Mittwoch , 23. September 2020
Ein Coca-Cola-Glas an der zuvor favorisierten Bohrstelle bei Vögelsen. Jetzt soll der neue Vio-Brunnen bei Gut Brockwinkel an der Landwehr entstehen. (Foto: dth)

Es darf gepumpt werden

Lüneburg/Reppenstedt. Die Coca-Cola-Tochter Apollinaris Brands hat vom Landkreis Lüneburg die Erlaubnis erhalten für einen großangelegten Pumpversuch für den dritten Vio-Brunnen in der Reppenstedter Gemarkung bei Gut Brockwinkel, das bestätigt die Kreisverwaltung auf LZ-Nachfrage. Der Getränkehersteller will nun nach eigenen Angaben zeitnah mit dem Brunnenbau beginnen. Zudem hat der Kreis eine Genehmigung erteilt, dass das so testweise geförderte Grundwasser in den Reppenstedter Bachlauf Kranker Hinrich abgeleitet werden darf: maximal 118 000 Kubikmeter oder 118 Millionen Liter über einen Zeitraum von bis 70 Tagen.

„Hydraulische Fenster“

Rund 350 000 Kubikmeter Wasser pro Jahr darf Coca-Cola bereits in der Stadt Lüneburg fördern, weitere 350 000 Kubikmeter pro Jahr erhofft sich der Getränkekonzern zusätzlich für die Produktion seiner Mineralwasser-Linie „Vio“ durch den neuen Brunnen bei Gut Brockwinkel. Der Pumpversuch ist Teil der Untersuchung, ob die beantragte Fördermenge dauerhaft verträglich ist. Wie berichtet, geht aus den nichtöffentlichen Antragsunterlagen, die der LZ vorliegen, hervor, dass an einzelnen Orten auch im oberflächennahen Bereich die Grundwasserabsenkungen durch den Förderbetrieb des Brunnens spürbar sein könnten. Genannt wurden zum Beispiel der Raum Mechtersen/Dachtmissen oder ein Bereich in der Nähe des Lüneburger Stadtteils Kreideberg; dort könnten sich sogenannte „hydraulische Fenster“ bemerkbar machen. Die Erlaubnis zum Pumpversuch, die wesentlich dem Antrag von Apollinaris entspricht, hat der Kreis bereits am 29. Mai erteilt – wie jetzt öffentlich bekannt wurde. Damit läuft kommende Woche die Widerspruchsfrist für die beteiligten Behörden und Verbände ab.

Messstellen zur Grundwasserüberwachung

„Der Brunnenbau selbst ist genehmigungsfrei“, sagt Lüneburgs Kreissprecherin Katrin Holzmann. Allerdings läuft noch der Bauantrag für den Neubau der sogenannten Brunnen-Stube, also den unterirdischen Brunnenraum, in dem die Pumpentechnik eingehaust wird. Holzmann: „Noch ist der Brunnen nicht gebaut. Es gibt umfangreiche Auflagen zur Qualität des Brunnenbaus und den Anforderungen an die durchführende Firma.“ Zudem sollen weitere Messstellen zur Grundwasserüberwachung eingerichtet werden. Zuletzt habe der Fachdienst Bauen im März Unterlagen von der Antragstellerin nachgefordert, „diese sind Ende Mai bei uns eingegangen und nun in der Prüfung“, heißt es beim Kreis.

Parallel teilte Coca-Cola-Sprecherin Marlen Knapp am Freitag auf LZ-Nachfrage mit, bald mit dem Brunnenbau starten zu wollen: „Wir werden voraussichtlich in der Woche ab dem 27. Juli mit dem Bau des geplanten Brunnens beginnen.“ In den nächsten Tagen werde die Baustelle in der Nähe von Gut Brockwinkel östlich der Landwehr eingerichtet und die Zuwege abgesichert. Dazu Knapp weiter: „Voraussichtlich ab dem 20. Juli sollen die benötigten Maschinen angeliefert werden. Der Brunnenbau wird dann etwa zwölf Wochen in Anspruch nehmen.“ Dann könne der Pumpversuch erfolgen.

Baubeginn Ende Juli

Die Erlaubnis für den Pumpversuch gilt bis Ende 2025. Doch der Getränkehersteller will bald loslegen: Der Förderbetrieb soll voraussichtlich ab Oktober laufen. Erlaubt ist eine maximale Fördermenge von 85 Kubikmeter (85 000 Liter) Wasser pro Stunde. Das entnommene Grundwasser aus 195 Metern Tiefe soll über eine „provisorische oberirdische Rohrleitung“ bis zum nördlichen Ortsrand Reppenstedts geleitet werden und von dort in den Kranken Hinrich fließen, heißt es in den Antragsunterlagen. Laut der Unteren Wasserbehörde des Kreises sei die Aufnahmefähigkeit des teilweise verrohrten Baches ausreichend, nur bei Starkregen müsste der Pumpversuch gegebenenfalls unterbrochen werden.

„Wir sind uns der Verantwortung für die Ressource Wasser bewusst.“ – Marlen Knapp, Coca-Cola-Sprecherin

Coca-Cola-Sprecherin Knapp erklärte: „Wir sind uns der Verantwortung für die Ressource Wasser bewusst.“ Die LZ wollte wissen, ob das testweise geförderte Grundwasser dann nicht zur Feldberegnung eingesetzt werden könnte. Diese Überlegung habe es laut Kreissprecherin Holzmann auch seitens der Wasserbehörde gegeben. Jedoch: „Der Pumpversuch muss außerhalb der Beregnungssaison stattfinden“, damit sich Förderbetrieb und künstliche Beregnung bei den Messstellen nicht gegenseitig beeinflussen. Also gehen dann die maximal 118 000 Millionen Liter Tiefengrundwasser ungenutzt den Bach runter.

Von Dennis Thomas