Die Finanzbuchhaltung der Samtgemeinde Amelinghausen wird von externen Experten aufgearbeitet. Der Aufwand ist größer als gedacht. Foto: t&w

In den Abgrund geschaut

Amelinghausen. Erstmals lüftete das beauftragte Beratungsunternehmen in der Öffentlichkeit den Vorhang und gab Einblicke in die Aufarbeitung der Amelinghausener Finanzmisere. Bislang habe die Firma „Uelzener Doppik“ rund 3000 Belege und Rechnungen überprüft, um überhaupt zu verstehen, wie in der damaligen Kämmerei von 2012 bis 2019 gearbeitet wurde. Mit der Überprüfung sind die Experten aktuell bis ins Haushaltsjahr 2018 vorgedrungen. Aber: „Die ganz umfangreichen Sachen haben wir erstmal rechts und links zur Seite gepackt“, sagte Geschäftsführer Torsten Arends am Dienstagabend vor dem Finanzausschuss des Samtgemeinderates. Böse Überraschungen könnten noch kommen.

Auch die Waldbadsanierung muss nachgerechnet werden

Die Samtgemeindeverwaltung unter Claudia Kalisch hatte mit Unterstützung des Rates die Beratungsfirma engagiert, um die chaotische Finanzbuchhaltung der Vorjahre seit 2012 aufzuarbeiten. Anlass dazu gegeben hatte auch eine Kritik des Rechnungsprüfungsamtes des Landkreises Lüneburg: So seien in den Bilanzen nicht nur Plus und Minus bei Erträgen und Aufwendungen vertauscht worden. Vor allem die fehlerhafte Anlagenbuchhaltung und die dazugehörigen Abschreibungen bereiten Kopfzerbrechen. Und solange nicht geklärt ist, in welcher Höhe laufende Abschreibungen tatsächlich den Etat belasten, steht auch die aktuelle Haushaltsplanung möglicherweise auf tönernen Füßen.

Als Beispiel nannte Arends die Sanierung des Waldbades für mehr als 1,3 Millionen Euro. Dabei sei versäumt worden, die Einzelmaßnahmen den jeweiligen Vermögensgegenständen zuzuordnen. Arends: „Wir sind bei der Aufarbeitung dieser Belege bei bis zu 80 Prozent angekommen, um die notwendigen Buchungen vollziehen zu können.“ Insgesamt bräuchte sein Team bis Ende 2020, um die ganze Finanzbuchhaltung aufzuräumen. Erst dann könnten die notwendigen Jahresabschlüsse abgearbeitet werden, die sich auch auf die aktuelle Finanzlage auswirken.

Wolfgang Marten (SPD), Vorsitzender des Finanzausschusses fragte: „Wollten wir mit den Jahresabschlüssen nicht schon dieses Jahr beginnen?“ Darauf Arends: „Die Arbeiten sind umfangreicher als gedacht.“ Zudem könne er voraussichtlich erst im Oktober verlässliche Informationen geben, welche Auswirkungen beispielsweise die verschleppten Abschreibungsposten tatsächlich haben werden.

Liste mit verschobenen Projekten ist lang

Damit künftig Rat und Verwaltung den laufenden Etat der Samtgemeinde besser im Blick haben, hat sich der seit Frühjahr im Amt befindliche Kämmerer Stephan Kaufmann verpflichtet, alle drei Monate einen Zwischenbericht zu liefern. Demnach stand der Ergebnishaushalt Ende Juni mit Minus 236.000 Euro in der Kreide. Noch ist aber der geplante Grundstücksverkauf im Lopaupark nicht in die Rechnung eingeflossen.

Außerdem legte Kaufmann eine Liste geplanter Projekten vor, die in den vergangenen Jahren aus verschiedenen Gründen nicht realisiert oder verschoben wurden, teils auf unbestimmte Zeit. Dazu gehören etwa die Neubauten der Feuerwehrhäuser in Betzendorf und Drögennindorf, der zweite Bauabschnitt der Waldbadsanierung, die Erneuerung des Kiosks am Lopausee oder die Dachsanierung des Markthus. Daraus müssten Lehren gezogen werden, hieß es.

Neue Strategie der Etataufstellung

So einigte sich der Finanzausschuss auf Vorschlag der Verwaltung künftig auf eine neue Strategie bei der Haushaltsaufstellung zu setzen und sprach sich für feste Eckwerte aus. Kaufmann: „Wir melden künftig nicht mehr alle Produkte an und gucken dann, ob das Geld reicht, sondern setzen zuerst den finanziellen Rahmen fest.“ Dafür warb auch Verwaltungschefin Kalisch, auch wenn die Festlegung von festen, reduzierten Budgets bei den Fachbereichsleitern im Rathaus „kein Lächeln hervorrufe“, aber sie trügen es mit. Ratsmitglied Eckhard Winkelmann (Grüne) sagte selbstkritisch: „Wir sollten uns selbst fragen, warum wir das nicht schon früher gemacht haben.“ Oskar Bauer (SPD) sagte: „Jetzt kommen wir dahin zurück, wie wir es vor acht oder zehn Jahren gemacht haben.“ Das sei positiv.

Von Dennis Thomas

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