Samstag , 26. September 2020
Für Radfahrer eine Herausforderung: Der Blitzer-Anhänger auf dem kombinierten Geh- und Radweg an der Straße "Im Sande" in Bardowick. Foto: privat

Wo darf er stehen?

Lüneburg/Bardowick. Wo sie stehen, polarisieren sie – die neuen Blitzer-Anhänger des Landkreises stoßen in jedem Fall in jedem Winkel des Landkreises auf große Resonanz. Wie jüngst in Bardowick. Die Samtgemeinde hatte den Kreis ausdrücklich darum gebeten, doch mal auf der Straße „Im Sande“ die Geschwindigkeit zu kontrollieren. Denn dort ist Tempo 30 vorgeschrieben – doch das werde häufig ignoriert, so der Eindruck. Dazu kommt, dass durch diese Straße auch Schwerlastverkehr rollt und sie als Schulweg genutzt wird.

Der Landkreis kam dem Wunsch nach, platzierte die dunkelgraue Kiste auf dem kombinierten Geh- und Radweg – und fing sich so Ärger ein. Denn hier radeln auch Grundschüler entlang. Und die hatten angesichts des Hindernisses kaum eine andere Möglichkeit, als abzusteigen oder auf die Straße auszuweichen. „Die Sicherheit der Menschen muss doch Vorrang vor einer Geschwindigkeitsüberwachung haben“, schrieb etwa der Vater eines Achtjährigen an die Landeszeitung. Ob denn der Kreis etwas dürfe, was dem normalen Verkehrsteilnehmer untersagt sei – nämlich seinen Anhänger auf den Bürgersteig zu stellen?

„Die Blitzer dürfen auf dem Gehweg stehen, solange sie dort nicht behindern.“ -Kreissprecherin Katrin Holzmann

Ja und nein, heißt es dazu aus dem Kreishaus. „Die Blitzer dürfen auf dem Gehweg stehen, solange sie dort nicht behindern“, erklärt Kreissprecherin Katrin Holzmann. Doch ob diese Voraussetzungen eingehalten wurden, schien den Mitarbeitern in diesem Fall durchaus strittig. Die Behörde reagierte daher auf die Beschwerden und stellte den Kasten kurzerhand um. Und verwies darauf, „dass wir auch viele positive Reaktionen von Anliegern bekommen haben, die dankbar waren, dass wir dort einmal messen“.

Denn die Beschwerden über Raser waren mehr als gerechtfertigt, das ergab die Auswertung der Blitz-Aktion: „In knapp einer Woche haben wir 372 Verstöße registriert“, bilanziert Holzmann. Und kündigte an, dass der Kreis-Anhänger nicht das letzte Mal in Bardowick stand – wo genau auch immer.

Zur Sache

Für mehr Sicherheit

Sie sollen nicht der Sanierung des Haushaltes dienen, sondern die Verkehrssicherheit auf den Straßen in Stadt und Landkreis Lüneburg erhöhen – das hatte die Politik bei der Anschaffung von drei Blitzer-Anhängern im Jahr 2019 stets betont. Die grauen Radar-Kästen findet man häufig vor Schulen – wie zuletzt an den Schulzentren Oedeme und Embsen – aber auch an Straßen, die in den jährlichen Statistiken als Gefahrenstellen auftauchen. Von Jahresbeginn bis Ende April waren die drei Anhänger an 38 Standorten eingesetzt und haben rund 770.000 Fahrzeuge gemessen. Dabei wurden 5105 Verstöße festgestellt.

Von Thomas Mitzlaff