Sonntag , 27. September 2020
Foto t&w Schule Hohnstorf

Hindernislauf zur Barrierefreiheit

Hohnstorf/Elbe. Der barrierefreie Ausbau der Hohnstorfer Grundschule bleibt ein steiniger Weg: Bereits mehrfach hatte die Scharnebecker Samtgemeindeverwaltung den Baubeginn für den geplanten Fahrstuhl an dem historischen Gebäude angekündigt. Mal sollte es im vergangenen Sommer soweit sein, zuletzt frohlockte Samtgemeindebürgermeister Laars Gerstenkorn (CDU) zum Jahreswechsel, bald die Baugenehmigung in Händen halten zu können. Die Freude ist ihm sowie manchem Ratspolitiker bei dem Projekt, das zum Schwarze-Peter-Spiel geraten ist, längst vergangen.

Seit Mai 2017, also drei Schuljahrgänge lang, beschäftigt der barrierefreie Ausbau der Hohnstorfer Grundschule Rat, Verwaltung und Elternschaft. Manch Ratspolitiker wie Schulausschussmitglied Claus Poggensee (Grüne) sieht die Schuld für die Verzögerungen bei der Scharnebecker Ratshausmannschaft um Gerstenkorn. Poggensee sagt: „Inklusion wurde durch die Verwaltung der Samtgemeinde an vielen Stellen bewusst verzögert. Der Fahrstuhl hätte längst gebaut werden können.“ Gerstenkorn hingegen sieht das Problem viel mehr bei der Denkmalschutzbehörde des Landkreises, die den Planungen immer wieder neue Steine in den Weg lege.

„Ich kann das nicht mehr nachvollziehen.“
Laars Gerstenkorn, Samtgemeindebürgermeister

Einig sind sich die Akteure zumindest darin, dass der Fahrstuhlanbau notwendig ist, zumal sogar das Erdgeschoss nur über eine Treppe erschlossen ist. Strittig ist aber erneut, wie auffällig und an welcher Gebäudeseite der Fahrstuhl für die drei Geschosse angebaut werden soll. Je nachdem, wo der Liftschacht andocken soll, hat das auch Auswirkungen auf das geplante Raumprogramm im Inneren.

Gerstenkorn sagte auf LZ-Nachfrage: „Wir haben den Aufzug in nüchterner Zurückhaltung geplant.“ In Abstimmung mit der Unteren Denkmalschutzbehörde beim Landkreis. Gerstenkorn: „Mittlerweile hat es beim Landkreis einen Personalwechsel gegeben. Jetzt haben wir vom Landkreis Beispiele vorgelegt bekommen, bei denen sich der Aufzug architektonisch deutlich vom historischen Gebäude absetzt.“ Das widerspreche dem bislang abgestimmten Kurs. Ob damit noch die Kostenschätzung von 125 000 Euro allein für den Fahrstuhl Bestand hat, ist fraglich.

Gerstenkorn sucht klärendes Gespräch mit dem Landkreis

Vor einem Jahr war die Samtgemeindeverwaltung noch von Gesamtkosten für den Schulumbau, inklusive Einbau einer Behinderten-Toilette und Umbau der Unterrichtsräume, von mehr als 470 000 Euro ausgegangen.

Zuletzt habe es laut Gerstenkorn auf Arbeitsebene im Mai eine Besichtigung gegeben, bei der auch Vertreter des Landesamtes für Denkmalpflege waren. Bei dem mündlichen Austausch sei laut Teilnehmern noch über ganz andere Änderungen nachgedacht worden. Beispielsweise, wie auf dem heutigen Schulhof die Gleisanlagen des ehemaligen Bahnhofs wieder kenntlich gemacht werden könnten, sei es durch Aufpflasterungen oder Anpflanzungen. Es könnte eine Kompensation für den Fahrstuhlanbau an das denkmalgeschützte Gebäude sein, hieß es.

Zwischenzeitlich war auch der von der Samtgemeinde geplante Anbau zwischen Schule und Sporthalle zurückgestellt worden, der eigentlich für einen Mensabetrieb und nachschulische Betreuung dringend benötigt wird. Mit Blick auf das Hin und Her bei der Fahrstuhlplanung sagte Gerstenkorn: „Wir können nicht ständig nach der Mütze der Denkmalschützer umplanen. Ich kann das nicht mehr nachvollziehen.“ Zumal mittlerweile ein Kind, das auf den Aufzug angewiesen wäre, schon wieder die Schule verlassen habe, „das nächste kommt nach den Sommerferien“, sagt Gerstenkorn. Er wollte jetzt ein klärendes Gespräch mit der Verwaltungsspitze des Landkreises suchen.

Von Dennis Thomas