Dienstag , 20. Oktober 2020
Wildwuchs macht den Geh- und Radweg schmal: Deswegen schrieb die Stadt jetzt 19 Anlieger der Stöteroggestraße an. Foto: be

Hindernisparcours aus Kräutern

Lüneburg. Das Ungemach droht in Form von üppigem, grünem Wildwuchs. Und es sorgt an der Stöteroggestraße dieser Tage für hektisches gärtnerisches Treiben: Denn das Ordnungsamt der Stadt hat jüngst festgestellt, dass die Anwohner im Stadtteil Kreideberg offenbar ein Wildkräuter-Problem haben. Und nicht nur das: Die Pflanzenpracht stelle für Fußgänger und Radfahrer durchaus eine Gefahr dar, heißt es in einem Schreiben an gleich 19 Hauseigentümer. Abhilfe sei „umgehend“ geboten.

Die Post vom Amt lässt manche schnell zu Hacke und Unkrautstecher greifen, andere gehen die Sache gelassener an und wundern sich erst einmal eine Runde. So wie Jörg Kohlstedt, der Öffentlichkeit als Vorsitzender des Behindertenbeirates bekannt. Er hat in dieser Funktion immer einen kritischen Blick auf das, was Stadt und Landkreis an Stolperfallen so planen, bauen und verändern – die neue Arena, bei der an Rollstuhlfahrer schlicht nicht gedacht wurde, ist da ein Beispiel.

Eine Mischung aus Ironie und Sarkasmus

Kohlstedt wohnt an der Stöteroggestraße und hat ebenfalls ein Schreiben der Stadt bezüglich der Straßenreinigungspflicht, „hier: Bewuchs Gehweg“ erhalten. Und er reagiert darauf mit einer Mischung aus Ironie und Sarkasmus: „Haben Sie sich die Haxen verstaucht, die Knie verrenkt, die Zehen blutig gestoßen? Ja, die Gefahr durch wildwuchernde Wildkräuter ist groß und wird leicht unterschätzt“, schreibt er in einer Stellungnahme an die LZ. Als Bürger, nicht als Vorsitzender des Behindertenbeirates. Und empfiehlt „dringend festes Schuhwerk, wenn Sie sich auf zu den Hängen des Kreidebergs machen.“ Ganz so lustig findet man das bei der Stadtverwaltung indes nicht.

„Bei Nässe besteht durch den Bewuchs mit Wildkräutern die Gefahr, dass dort Fußgänger ausrutschen“, erklärt Sprecherin Ann-Kristin Jenckel das Schreiben an 19 Hauseigentümer. „Des Weiteren muss an einigen Stellen den Wildkräutern ausgewichen werden, da diese sehr hoch gewachsen sind“. Diese berge die Gefahr eines Zusammenstoßes zwischen Radfahrern und Fußgängern. „Ein weiterer Aspekt ist, dass sich die Gehwegplatten durch die Wildkräuter anheben können, dadurch entstehen Stolperfallen“, so Jenckel weiter.

Ein Schießen mit Kanonen auf Spatzen

Für Jörg Kohlstedt ist das amtliche Schreiben inklusive einer kleinen Drohung („Ich hoffe nicht, dass die Prüfung weiterer Maßnahmen gegen Sie nötig wird“) ein Schießen mit Kanonen auf Spatzen. „Man könnte ja meinen, dass man bei uns nur noch mit dem Buschmesser durchkommt“, sagt er. Die Stadt kontert: Die Anlieger seien gemäß der Stadtverordnung „zur Reinigung der Gehwege, Straßenrinnen und Regeneinläufe verpflichtet“. Und laut Jenckel prüft der Außendienst regelmäßig im gesamten Stadtgebiet die Einhaltung. 40 Eigentümer seien im Zuge dieser Überprüfungen bislang in diesem Jahr angeschrieben worden, so die Stadtsprecherin.

Der Behindertenbeauftragte sieht derweil eine ganz andere Gefahr: Dass nämlich unaufmerksame Fußgänger über die Umleitungstafel für die derzeitigen Straßenbauarbeiten stolpern. „Denn die blockiert die Hälfte des Gehwegs“, sagt Kohl­stedt.

Von Thomas Mitzlaff