Samstag , 26. September 2020
Kurze Pause mit Atemschutz. Der Einsatz war eine Höchstbelastung. Foto: Michael Behns

Einsatz bis an die Grenzen

Embsen. Am Dienstagmorgen steht noch immer ein großer, schwarzer Rauchpilz über dem Schulgelände. Beißender Qualm zieht in Richtung Osten. Erschöpfte Feuerwehrleute sitzen auf dem Boden, bekommen Getränke gereicht. Schon seit zwei Uhr früh sind viele von ihnen im Einsatz, um die Flammen zu bekämpfen, die aus einem Trakt der Integrierten Gesamtschule Embsen schlagen. Die Teerpappe auf dem Flachdach ist wie ein Brandbeschleuniger, das Hauptgebäude und die Turnhallen grenzen direkt an den lichterloh brennenden Zwischentrakt. Doch die Feuerwehrleute behalten zunächst die Kontrolle über die Flammen. „Egal was kommt, auf unsere Feuerwehr ist Verlass“, wird Embsens Gemeindebürgermeister Stefan Koch später allerorts loben.

Für die Einsatzkräfte ist der Großbrand eine Herausforderung, der sie an ihre Grenzen bringt. Eine extreme Hitzeentwicklung, ein womöglich mit Asbest belastetes Gebäude, die enge Bebauung. Nach Stunden schießen immer wieder Flammen aus dem Flachdach hervor, die Feuerwehrleute stapfen längst durch einen kniehohen Schaumteppich. Einer stürzt und verstaucht sich einen Knöchel, ein anderer bekommt gesundheitliche Probleme. Rettungswagen bringen beide ins Städtische Klinikum.

Verpflegung aus örtlichen Geschäften

Derweil schleppen Anwohner Hunderte Wasserflaschen an. Einsatzkräfte besorgen weitere Verpflegung aus örtlichen Geschäften und von einem Bäcker, die Solidarität ist groß. „Da können wir schon froh sein, dass wir hier auf dem Land sind, wo man sich kennt“, sagt Yannick Lüdemann, Sprecher der Feuerwehr Ilmenau. In einem eigens errichteten Versorgungszelt können sich erschöpfte Feuerwehrleute stärken.

Von einem Bauunternehmer kommt ein Bagger zum Einsatz, er legt mit seiner Schaufel immer neue Glutnester frei. Wie tückisch dieser Brand ist, zeigt sich dann kurz vor Mittag, nach fast zehn Stunden Einsatz: In der Zwischendecke verborgene Flammen greifen auf die kleinere der beiden Turnhallen über, erneut ist es ein Kraftakt für die Wehren, ein weiteres Ausbreiten zu verhindern. Die ältere Turnhalle muss schließlich am Nachmittag abgerissen werden.

Jens Böther ist voll des Lobes

Und der Schuttberg vor dem Gebäude, das einmal die Umkleide war, wird immer höher. Während speziell geschulte Kräfte prüfen, ob kontaminierter Löschschaum in das Erdreich und letztlich somit ins Grundwasser dringt, macht sich Lüneburgs Landrat Jens Böther selbst ein Bild am Einsatzort. Denn die IGS liegt in der Verantwortung des Kreises. Auch Böther ist voll des Lobes. „Mein ausdrücklicher Dank gilt den vielen Einsatzkräften, die seit den frühen Morgenstunden pausenlos im Einsatz sind“, sagt er. Gegen zwei Uhr waren zunächst die primär zuständigen Feuerwehren der Samtgemeinden Ilmenau und Gellersen alarmiert worden. Doch als klar wurde, welche Dimensionen der Brand hat, ließ die Leitstelle um 3.25 Uhr auch in Lüneburg die Sirenen heulen.

Am Mittag besprachen sich dann Landkreis und Schulleitung, wie man die für eine IGS zum Schuljahresabschluss so wichtigen Gespräche zwischen Schülern, Eltern und Lehrern sowie die Zeugnisübergaben organisieren kann. Unterrichtet wird an der Schule zumindest bis zu den Sommerferien nicht mehr, so viel steht schnell fest.

„Das ist schon eine mittlere Katastrophe“, sagt Rektor Darius Pyrsch am Nachmittag zur LZ. Er hatte die Schulleitung der IGS erst im Februar übernommen, jetzt steht er vor seiner größten Bewährungsprobe. Die Zeugniskonferenzen am Donnerstag und Freitag können in der Grundschule stattfinden, heute werden in einer Leitungskonferenz zahlreiche weitere organisatorische Dinge zu besprechen sein. Denn keiner weiß letztlich, ob das Hauptgebäude wirklich nicht in Mitleidenschaft gezogen wurde…

Von Thomas Mitzlaff

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