Sonntag , 27. September 2020
Luise Ohmann vom Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung in Halle kennzeichnet das neue Versuchsfeld im Naturpark Lüneburger Heide. Foto: Naturpark

Hier liegt der Teebeutel begraben

Winsen/Luhe. Mit der Hilfe von Teebeuteln wollen die Mitarbeiter des Naturparks Lüneburger Heide den Geheimnissen des Bodenlebens auf die Spur kommen. Dafür beteiligt sich der Naturparkverein an dem Forschungsvorhaben „Expedition Erdreich“ des Bundesforschungsministeriums sowie des Helmholtz-Zentrums für Umweltforschung, das teilt der Verein in einer Presseerklärung mit. Somit ist die Lüneburger Heide Pilot-Partnerregion im Wissenschaftsjahr 2020. Ursprünglich sollte bereits jetzt die wissenschaftliche Mitmach-Aktion allen Bürgern offen stehen, das wurde aber wegen der Corona-Krise auf Sommer 2021 verschoben, heißt es auf der Projekt-Webseite von „Expedition Erdreich“. Interessierte können sich aber bereits jetzt für die kostenlosen Teebeutel-Testsets online registrieren.

Robin Marwege, Projektkoordinator des Naturparks für den Bereich Bildung für nachhaltige Entwicklung, hat für die Heideregion bereits den Anfang gemacht und ein Test-Set Teebeutel in einer Heidefläche des Naturparks vergraben. Dazu war offenbar nicht nur Sensibilität, sondern auch Abstimmungsbedarf notwendig. Denn Marwege sagt dazu: „Die Teebeutel enthalten selbstverständlich keine Metallklammern, das Testgelände ist außerhalb von Schutzgebieten, es ist markiert und die Aktion ist mit der zuständigen Unteren Naturschutzbehörde sowie dem Eigentümer abgestimmt.“ So kompliziert müssen es private Teilnehmer nicht machen, die bei dem Projekt den Boden beispielsweise ihres heimischen Gartens erforschen wollen. Aber was passiert nun mit den verbuddelten Tee-Beuteln?

Das Gewicht hat eine besondere Bedeutung

In einigen Wochen werden die Test-Teebeutel, in der Regel handelt es sich im Rooibos- und Grün-Tee, aus der Heide wieder ausgegraben und das Gewicht überprüft. Luise Ohmann vom Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung, sagt: „Unter anderem das Gewicht des Teebeutels, das durch den Zersetzungsprozess verändert sein wird, bringt uns Aufschluss über die Aktivität der Lebewesen im Boden.“ Durch die Gewichtsüberprüfung wird der sogenannte „Tea-Bag-Index“ festgelegt.

Werden die pflanzlichen Stoffe in einem Boden von Mikroorganismen schneller abgebaut, führt das zu einem erhöhten Ausstoß von Kohlendioxid. Ein langsamer Abbau hingegen spricht hingegen für eine höhere Speicherung von Kohlenstoff im Boden.

Zum Testset gehören außerdem auch Indikatorstäbchen, mit denen Teilnehmer den pH-Wert des Bodens bestimmen können. Die Ergebnisse werden dann in die Projekt-Webseite eingetragen und die Auswertung erfolgt durch das Forschungsinstitut. Mit den gesammelten Informationen wird dann eine zentrale Datenbank über die Bodenbeschaffenheit erstellt, heißt es weiter.

Anschauungsunterricht für Schulen in der Region

Marwege vom Naturpark sagt: „Wir freuen uns sehr, dass wir jetzt bei den ersten Tests dabei sind.“ Der Bildungskoordinator des Naturparks ergänzt: „Vor allem für unsere Bildungspartner wie die Naturpark-Schulen ist so ein reales Experiment im nächsten Jahr ein aufregender Anschauungsunterricht. Es lenkt unseren Blick auf den Mikrokosmos Boden, von dem wir Menschen letztlich stark abhängen.“ Für Schulklassen und Jugendgruppen halten die Projektverantwortlichen von „Expedition Erdreich“ zusätzliche Lehr- und Arbeitsmaterialien bereit.

Wie etwa die alljährlichen Vogelzählungen des Naturschutzbundes Deutschland (Nabu) ist die „Expedition Erdreich“ als sogenannte „Citizen-Science“ (Bürgerwissenschaft) angelegt.

Für die bundesweite Mitmachaktion eignet sich der eigene Garten am besten. Die Aktion ist nicht in Naturschutzgebieten und Landschaftsschutzgebieten zulässig, und selbstverständlich muss der Eigentümer oder die Eigentümerin vorab gefragt werden, bevor jemand einen Teebeutel im Boden eingräbt.

Anmeldung und Bestellung eines Test-Sets zum Aktionsbeginn 2021 im Netz unter www.expedition-erdreich.de