Montag , 21. September 2020
Steuerzahlerbund und Linke-Kreistagsfraktion kritisieren teure Parkplätze für die Arena. Bothe (AfD) fordert Nachverhandlungen. (Foto: t&w)

„Sind ein Riesenstück weiter“

Adendorf. „Nur wenn der Verkehr funktioniert, funktioniert auch die Halle.“ Landrat Jens Böther (CDU) brachte auf den Punkt, was den Nerv vieler trifft, die am Freitag zu dem gemeinsamen Info-Abend von Kreis, Stadt und Gemeinde Adendorf in die dortige Sporthalle gekommen waren: das vor allem von Adendorfern kritisch beäugte Verkehrskonzept für die künftige Arena-Veranstaltungshalle an der Lüner Rennbahn. Dass der Abend letztlich verhalten entspannt verlief, lag nicht nur an den 400 zusätzlichen Parkplätzen, die im Umfeld der Arena entstehen sollen.

Mit knapp 800 Parkplätzen rechnet der Landkreis als Bauherr der Arena, „damit sind wir deutlich über dem, was wir eigentlich müssen“, sagte Böther. 272 Plätze davon sind bereits geplant, weitere 100 sollen auf einer Fläche hinter der Halle genutzt werden können. Neu sind nochmals 400 Plätze, die auf umliegenden Grundstücken zugepachtet werden sollen. „Wir sind dazu mit den Eigentümern im Gespräch, 100 Plätze sind bereits gesichert“, erklärte Böther, der vor den knapp 100 Teilnehmern das Projekt und Verkehrskonzept erläuterte.

„Und wie wollen Sie den Parkplatz-Suchverkehr in den umliegenden Straßen verhindern?“, wollte ein Adendorfer wissen. Ein anderer Teilnehmer befürchtete Mega-Staus an der Kreuzung Artlenburger Landstraße/Lüner Rennbahn.

Entlastung soll der Bus-Shuttle bringen

Böther verwies dazu auf das Konzept, das Thomas Müller als Verkehrsplaner der Ingenieurgemeinschaft Dr. Schubert aus Hannover zuvor vorgestellt hatte. Danach sollen Veranstaltungsbesucher, die mit dem Auto kommen wollen, einen festen Parkplatz zugewiesen bekommen, mobile Hinweistafeln sollen den Verkehr lenken, Ampelschaltungen angepasst werden. Bei Bedarf könnten Anwohnerparkzonen eingerichtet, zeitweise auch die Zufahrten zu Straßen südlich der Dorfstraße gesperrt werden.

Überdies zeigten laut Müller die Erhebungen aus der Verkehrszählung aus dem Jahr 2016, dass es „keine Überlagerungen“ der Veranstaltungszeiten mit den üblichen Verkehrsspitzenzeiten gebe, mögliche Konflikte also entschärft seien.

Weitere Entlastung soll der Bus-Shuttle bringen, der je nach Größe der Veranstaltung vom ZOB am Bahnhof – hier sollen 300 Parkplätze im Parkhaus freigehalten werden – beziehungsweise zusätzlich vom Freibad Bardowick mit ebenfalls 300 Parkplätzen starten soll. Die Besonderheit hier: Die Busse sollen die Arena über den Vrestorfer Weg und das frühere Edeka-Gelände ansteuern. Dass dies nicht zulässig sei, wie ein Anwohner des Vrestorfer Wegs beklagte, ließ Oberbürgermeister Ulrich Mädge (SPD) nicht gelten: „Das ist eine öffentliche Straße.“ Klar sei aber, dass nur Busse hier fahren sollen, „Durchgangsverkehr werden wir nicht zulassen“.

Weitere 150 Fahrradstellplätze sollen entstehen

Ebenfalls Entlastung erhoffen sich die Planer durch Arena-Besucher, die per Fahrrad kommen. Dazu sollen weitere 150 Fahrradstellplätze entstehen. Auf Nachfrage, wann die für den Rad- und Fußgängerverkehr geplante Brücke am Treidelweg über die Ilmenau kommen werde, erklärte Mädge: „Aufgrund der umfangreichen Planung Mitte bis Ende 2022.“

Den Hinweis eines Teilnehmers, die Bockelmannstraße als wichtige Zufahrtsstraße aus Lüneburg zur Arena künftig beidseitig für den Fahrradverkehr einzurichten, „nehme ich gern mit“, versprach der Oberbürgermeister. Auch werde dafür gesorgt, dass Menschen mit Behinderung den Veranstaltungsort sicher erreichen können.

Konflikte mit den Gästen des Freibads Bardowick sehe sie nicht, erklärte Kreisrätin Sigrid Vossers. Die Gemeinde habe zugesichert, dass die dort für den Shuttle-Bus vorgesehenen Parkplätze nicht zu Lasten der Badegäste gingen. „Im Übrigen ist die Sommerzeit auch die Saure-Gurken-Zeit für Veranstaltungen.“

Offen blieb die Frage eines Teilnehmers, wie die Parkplatzvergabe per Zuweisung kontrolliert werden soll. Adendorfs Bürgermeister Thomas Maack konnte nur so viel versprechen: „Wir müssen die Entwicklung abwarten und erstmal auf uns zukommen lassen.“ Falls erforderlich, werde man nach zwei oder drei Veranstaltungen reagieren.

Situation ein Jahr lang begutachten

Ähnlich sehe es auch das Verkehrskonzept selbst vor. Planer Thomas Müller erklärte, es sei festgelegt, die Situation ein Jahr lang zu begutachten.

Ulrich Mädge wandte sich gegen eine „pessimistische Grundstimmung“. Dafür gebe es keinen Anlass: „Heute sind wir ein Riesenstück weiter.“

Rudolf Pätzel, ehrenamtlicher Schiedsmann aus Adendorf und Moderator des Abends, beendete die Veranstaltung mit den Worten: „Wir werden uns wieder melden und einfordern, wenn es erforderlich wird.“

Von Ulf Stüwe