Dienstag , 29. September 2020
So sah es am Kalkberg in Lüneburg vor einigen Jahren aus. Ähnlich ist es in Barendorf, wo die Glühwürmchen aber wegen der kalten Witterung zurzeit pausieren. Foto: t&w

Hochzeitstanz der Glühwürmchen

Barendorf. Laue Sommernächte sind gerade rar. Damit sind die abendlichen Spaziergänge von Burckhard Gerlach nicht mehr ganz so faszinierend wie noch vor Kurzem. Immer mit Einbruch der Dämmerung macht sich der Barendorfer mit Hund „Flippo“ und Katze „Mieze“ auf den Weg. Das Ziel des Trios ist eine Sitzbank im nahen Friedwald. Von dort beobachten Burckhard Gerlach und seine tierischen Begleiter seit geraumer Zeit ein wundervolles Naturschauspiel. Viele Hundert Glühwürmchen schwirren kreuz und quer ungefähr einen Meter über dem Waldboden und funkeln unter den hohen Bäumen im langsam schwindenden Abendlicht. „Das ist einmalig“, schwärmt er.

Foto: t&w

Die Runden am Waldrand sind für ihn seit Jahren eine lieb gewordene Gewohnheit an Sommerabenden. „Auch in der Vergangenheit konnte ich immer mal wieder Glühwürmchen beobachten, aber es waren nur vereinzelt Exemplare zu sehen. So viele wie in diesem Sommer waren es noch nie“, berichtet der 75-Jährige. Wobei der Tanz der Glühwürmchen inzwischen deutlich an Temperament verloren hat.

Acht bis zehn Millimeter kleine Käfer

„Los ging es am 24. Juni. Auch an den Tagen danach waren immer sehr viele Glühwürmchen zu entdecken“, erzählt er. Doch mit dem Regen und der stetig sinkenden Abendtemperatur blitzt es nun weniger im Barendorfer Friedwald.

Das zarte Leuchten der acht bis zehn Millimeter kleinen Käfer geht besonders stark von den Weibchen aus: Sie knipsen kurz das Licht an und schon ist es wieder erloschen. Doch das Lichterspiel ist nicht für den Menschen, sondern für die Käfermännchen gemacht.

„Je stärker ein Weibchen der Liebe wegen leuchtet, desto intensiver fühlen sich die Männchen angezogen“, sagt Jenifer Calvi, Pressereferentin der Deutschen Wildtier Stiftung.

Chemische Reaktion

Die Käferweibchen arbeiten mit Leuchtstoffen, die sie im Hinterleib bilden. Sie lösen damit eine chemische Reaktion aus, die dann die Lichter produziert.

„Taumelnd und wie trunken vor Glück schweben die männlichen Käfer über den weichen Waldboden und suchen nach den flugunfähigen Weibchen. Mal lassen sie sich hochtragen, mal sinken sie sachte und vollkommen leise wieder hinab“, erklärt Jenifer Calvi.

Für die Insekten geht es um alles: um Fortpflanzung, den Fortbestand der Art, das Überleben. „Ist die Hochzeitsnacht vorbei, müssen die Männchen sterben.“ Die weiblichen Glühwürmchen dagegen überleben etwas länger und legen ihre Eier im Waldboden ab.

Larven ernähren sich von Schnecken

Etwa einen Monat später, im August, schlüpft dann die neue Generation. Der Nachwuchs macht sich sogar im Garten nützlich: Die Larven ernähren sich von Schnecken.

Glühwürmchen sind zwischen Juni und Juli an Waldrändern und Gebüschen, in Wiesen, Gärten und Parks zu finden. Sie leben oft in der Nähe von offenem Wasser, nie jedoch in dichtem Wald und auch niemals in Nadelwäldern.

Auch wenn der größte Trubel vorbei zu sein scheint, gibt es für Burckhard Gerlach doch die Hoffnung, dass er bei seinen Runden am Abend noch eine Weile dem Hochzeitstanz der Leuchtkäfer zuschauen kann. Es soll wieder wärmer werden, vielleicht mit der einen oder anderen lauen Sommernacht. Und dann laufen Hund „Flippo“ und Katze „Mieze“ nach dem wunderschönen Naturschauspiel wieder funkelnd mit ihm zurück nach Hause. „Einige Glühwürmchen bleiben immer im Fell des Hundes und an der Schwanzspitze der Katze hängen, sodass sie mir dann den Weg leuchten“, sagt er lachend.

Von Stefan Bohlmann