Dienstag , 20. Oktober 2020
So könnte es aussehen: Mittels Fotomontage sollten die Bienenbütteler Bauausschussmitglieder einen Eindruck davon bekommen, wie die Windenergieanlagen aus der Ferne wirken. Dieses Bild zeigt die Perspektive aus Vastorf. Quelle: BVNON Dienstleistungs- und Projektentwicklungs GmbH

Wirbel um Windräder

Bienenbüttel/Vastorf. Höher, effizienter – und heiß umstritten: Schon länger ist ein Windpark nördlich von Wulfstorf im Landkreis Uelzen geplant. Zwei Windenerg ieanlagen sollen dort entstehen – und zwar unweit der Grenze zur Gemeinde Vastorf. Das stößt der dortigen Politik übel auf. Wie berichtet, hatte der Vastorfer Rat gefordert, die Höhe der Anlagen auf maximal 207 Meter zu begrenzen. Doch inzwischen ist klar: Die Anlagen sollen 240 Meter in die Höhe ragen. Das sind sieben Meter mehr als noch vor einigen Monaten geplant.

„Die Anlagen werden zwar größer, aber nicht lauter“, erklärte Steffen Föllner von der BVNON Dienstleistungs- und Projektentwicklungs GmbH jetzt vor dem Bienenbütteler Bauausschuss. Das entspreche den neuesten Standards und sei überdies wesentlich effizienter: 15 Prozent mehr Energie werde mit den größeren Anlagen generiert, rund 10.000 Haushalte könnten auf diese Weise mit erneuerbarem Strom versorgt werden. Doch während von Bienenbüttels Bürgermeister Merlin Franke lediglich der Hinweis kam, man möge doch die Schwerlasttransporte nicht zu Zeiten des Schützenfestes durch Bienenbüttel rollen lassen, regt sich Protest in Vastorf. „Wir befürchten für unsere Bürgerinnen und Bürger massive gesundheitliche Probleme durch Schattenwurf und Schallemission“, erklärt Bürgermeister Peter Lade gegenüber der LZ.

Keinerlei Vorteile von dem Bürgerwindpark

Das sei nicht zu erwarten, sagt hingegen Steffen Föllner. Bisherigen Prognosen zufolge lägen Wulfstorf, Vastorf und Gifkendorf außerhalb jeglicher Grenzwerte bei Schallbelastung und Schattenwurf, so der Projektplaner. „Das wird von den Herrschaften schöngeredet“, meint Peter Lade. Überhaupt habe die ganze Planung ein „Geschmäckle“. Angefangen beim Landkreis Uelzen: Der hätte das Gebiet nördlich von Wulfstorf überhaupt nie als Vorrangfläche für Windkraft ausweisen dürfen – schon aus artenschutzrechtlichen Gründen, moniert Lade. Darüber hinaus seien die Folgen hinter der Kreisgrenze dabei völlig außer Acht gelassen worden. Die Vastorfer hätten keinerlei Vorteile von dem Bürgerwindpark, die Gemeinde Bienenbüttel hingegen generiert Gewerbesteuern aus dem Projekt.

Zunächst war unklar, ob die Anlagen mit einer Brandmelde- und Löschanlage versehen werden, auch das war der Vastorfer Politik ein Dorn im Auge. Die soll es nun doch geben – ein schwacher Trost, findet Lade. Vielmehr beschäftigten ihn Seeadler und Rotmilan, die er durch die Anlagen gefährdet sieht. Dazu hat es inzwischen Untersuchungen gegeben. Das Ergebnis: Die Anlagen sollen nun zum Beispiel abgeschaltet werden, wenn im näheren Umfeld Erntearbeiten stattfinden, die die Tiere auf ihrer Beutesuche anlocken könnten, so Föllner. Lade greift das noch zu kurz. „Aber das Ding wird kommen, da müssen wir uns nichts vormachen“, sagt er. Der Gemeinde fehle es an Handlungsspielraum.

Rund 600 Transportfahrzeuge

Steffen Föllner geht davon aus, dass die Öffentlichkeit spätestens im Herbst beteiligt wird. Dann können die Anlieger Stellungnahmen abgeben, die vom Landkreis Uelzen abgewägt werden müssen. „Wir wünschen uns, dass wir bis Ende des Jahres eine Genehmigung für den Windpark bekommen“, sagt Föllner. Tritt dieser Fall ein, könnte im Sommer kommenden Jahres mit den Bauarbeiten begonnen werden. Die Anlagenteile sollen durch Bienenbüttel transportiert werden. Lediglich das Wegebaumaterial könnte über Vastorf zur Baustelle gelangen, sagt Föllner – je nachdem, welche Firma die Materialien liefert. Nach bisherigen Schätzungen wären das rund 600 Transportfahrzeuge. Der Planer hofft, dass die Windenergieanlagen im Frühjahr 2022 erstmals Strom produzieren.

Von Anna Petersen

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