Dienstag , 22. September 2020

Beschämend

Man mag Verständnis haben für das Anliegen, denn bezahlbarer Wohnraum ist längst eines der brennendsten Themen in Lüneburg. Die Art und Weise, wie „Unfug“ mit seinen Sympathisanten es aber derzeit in die Öffentlichkeit bringt und ob man sich mit Farbschmierereien und Hausbesetzungen in Sachen Akzeptanz letztlich einen Gefallen tut, ist eine ganz andere Frage.

Aber eines kann und darf man nicht tolerieren: Einen Ratsherrn, der Hausbesetzer bewusst gegen Polizisten aufstachelt und in einer Form hetzt, dass er letztlich in einer Polizeizelle landet. Als einziger Demonstrant übrigens. Gerade vor dem Hintergrund der Ausschreitungen von Stuttgart mit brutaler Gewalt gegen Polizisten haben Repräsentanten auch dieser Stadt eine Vorbildfunktion und besondere Verantwortung. Was will man jungen Leuten vermitteln, wenn man als Mitglied des Lüneburger Stadtrates eine nächtliche Hausbesetzung eskalieren lassen will? Seht her, ich bin ein toller Typ, ich bin in einer Polizeizelle gelandet? Soll das die neue Form der politischen Streitkultur sein?

Das war keine Heldentat, es war beschämend. Natürlich wird die Polizei ihre Einsatztaktik selbstkritisch hinterfragen. Aber soll künftig erst das Parteibuch abgefragt werden, um zu entscheiden, wo wer eingesetzt wird? Es war nicht die erste Entgleisung dieser Art von Christoph Podstawa. Er sollte die Ereignisse dieser Nacht zum Anlass nehmen, selbstkritisch zu hinterfragen, ob er den moralischen Anspruch, Mitglied des Stadtrats zu sein, nicht verwirkt hat.

Von Thomas Mitzlaff