Freitag , 18. September 2020
Mehr grau als grün: Auch in Lüneburg gibt es Schottergärten, wie dieses Beispiel vom Kreideberg zeigt. (Foto: t&w)

Appell für mehr Grün

Lüneburg. Was für die einen Inbegriff botanischer Raumgestaltung mit punktgenauer Pflanzästhetik sein mag, ist für andere oftmals nur eins: trist er „Schottergarten“. Und weil diese in letzter Zeit offenbar auch in Lüneburg vermehrt angelegt werden, beschäftigte sich erneut der Bauausschuss des Stadtrats mit dem Thema. Kein einfaches Unterfangen, wie sich zeigen sollte.

„Es kann Streitfälle geben“, machte Lüneburgs Stadtplaner Matthias Eberhard in der jüngsten Sitzung des Ausschusses deutlich und zeigte anhand von Beispielen auf, was aus Sicht der Stadt nicht akzeptabel sei, dass anderes aber durchaus noch im Bereich des Zulässigen liege.

Zwar gebe es gesetzliche Vorgaben, die das Thema Garten- und Vorgartengestaltung berühren, doch deren Auslegung sei nicht immer eindeutig. So regelt die Niedersächsische Bauordnung (NBauO), dass nicht überbaute Flächen der Baugrundstücke Grünflächen sein müssen, soweit sie nicht für eine andere Nutzung erforderlich sind. „Es wird aber nicht weiter ausgeführt, wie die Flächen auszugestalten sind“, machte Eberhard klar. Mit anderen Worten: Ab wieviel gepflanzten Bäumen, Sträuchern und Gräsern ist eine Fläche eine Grünfläche?

Kommunen dürfen Vorgaben machen

Das Baugesetzbuch (BauGB) gibt Kommunen wiederum das Recht, in ihren Bebauungsplänen selbst festzulegen, wie Flächen aus städtebaulichen Gründen zu gestalten sind. So kann sowohl das Anpflanzen von Bäumen, Sträuchern und sonstigen Bepflanzungen festgesetzt werden, wie auch der Erhalt bereits vorhandener Bepflanzungen.

Noch konkreter wird die NBauO. Danach dürfen Kommunen die Gestaltung der Grundstücke regeln, „insbesondere das Anlegen von Vorgärten vorschreiben“, wie es in Paragraph 84 heißt.
Doch selbst dies führe nicht immer zu dem erwünschten Ergebnis, wie Eberhard weiter ausführte und was Wolf von Nordheim (Grüne) zu der Forderung veranlasste, künftig mehr Detailregelungen festzusetzen. Über geltendes Recht sei nicht zu verhandeln, „das Begrünungsgebot muss eingehalten werden“, so von Nordheim.

„Appelle sind gut, auf Denunziantentum aber sollten wir verzichten.“
Christel John, CDU-Ratsfrau und Ausschussmitglied

Schnell wurde im Ausschuss aber klar, dass dies ohne Kontrolle letztlich wirkungslos bliebe. Was wiederum Stadtbaurätin Heike Gundermann mit der Bemerkung aufhorchen ließ, dass die Verwaltung dafür dann auch entsprechend geeignetes Personal brauche. Bei 700 bis 800 Bauanträgen pro Jahr habe sie nicht auch noch die Zeit, sich um Schottergärten zu kümmern. Stattdessen erinnerte sie an eine frühere Sitzung zu dem Thema, in der festgehalten worden war: Aufklärung sei besser als Verbote.

Den Einschub von Wolf von Nordheim, dass allein der „Nachbarschafts-Wettbewerb“ schon für eine effektive Kontrolle ausreiche, wollte Christel John (CDU) nicht akzeptieren: „Appelle sind gut, auf Denunziantentum aber sollten wir verzichten.“

Auch der Ausschussvorsitzende Eberhard Manzke (CDU) schloss sich dem Appell-Vorschlag an, ließ aber durchblicken, dass damit Sünden der Vergangenheit nicht zu beseitigen seien.
Dass allein die Diskussion über das Thema zielführend sein kann, machte Karlheinz Fahrenwaldt (Linke) deutlich. Er ließ die Ausschussmitglieder wissen, dass sein Fraktionsvorsitzender Michèl Pauly seinen Schottergarten inzwischen zurückgebaut habe. „Auch Politiker sind lernfähig“, war dazu aus dem Off zu vernehmen.

Von Ulf Stüwe