Mittwoch , 23. September 2020

Der Sommer macht Pause

Wendisch Evern. Zahlreiche Tiefs über dem Nordostatlantik zeigen dem Sommer derzeit die rote Karte. Nach einem herbstlich trüben und windigen Wochenende mit Höchstwerten um 22 Grad, zeitweiligem Regen oder einzelnen Schauern, brechen die Temperaturen Anfang der Woche weiter ein. In subpolarer Meeresluft werden von Montag bis Mittwoch nur noch 18 bis 20 Grad erreicht.

In den wolkenarmen Nächten zum Dienstag und Mittwoch kann es in ungünstigen Lagen sogar auf einstellige Werte runtergehen. Tagsüber teilen sich Sonne, Wolken und einzelne Schauer den Himmel. Dabei lässt der böige Nordwestwind nur langsam nach. Ab Mittwoch gewinnt das Azorenhoch an Einfluss. Aus Südwesten wird es immer sonniger. Schauer sind dann kaum noch ein Thema. Die Temperaturen bleiben aber noch auf Tauchstation. Das ändert sich ab Donnerstag: Hinter einer Warmfront dreht der Wind auf südliche Richtungen und bei herrlichem Sonnenschein machen die Werte einen ordentlichen Satz auf badetaugliche 25 Grad, am Freitag möglicherweise noch deutlich darüber.

Juni war warm und nass

Danach fließt wohl bald wieder gewitterträchtige Luft ein. Ob dies eine längere Abkühlungsphase nach sich zieht, ist noch nicht klar. Käme es so, wäre das – gemäß der Siebenschläferregel – für den weiteren Verlauf des Sommers sehr ungünstig.

Der Juni zeigte sich von seiner launenhaften Seite. Auf einen sommerlichen warmen Start folgte aus Nordwesten eine verfrühte Schafskälte mit unbeständigem und recht kühlem Wetter. In der zweiten Dekade wurde es dann deutlich wärmer, aber auch schwülwarm und gewittrig. Im Bereich von Luftmassengrenzen, die zwischen Weser und Elbe pendelten, entluden sich am 13. und 18. Juni über Nordostniedersachsen teils sehr heftige Gewittergüsse. Dabei sorgte die geringe Zuggeschwindigkeit der Gewitter lokal für enorme Regenmengen in kurzer Zeit (Deutsch Evern/13. Juni, zehn Liter/qm 19 bis 19:15 Uhr). Lokale Überflutungen und vollgelaufene Keller waren die Folge.

Wahre Sturzfluten kamen am Nachmittag des 18. Juni während eines Gewitters in Drögennindorf, im Westkreis Lüneburg vom Himmel. An einer Privatstation rauschten innerhalb von 80 Minuten (15:40 bis 17 Uhr) rund 50 Liter Wasser pro Quadratmeter runter. Damit nicht genug: Bis 22 Uhr regnete es kräftig weiter. Innerhalb von 24 Stunden (16 Uhr/18., bis 15 Uhr/19. Juni) kamen unglaubliche 78,5 Liter zusammen und damit rund zehn Prozent mehr als die normale Monatssumme.

In der letzten Juniwoche sorgte ein Ableger des Azorenhochs für einen Gruß des Hochsommers. Sonne satt schob die Höchstwerte am 26. und 27. Juni an oder leicht über die 30 Grad-Marke, bevor sich der Monat ungemütlich kühl und windig verabschiedete. Insgesamt fiel der erste Sommermonat im nordöstlichen Niedersachsen rund zwei Grad zu warm aus, etwas sonniger als üblich und verbreitet ein Viertel zu trocken. Nur punktuell konnten unwetterartige Gewitterschauer die Niederschlagsbilanz positiv gestalten.

Wärmer als gewöhnlich

Der Juni in Lüneburg/Wendisch Evern im Vergleich zum Klimamittel (1981-2010)

Monatsmittel: 17,5°C (+1,9°C)
Maximum: 30,3°C (26. Juni)
Minimum: 6,4°C (6. Juni)
Sommertage: (Max. mind. 25°C) 11 (normal 7)
Hitzetage: (Max. mind. 30°C) 2 (normal 1)
Niederschlag: 76 mm (113% v. Soll)
Regenreichster Tag: 27 mm (13. Juni)
Sonnenschein: 231 Std. (114% v. Soll)

Von Reinhard Zakrzewski