Montag , 21. September 2020
Früher mal ein stattlicher Gymnasium-Vorplatz, heute ein verwilderter Abstellort für Autos: die Fläche vor der Oberschule Am Wasserturm in der Haagestraße. (Foto: t&w)

Vorplatz der Oberschule am Wasserturm soll schöner werden

Lüneburg. Was man liebt und wertschätzt, darauf achtet man auch. So in etwa dürfte das Leitmotto des Bürgervereins Lüneburg lauten, dessen Mitglieder unermüdlich mit wachem Blick in der Stadt unterwegs sind. In ihren rot-blau-weißen Mappen listen sie Jahr für Jahr auf, was ihnen positiv aufgefallen ist oder was verbessert werden sollte. Lob und Tadel gab es auch gestern wieder, als ihr Vorsitzender Rüdiger Schulz die „Rot-Blau-Weiße Mappe 2020“ im Museum vorstellte.

Vorab war Schulz eine Botschaft besonders wichtig: Dank zu sagen allen Helfern in der Stadt, die sich in der Corona-Krise um ihre Mitmenschen gekümmert haben, sei es durch tatkräftige Hilfe oder finanzielle Unterstützung. Wegen Corona habe auch der Bürgertreff entfallen müssen, viele Beiträge konnten nur per E-Mail aufgenommen werden.

Breiten Raum nimmt der Bereich „Schönes öffentliches Lüneburg“ ein. Hier spart der Verein weder mit Lob noch mit Kritik. Positiv erwähnt werden dabei unter anderem die Arbeit der AGL mit ihrem Bemühen, Verkehrsinseln ebenso wie in der Innenstadt aufgestellte Blumen­kübel ansprechend zu bepflanzen, auch mit insektenfreundlichen Blumen.

Auch die Absicht der Stadt, einen Bürgerwald für den Klimaschutz zu schaffen, wird begrüßt, zugleich aber hinterfragt, ob dies zulasten weiterer bereits angekündigter Streuobstwiesen gehe. In seiner Antwort macht Oberbürgermeister Ulrich Mädge deutlich, dass in den nächsten Jahren verstärkt Baumpflanz- und Aufforstungsmaßnahmen stattfinden sollen, die Pflanzung von Obstbäumen zur Entwicklung einer Streuobstwiese könne dabei berücksichtigt werden.

Als „Schandfleck“ hingegen wird der Vorplatz der Oberschule Am Wasserturm am Ende der Haagestraße bezeichnet. „Der hässliche Parkplatz vor der Schule schadet der Schönheit des Gebäudes sehr“. Man werde die Anregung des Bürgervereins „gern aufgreifen“ und mittelfristig über eine „ökologische Gestaltung nachdenken“, lautete die Antwort der Verwaltung.

Nachfolgend einige weitere Auszüge aus der Rot-Blau-Weißen Mappe, wie immer aufgeteilt in Lob, Tadel und Anregungen.

Lob

▶ Die künstlerisch gestalteten, zuvor grauen Verteilerkästen. Die unterschiedlichen Motive seien „ein echter Hingucker“.
▶ Das Glockenläuten, an dem trotz vorübergehend ausgefallener sonntäglicher Gottesdienste festgehalten wurde, habe vielen Menschen Trost gespendet.
▶ Die kostenlose E-Tankstelle für E-Bikes vor dem Haupteingang des „Bauhaus“-Baumarktes wird als „nachahmenswert“ bezeichnet.
▶ Das Schreiben des Oberbürgermeisters zum Thema „Nachbarschaftshilfe organisieren“ während der Corona-Pandemie an alle Haushalte.
▶ Die Zustellung von Ausweisdokumenten für ältere Mitbürger nach Hause während der Corona-Krise durch das Bürgeramt der Stadt.
▶ Die Einrichtung eines Solidarfonds (Härtefallfonds) für die von der Pandemie schwer getroffene Lüneburger Gastronomie.

Tadel

▶ Der Zustand des Lösegrabens, der von einige Mitbürgern als „Mülldeponie“ genutzt werde. Hier wünscht sich der Bürgerverein ähnliche Reinigungsaktionen wie bei der Ilmenau. Dies finde bereits statt, erklärt Mädge. Die AGL reinige mindestens einmal jährlich, bei Bedarf und wenn Missstände gemeldet werden.
▶ Als störend empfindet der Bürgerverein die seit Jahren ungenutzten und verwilderten Waschbetonkübel auf den Sülz­wiesen in Höhe Schnellenberger Weg. Hier verspricht die Verwaltung, die Kübel zeitnah zu entfernen.
▶ Wenig Begeisterung hat der Zustand des Kreidebergs im Bereich des Thorner Platzes beim Bürgerverein ausgelöst. Dies betreffe die Fußwege, die durch Fuß- und Radweg eingeengte Bushaltestelle und die dort befindlichen schmutzigen Container für Altkleider, Papier und Flaschen. Dazu die Stadt: Der Austausch der Container sei bereits veranlasst worden. Die Situation an der Bushaltestelle könne nur durch eine Neugestaltung des Platzes insgesamt erreicht werden. Die Gehwege im Bereich des Kreidebergs sollen mittelfristig instandgesetzt werden.

Anregungen

▶ Für einen Ausblick auf die Ilmenauwiesen bei Waldgottesdiensten am Bockelsberg wünscht sich der Bürgerverein einen Freischnitt von dort wuchernden Jungbäumen. Dem will die Stadt „aus Gründen der naturgemäßen Forstwirtschaft“ aber nicht folgen.
▶ Der Platz zwischen Rats- und Jugendbücherei könnte – bei schönem Wetter – als „Lesewiese“ genutzt werden. Die Ratsbücherei könnte gegen ein Entgelt dazu Klapp- und Liegestühle ausleihen. Die Verwaltung hat die Anregung aufgenommen.
▶ Nach der Willy-Brandt- und der Konrad-Adenauer-Straße schlägt der Bürgerverein für neu zu benennende Straßen im Hanseviertel Ost die Alt-Kanzler Helmut Schmidt und Helmut Kohl vor. Die Verwaltung hält sich dazu bedeckt. Sie hatte vier „Mütter des Grundgesetzes“ vorgesehen. Da es an zwei von ihnen „berechtigte Kritik“ gegeben habe, würden derzeit Alternativvorschläge geprüft.

Von Ulf Stüwe