Donnerstag , 29. Oktober 2020
Saskia Kussin (l.) von der Ratsbüchererei, Jan Orthey (Lünebuch) und Antje Bechly (Ratsbücherei) bei der Eröffnung der Jugendbuchwoche im vergangenen Jahr. Das überarbeitete Konzept der Veranstaltung haben Kussin und Orthey nun im Kulturausschuss vorgestellt. Foto: Michael Behns

Ein Festival des Lesens

Lüneburg. Alles hat seine Zeit, und in diesem Fall sind es gut 40 Jahre. Jetzt bekommt die Kinder- und Jugendbuchwoche ein neues Konzept – „zeitgemäßer und auf solider finanzieller Basis“, sagt Jan Orthey. Der Lünebuch-Chef, Saskia Kussin von der Ratsbücherei und Kerstin Fischer vom neu einsteigenden Literaturbüro stellten ihre Idee einer Literaturmeile jetzt dem Kulturausschuss der Stadt vor. Starten soll die neu ausgerichtete „Jubuwo“ im Februar 2021.

Das Glockenhaus habe sich nicht mehr bewährt, sagt Orthey. Es gibt dort zu wenig Platz, „wir haben eine massive Überbuchung bei den Lesungen.“ Das soll sich ändern, die Kinder- und Jugendbuchwoche bekommt mehrere Spielstätten, alle an Orten, die für Literatur stehen. Lünebuch ist weiter dabei, die Ratsbücherei mit ihrer Jugendbücherei und der Außenstelle Kaltenmoor sowie im Heinrich-Heine-Haus das Literaturbüro. Der neue Partner passt, denn „wir haben ja eine halbe Stelle für den Kinder- und Jugendbereich“, sagt Kerstin Fischer, Geschäftsführerin des Literaturbüros.

Angebot soll deutlich wachsen

Schon im vergangenen Jahr fiel der Beschluss, in diesem Jahr auszusetzen. „Ein Glücksfall“, sagt Jan Orthey. Sonst hätte man nun alles wegen der Pandemie absagen müssen. Für 2021 aber sind die Veranstalter optimistisch.

Festivalcharakter soll die auf eine Woche konzipierte Kinder- und Jugendbuchwoche bekommen. Sie bekommt auch einen neuen Termin, wechselt vom Herbst in die Zeit nach den Zeugnisferien, in die erste Februarhälfte. Das Angebot soll deutlich wachsen, auf rund 30 Veranstaltungen, die Hälfte könnten Autoren gestalten. Workshops, Rallye, Taschenlampenlesung, Aktionen mit Multiplikatoren etwa aus der Politik, ein Familientag und vieles mehr schwebt den drei Organisatoren vor. Die teilnehmenden Schüler sollen ein Festivalbändchen bekommen, Merchandising-Artikel wie Beutelrucksäcke soll es geben.

Ideen hat das Team noch viele, sogar haarige. Ein Beispiel: Beim Friseur gibt es einen kostenfreien Haarschnitt, wenn Kinder oder Jugendliche dabei vorlesen. Oder: Wer während der Fahrt im Bus liest, muss nicht zahlen – es sollte aber schon ein Buch sein. Nicht alles wird sich umsetzen lassen.

Mehr Veranstaltungen, mehr Kosten

Alles diene dem Ziel der Leseförderung. Lesekompetenz sei wichtiger denn je, sagte auf der Sitzung Saskia Kussin, stellvertretende Leiterin der Ratsbücherei. Sie betonte, dass es einen „niederschwelligen Zugang“ geben soll, alle Kinder und Jugendlichen sollen mitgenommen werden. Mehr Aufwand, mehr Veranstaltungen, das heißt auch mehr Kosten. Das Team rechnet mit rund 22.000 Euro. Nach aktuellem Stand sind rund 6000 Euro noch nicht eingetütet, machte Kerstin Fischer deutlich. Die Veranstalter blicken dabei auch auf die Stadt. Oberbürgermeister Ulrich Mädge stellte sich deutlich hinter die Neuaufstellung: „Wir sollten einen Fünf-Jahres-Vertrag machen, um Sicherheit zu geben.“ Über die Höhe eines Zuschusses müsse man aber noch reden.

Großen Zuspruch fand das neue Konzept bei Friedrich von Mansberg (SPD). Es sei wunderbar, dass sich das Konzept erneuere, bevor das alte nicht mehr laufe. Mansberg regte auch an, weitere Kooperationspartner zu gewinnen. An wen er dachte, ist klar: Mansberg ist Chefdramaturg des Theaters.

Von Hans-Martin Koch