Donnerstag , 13. August 2020
Im Schuljahr 2020/21 wird es am Gymnasium Oedeme sieben Züge im fünften Jahrgang geben. (Foto: t&w)

Mehr Fünftklässler als geplant

Lüneburg. Anders als geplant geht das Gymnasium Oedeme in das neue Schuljahr: Nach den Sommerferien wird es mehr Schüler und Klassen im fünften Jahrgang geben, als bislang angenommen. Der Schulausschuss des Lüneburger Kreistages hat jetzt die Ausnahme von der Regel beschlossen. Die Fünftklässler werden nun in sieben Parallelklassen unterrichtet statt der ursprünglich geplanten sechs.

Dies sei ein Kompromiss, mit dem der Landkreis Lüneburg als Schulträger der hohen Zahl an Anmeldungen Rechnung trägt, berichtet Kreissprecherin Urte Modlich. Aber: „Die Aufstockung für das kommende Schuljahr soll eine Ausnahme sein, die im vergangenen Jahr beschlossene Sechszügigkeit bleibt also grundsätzlich bestehen“, verdeutlicht sie. Den endgültigen Beschluss zu diesem Lösungsvorschlag trifft der Kreistag bei seiner nächsten Sitzung am 13. Juli.

23 Kinder aus Lüneburg im Lostopf, nur acht erhielten den Platz

Der Hintergrund, dass der Schulausschuss von der Sechszügigkeit abrückte, ergibt sich aus den Zahlen des diesjährigen Anmeldeverfahrens. Aus der Verwaltungsvorlage für die jüngste Sitzung geht hervor, dass sich 197 Schülerinnen und Schüler am Gymnasium Oedeme angemeldet hatten. „Hiervon 121 aus dem Landkreisgebiet und 70 Kinder aus der Hansestadt inklusive dem Stadtteil Oedeme sowie jeweils drei Kinder von der Grundschule Montessori und aus Zuzügen oder Grundschulen aus anderen Landkreisen“, heißt es in dem Papier.

Sechs Geschwisterkinder aus dem Gebiet der Hansestadt seien vorrangig aufgenommen worden und hätten einen Platz erhalten, sodass letztlich 23 Kinder aus der Hansestadt im Los­topf gelandet sind, von denen aber nur acht einen Platz am Gymnasium Oedeme erhalten haben.

„Die Eltern der nicht angenommenen Schülerinnen und Schüler beklagen sich nun massiv, weil die Schulleitung zu stark um die Kinder geworben hat und diese nun guten Glaubens am Gymnasium Oedeme angemeldet wurden“, berichtet die Verwaltung. Wunsch der Eltern sei es nun, dass wieder eine Siebenzügigkeit im nächsten Schuljahr eingerichtet wird.

Grüne gegen Siebenzügigkeit

Die Entscheidung für diese Forderung fällt auf fruchtbaren Boden im Schulelternrat des Gymnasiums. Vorstandsmitglied Christian Stöckmann erklärt, der Kompromiss des Schulausschusses sei im Sinne der betroffenen Familien. Vor allem derer aus Häcklingen und Rettmer, weil von denen die meisten Kinder im Losverfahren auf der Strecke geblieben seien. „Wir stehen hinter dieser Entscheidung, legen aber Wert darauf, dass für die Zukunft das Ziel der Sechszügigkeit nicht aus den Augen verloren wird“, sagt Stöckmann. Er meint, das Gymnasium könne dieses Plus an Schülern verkraften und die Situation meistern. Auch die Schulleitung gehe trotz der angespannten Raumsituation davon aus: „Aus Sicht des Schulleiters kann der zusätzliche Zug im vorhandenen Bestand untergebracht werden. Es werden keine zusätzlichen Räume benötigt“, so die Kreisverwaltung.

Nicht einverstanden sind damit hingegen die Grünen im Kreistag. Sie lehnen den Kompromiss und damit die Siebenzügigkeit ab. Die Entscheidung gehe an der Wirklichkeit im Schulalltag am Gymnasium Oedeme vorbei, moniert die Abgeordnete Antje Aden-Meyer in einer Pressemitteilung.

„Permanente Raumnot, seit Langem Unterricht in veralteten Containern, weniger Platz zum Lernen: die Leidtragenden sind die Schülerinnen und Schüler“, erklärt das Schulausschussmitglied der Grünen. Die Situation sei nicht zum Wohle der Kinder.

Ihr Fraktionskollege und Vorsitzender des Schulausschusses, Rolf Rehfeldt, meint, der Unmut einiger weniger Betroffener sei verständlich, dürfe aber nicht dazu führen, dass kurzfristig der einstimmige Kreistagsbeschluss von 2019 für eine Sechszügigkeit aufgehoben werde.

Von Stefan Bohlmann