Die Möllering-Villa (hier 2018) steht seit Jahren leer. Doch bald soll hier wieder Leben einziehen. (Foto: be)

Neue Pläne für die Möllering-Villa

Lüneburg. Der jahrelange Streit um die Häcklinger Möllering-Villa nähert sich dem Ende. Beim Kulturausschuss des Rates stellte Baurätin Heike Gundermann ein Konzept vor, das Wohnen und Lernen vereint. Eigentümer, Stadt und Denkmalschützer öffnen den Weg. Vorsichtige Zustimmung signalisiert die Gruppe, die ursprünglich aus dem Haus ein Dokumentationszentrum machen wollte, weil es bei der deutschen Kapitulation 1945 eine wichtige Rolle gespielt hat. Wichtig für die Baupläne: Der Denkmalschutz der Möllering-Villa wurde gestrichen.

Die Geschichte des Hauses beginnt 1906. Die Berliner Architekten Konrad Reimer und Friedrich Körte errichteten das Haus im seit 1904 modernen Heimatschutzstil, der auf regionale Bautradition setzte – und später von den Nazis vereinnahmt wurde. In dem Haus baute Margarete Endemann einen Lehrbetrieb für Frauen auf, eine Straße erinnert an die Pädagogik-Pionierin. 1935 übernahm Alexander Möllering, Chef der Kronen-Brauerei, die Villa. Er baute das Haus um, erweiterte es unter anderem um ein Kaminzimmer, errichtete 1938 zusätzlich ein Wohnhaus und einen Stall.

Baumaterial schwer mit Giftstoffen belastet

Die historische Bedeutung der auch unter dem Namen Waldhaus Häcklingen laufenden Möllering-Villa beginnt am 30. April 1945. An dem Tag zog das Hauptquartier der britischen Truppen vom Hof Knacke in Oedeme nach Häcklingen um. Am 3. Mai um 8 Uhr erschien eine deutsche Delegation um Generaladmiral von Friedeburg, um mit Generalfeldmarschall Montgomery über die Kapitulation der deutschen Truppen in Nordwestdeutschland, Dänemark und den Niederlanden zu verhandeln. Die Verhandlungen fanden auf dem Timeloberg in Wendisch Evern statt. Dort wurde die Kapitulation am 4. Mai besiegelt.

Nach dem Krieg diente das Haus mehrere Jahrzehnte bis 2007 als Psychiatrische Klinik, die ebenfalls bauliche Veränderungen vornahm. Mittlerweile gehört das 2007 wegen seiner historischen Bedeutung unter Denkmalschutz gestellte Gebäude dem Investor Manfred Schulte. Er strebte zunächst eine gastronomische, dann eine Wohnnutzung an. Das ging nicht, allein schon wegen der hohen Belastung des Hauses mit Giftstoffen, Schwamm und Schimmel.

In den folgenden Jahren kam es zu einem Hickhack zwischen Eigentümer, Stadt und dem von Dr. Rainer Sabelleck gegründeten Verein mit dem Ziel eines groß angelegten Dokumentationszentrums. Das Haus verfiel weiter. Am 18. Juni nun hat die Landesbehörde den Denkmalschutz unwiderruflich aufgehoben. Dem Entscheid ging ein Ortstermin voraus. Laut Stadtbaurätin Heike Gundermann reiche der „bauliche Zeugniswert“ nicht mehr aus. Der Zustand aus der Zeit um 1945 sei ohnehin nur noch in geringem Umfang vorhanden gewesen.

Nun kommt ein Kompromiss ins Rollen. Er sieht im Hauptgebäude drei zweigeschossige Wohnungen vor, dazu den Erhalt des Eingangsbereichs, der zu einem 50 Quadratmeter großen Ausstellungsraum führt. Dazu käme ein Büroraum im Obergeschoss. Wer immer das vom Bauherrn errichtete Dokumentationszentrum dann betreibt, sollte mit einem zehnjährigen Mietvertrag rechnen können, sagte Oberbürgermeister Ulrich Mädge. Die Baukosten schätzt Mädge auf zwei Millionen Euro. In den Abmessungen des früheren Wirtschaftsgebäudes könnten zudem drei Reihenhäuser entstehen. Wie das alles genau aussehen kann, ist offen. „Über Architektur wird noch sehr viel zu reden sein“, sagte Heike Gundermann.

Enttäuschung über den Verfall

Für ein schnelles Umsetzen des Plans warb Friedrich von Mansberg (SPD) und dafür, den historischen Part als Lernort zu gestalten. „Endlich eine konstruktive Lösung“, sah Ernst Bögershausen von den Grünen, und die Ausschussvorsitzende Birte Schellmann (FDP) befand: „Wir sind auf dem richtigen Weg.“ Keinen Einwand gegen das Vorhaben erhob Karin-Ose Röckseisen von der Gruppe, die ursprünglich ehrgeizige Pläne mit dem Haus schmiedete. Sie äußerte aber große Enttäuschung darüber, dass es zu so einem Verfall des Gebäudes kam. Wird der Plan nun umgesetzt, könnte der neue Komplex für Wohnen und Lernen 2022 stehen.

Von Hans-Martin Koch