Sonntag , 27. September 2020
Die Lüneburger Agentur für Arbeit. (Foto: A/be)

Pandemie sorgt für mehr Arbeitslose

Lüneburg. Vor der Pandemie ging es auf dem Arbeitsmarkt in den Sommermonaten zwar verhaltener zu, aber zuletzt sank die Arbeitslosigkeit zwischen Mai und Juni immer. In der Pandemie stieg die Erwerbslosigkeit im Bereich der Arbeitsagentur Lüneburg dagegen weiter an. 17 385 Menschen waren arbeitslos gemeldet, 192 mehr als im Mai (+1,1 Prozent), und sogar 3369 mehr als im Vorjahr (+24 Prozent). Die Arbeitslosenquote lag mit 5,6 Prozent um 0,1 Prozentpunkte über dem Mai-Niveau und 1,0 über dem Vorjahresniveau. Im Landkreis Lüneburg lag sie mit 6,3 Prozent aber über dem Landesschnitt von 6,0 und dem im Bund von 6,2 Prozent.

Auch wenn die Arbeitslosigkeit in unserer Region damit um gut ein Fünftel über dem Vorjahresniveau liegt, benennen die Statistiker Indikatoren mit einer „positiven Richtung“. So meldeten sich im Juni weniger Menschen arbeitslos als noch im Mai. „Aufgrund der Corona-Krise stieg die Arbeitslosenzahl, wenn auch mit knapp einem Prozent plus, deutlich geringer als in den vergangenen zwei Monaten“, sagt Wiebke Rehr, Geschäftsführerin operativ der Lüneburger Agentur für Arbeit.

Tatsächliche Zahl an Kurzarbeitern wohl niedriger 

Auch der Stellenbestand zeige in der Region eine positive Tendenz und wies 41 oder 1,0 Prozent mehr Stellenangebote aus als im Mai.

Bundesweit wurde im April mit 6,83 Millionen Menschen der höchste jemals verzeichnete Stand an Kurzarbeitern in der Bundesrepublik erreicht. Ein Trend, dem sich die Region nicht verschließen kann. Im Juni stellten Firmen für 957 weitere Arbeitnehmer Anträge auf Kurzarbeit. Damit könnten im gesamten Agenturbezirk 60 532 Arbeitnehmer Kurzarbeit schieben, im Landkreis Lüneburg 21 470. Zur Einordnung: Ende 2019 waren im Arbeitsamtsbezirk Lüneburg 172 789 Personen sozialversicherungspflichtig beschäftigt.

Die tatsächliche Zahl an Kurzarbeitern dürfte niedriger liegen, weil Unternehmen in ihren Anträgen immer die Maximal-Zahl der Beschäftigten nennen. Aber: Erst wenn die Abrechnungen der Firmen vorliegen, ist klar, in welchem Umfang Kurzarbeit tatsächlich umgesetzt wurde. Und für diese Abrechnung haben die Betriebe drei Monate Zeit.

Arbeitslosigkeit trifft besonders junge Menschen

Ohne den massiven Einsatz der arbeitsmarktpolitischen „Bazooka“ des Kurzarbeitergeldes wäre der Arbeitsmarkt deutlich instabiler. „Betroffen sind nahezu alle Branchen“, erklärte Bundesagentur-Regionalchef Johannes Pfeiffer in Hannover, „insbesondere allerdings die Wirtschaftszweige Einzelhandel, Automobilbranche, Gastronomie, Gesundheitswesen und Großhandel.“
Die Lage bleibt für viele Unternehmen kritisch. Seit April bekamen in Niedersachsen 7058 in Not geratene Selbstständige und mehr als 11 200 Beschäftigte Hilfe von den Jobcentern zur Sicherung des Lebensunterhaltes.

Das Virus der Arbeitslosigkeit trifft auch nicht alle gleich. Während es in der Region insgesamt 24 Prozent mehr Arbeitslose gibt als im Juni 2019, stieg die Erwerbslosigkeit der 15- bis 24-Jährigen um 36,2 Prozent. Während 23,4 Prozent mehr Deutsche Arbeitslosengeld beantragten, waren es 26,2 Prozent Ausländer. Während die Geschäftsstelle Buchholz – im Speckgürtel Hamburgs – eine trotz Corona niedrige Arbeitslosenquote von 4,4 Prozent meldet, sind es im strukturschwachen Lüchow 8,2 Prozent.

Von Joachim Zießler