfennig, fünf Pfennig, zwei Pfennig und ein Pfennig.

Ein kompletter Satz Münzen – vom Fünfmarkstück bis zum Pfennig – sei eigentlich üblich als Inhalt einer Zeitkapsel, wunderte sich Bürgermeister Maack. Warum die Fünf- und die Zweimarkmünze fehlen? „Dem müssen wir jetzt nachgehen, die Gemeinde wollte bestimmt schon damals sparen“, erklärte er lächelnd.

„Mehr Vorfreude als Wehmut“

Das alte Erbstorfer Feuerwehrhaus, das von der damals noch selbstständigen Gemeinde Erbstorf errichtet wurde, ist damit Geschichte, das neue kann kommen. „Mehr Vorfreude als Wehmut“, empfinde er darüber, sagte Adendorfs Gemeindebrandmeister Mirko Dannenfeld. Die Corona-Pandemie hatte auch den Beginn der Arbeiten am Erbstorfer Feuerwehrhaus verzögert.

Schon für Ende März war der Abriss des alten Gebäudes vorgesehen. Mittlerweile liegen immerhin die ersten Ausschreibungsergebnisse für den Neubau vor, so bald wie möglich solle es mit den Bauarbeiten losgehen, sagt Sandra Eddelbüttel. Ihr Wunschtraum: „Dass die Fahrzeuge schon Ende dieses Jahres in die neue Halle kön-nen.“

Schon lange war es den rund 40 Aktiven der Erbstorfer Feuerwehr zu eng in ihrem Gebäude gewesen. Zu schmal und zu niedrig waren die Einfahrten, der Abstand zwischen Fahrzeugen und Spinden war viel zu gering. Dusch- und Waschmöglichkeiten fehlten, getrennte Umkleidemöglichkeiten für Männer und Frauen waren nicht vorhanden, das Gebäude war nicht barrierefrei.

Eine Sanierung wurde im Rat verworfen

Im Herbst 2018 entschied sich der Adendorfer Rat dann einstimmig für einen Neubau in Erbstorf, eine Sanierung wurde verworfen. Eine Arbeitsgruppe aus Politik, Verwaltung, Feuerwehr und Fachplanern machte sich an die Arbeit. Die geplanten Kosten: rund zwei Millionen Euro, geplante Bauzeit: etwa ein Jahr.

„Damit beginnt eine neue Ära für die Feuerwehr in der Gemeinde Adendorf“, erklärte Bürgermeister Maack angesichts der Tatsache, dass die Adendorfer Wehr ihren Neubau schon 2010 bezogen hatte.

Von Ingo Petersen

Viel Raum für die Erbstorfer Brandschützer

Platz auf 800 Quadratmetern

Das künftige Gebäude der Erbstorfer Feuerwehr wird aus zwei Bereichen bestehen. Ein Teil ist für die Fahrzeuge vorgesehen: Fünf Stellplätze sind für die zurzeit vier Fahrzeuge der Wehr geplant, einer davon kann für die Lagerung von Material oder Ausrüstung genutzt werden. Insgesamt wird die Halle für die Fahrzeuge, einschließlich Werkstatt und Lager, 367 Quadratmeter groß sein.

Der andere Teil des Gebäudes bietet Umkleidemöglichkeiten, einen Sanitär- und Bürobereich, Küche sowie einen Aufenthaltsraum, der auch für Feste und Versammlungen geeignet ist. Dieser Bereich hat eine Größe von 412 Quadratmetern, dazu kommt noch Stauraum auf der Galerie, die zu einem späteren Zeitpunkt ausgebaut wird.