Dienstag , 29. September 2020
Die niedlichen Kiebitzküken sind Nestflüchter. Nach dem Schlupf sind sie schon weit entwickelt und auch weitestgehend selbstständig. (Foto: privat)

Hilfe für selten gewordene Wiesenvögel

Oldershausen. Seine abstehende Federholle am Hinterkopf und sein typischer Ruf machen ihn unverkennbar, sehen und hören kann man ihn aber immer seltener: Die Bestände des Kiebitzes in Deutschland sind in den letzten Jahren um fast 90 Prozent geschrumpft, der Vogel gilt als stark gefährdet. Auch im Landkreis Harburg gingen die Bestände drastisch zurück. War der
29 Kiebitz noch vor wenigen Jahrzehnten ein häufiger Charaktervogel unserer Wiesen und Weiden, sieht man ihn heute kaum noch.

Ein Grund: Der etwa taubengroße Bodenbrüter konnte sich nicht an die immer intensivere Nutzung der landwirtschaftlichen Flächen anpassen. Frühe Mahdtermine, mechanische Flächenbearbeitung und Pestizideinsatz machen es den Kiebitzen schwer, ihre Brut und Jungenaufzucht erfolgreich zu beenden.

Inzwischen sind die jährlichen Verluste an Gelegen und Küken so groß, dass sich die Kiebitzbestände nicht mehr von alleine erholen können. Um dieser Entwicklung entgegenzuwirken, hat die Untere Naturschutzbehörde (UNB) im Landkreis Harburg 2019 ein eigenes Schutzprogramm entwickelt und in diesem Jahr gestartet – mit Erfolg: Auf rund 22 Hektar Fläche bei Oldershausen und Fahrenholz in der Elbmarsch konnten die Eier und Jungvögel von insgesamt 14 Kiebitzbrutpaaren gerettet werden.

Naturschützer und Landwirte arbeiten Hand in Hand

Der Kiebitzschutz ist ziemlich aufwendig. Eine von der UNB beauftragte Ornithologin beobachtet die Kiebitzpaare und registriert, wo ihre Nester liegen. Dann werden die Bewirtschafter der Flächen aufgesucht und informiert. Gemeinsam entwickeln Vogelschützer und Landwirte für jede Fläche eine Strategie, wie die Zerstörung der Eier vermieden oder das Überleben der bereits geschlüpften Küken gesichert werden kann. So können Teilflächen für den Zeitraum der Jungenaufzucht ganz aus der Bewirtschaftung genommen werden, Mahdtermine werden verschoben oder die Küken werden vor dem Maschineneinsatz kurzzeitig aufgesammelt und später wieder an gleicher Stelle ausgesetzt.

Ihren freiwilligen Naturschutzbeitrag und den damit verbundenen Mehraufwand oder die Ertragseinbußen können sich die Landwirte dann im Gegenzug von der UNB finanziell honorieren lassen. „Die Resonanz bei den Landwirten war erfreulich positiv“, zieht Armin Hirt von der UNB eine erste Bilanz.

„Wir hoffen, dass sich der Kiebitzschutz zukünftig etablieren kann und jedes Jahr mehr Küken gut über den Frühling kommen, die dann im Jahr darauf selber im Landkreis Harburg brüten.“ lz