Freitag , 23. Oktober 2020
Axel Kuhlmann hat die letzten zehn Jahre als Gemeindepastor in Halle an der Saale gearbeitet. Seit dem 1. Juli ist er nun einer von zwei Pastoren der Lüneburger Friedenskirche. (uk)

Der Neue geht an Bord

Lüneburg. Ein ganz spezielles Erlebnis mit Lüneburg hat er schon: Er habe bei einem Besuch im vorigen Jahr auf der Brücke am Stint gestanden, erzählt Axel Kuhlmann und schwärmt auch gleich: „Das ist echt ein malerischer Ausblick.“ Dort habe plötzlich eine ältere Frau aus einer Gruppe heraus angefangen laut zu singen – und zwar das alte Kirchenlied: „Wer nur den lieben Gott lässt walten…“. Der Theologe lacht: „Da hat Gott mir wohl zugezwinkert.“

„Da hat Gott mir wohl zugezwinkert.“
Pastor Axel Kuhlmann über seinen Weg nach Lüneburg

Kuhlmann hat Gott walten lassen und wechselt nun von Halle/Saale an die Ilmenau: Am Sonntag, 5. Juli, wird er in der Friedenskirche in seinen Dienst als Pastor der Evangelisch-Freikirchlichen Gemeinde eingeführt. Das Motto des Gottesdienstes: Willkommen an Bord!

Geboren und aufgewachsen ist Kuhlmann in Gütersloh. Nach dem Abitur macht er eine Ausbildung zum Bankkaufmann und engagiert sich nebenbei in der Jugendgruppe der Baptistengemeinde, in der er ab und zu auch predigt. Er sei nicht unzufrieden gewesen in seinem Beruf, sagt der 46-Jährige. „Aber mich hat die Frage sehr stark beschäftigt, ob Gott noch etwas anderes mit mir vorhat.“ Sprechen konnte er darüber ausgerechnet mit seinem Chef in der Commerzbank – einem ehemaligen Pastor.

2010 wechselte er nach Halle/Saale

Kuhlmann studiert schließlich in Hamburg und Elstal bei Berlin Theologie. Nach dem Vikariat und einer ersten Stelle im hessischen Gelnhausen wechselt er 2010 als Gemeindepastor nach Halle/Saale. Der Dienst in der ostdeutschen Großstadt mit 240 000 Einwohnern ist anders als es der Ostwestfale gewohnt ist: Christliche Gemeinden kommen im Stadtleben so gut wie nicht vor. „Nur acht Prozent der Bevölkerung gehören einer christlichen Kirche an“, sagt Kuhlmann. „Wie tief verwurzelt der Atheismus ist, wie viele Menschen vollkommen ohne irgendeinen Gottesbezug aufwachsen, das hat mich schon erschüttert.“ Das Einstehen für christliche Werte betrachtet die örtliche Baptistengemeinde als eine ihrer Kernaufgaben: Ab 2015 kümmert man sich intensiv um Flüchtlinge, vor allem um Iraner und Afghanen. Begleitung bei Gerichtsverfahren, praktische Hilfen und Glaubenskurse kommen jetzt zu den pastoralen Aufgaben dazu. Dann 2019 der Terror-Anschlag in Halle: Die Baptistenkirche liegt in unmittelbarer Nähe zu dem Döner-Imbiss, vor dem ein Attentäter einen Menschen erschoss, nachdem er versucht hatte, in die Synagoge einzudringen. Kuhlmann stellt sich als Seelsorger für Betroffene zur Verfügung: „Etliche Augenzeugen kämpfen bis heute mit ihren traumatischen Erlebnissen.“

Die Wege an der Ilmenau bereits per Rad erkundet

Nun also Lüneburg. Als „bekennender Radfahrer“ hat der Theologe mit Ehefrau Manuela und Söhnchen Bruno (6) die Wege an der Ilmenau bereits erkundet. In der Friedenskirche wird er sich künftig Predigtdienste und Seelsorge mit Pastor Christoph Petersen teilen. Nach einem Treffen der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen (ACK) freut sich der Theologe schon auf die ökumenische Zusammenarbeit: „Es ist schön, wenn man sich gegenseitig bereichern kann. Hier erlebe ich eine große Offenheit.“

Von Ute Klingberg-Strunk