Samstag , 8. August 2020
Urlaub soll entspannen. Doch worauf ist zu achten? Foto: Adobe Stock

Mit gutem Gefühl verreisen

Lüneburg. In gut zwei Wochen starten die Sommerferien. Aufgrund zahlreicher Lockerungen, die im Rahmen der Corona-Pandemie inzwischen eingeführt sind, ist Urlaub in Deutschland und verschiedenen europäischen Ländern wieder möglich. Doch mit Blick auf die Gesundheit gibt es einiges zu beachten. Dr. Marion Wunderlich, Leitende Ärztin des Lüneburger Gesundheitsamtes, gibt Tipps unter dem Motto „Wir wünschen Ihnen einen schönen Urlaub – und kommen Sie gesund zurück.“

Coronavirus

Dr. Marion Wunderlich (Leiterin des Fachbereichs Gesundheit beim Landkreis): Nach wie vor gilt: Abstand halten, Händehygiene und Mundschutz immer dann, wenn es Sinn macht, das heißt abhängig von der epidemiologischen Situation in den jeweiligen Regionen. Wenn Sie aus dem Urlaub nach Hause kommen und Tage später bemerken, dass Sie ungewöhnlich schlapp sind, dann schieben Sie das bitte nicht auf die Klimaumstellung. Und wenn Sie trockenen Husten entwickeln, dann schieben Sie das nicht einfach auf die Klimaanlage im Flugzeug. Denn: Neuinfektionen lassen sich durch uns kontrollieren, solange sie frühzeitig erkannt und isoliert werden können. Wählen Sie also rechtzeitig die Nummer des Bürgertelefons (04131) 26 1000.

Geschulte Mitarbeitende stehen am Bürgertelefon des Landkreises unter der Woche zwischen 8 Uhr und 16 Uhr sowie am Wochenende und feiertags zwischen 10 und 13 Uhr bei gesundheitlichen Fragen zur Verfügung. Im Verdachtsfall vermitteln sie Ihnen umgehend einen Termin im Diagnosezentrum.

HIV/AIDS-Beratung

Dr. Gisela Gille (Aids-Beraterin beim Lüneburger Gesundheitsamt): Urlaubs- und Dienstreisen sind Bestandteil des Lebens und für einige Menschen auch die Gelegenheit für sexuelle Kontakte. Es dürfte auf der Hand liegen, dass sexuelle Handlungen in der Regel nicht mit Social Distancing vereinbar sind. Aber der ungeschützte, d.h. kondomlose Sex hat eine Wirkung außer für das HI-Virus auch für fast alle sexuell übertragbaren Infektionen (STI). Die Empfehlung, Kondome zu benutzen, bleibt also nach wie vor ein Grundpfeiler der HIV/STI-Prävention.

Viele Menschen denken, dass sexuell übertragbare Infektionen heute gar nicht mehr vorkommen. Doch das ist ein Irrtum – Syphilis, Chlamydien und Co. nehmen in Deutschland und auch im Rest der Welt seit einiger Zeit sogar wieder zu. Und immer noch werden in den letzten Jahren in Deutschland jährlich ca. 2500 HIV-Neuinfektionen aufgrund des freiwilligen und anonymen Testangebotes in den Gesundheitsämtern diagnostiziert. „Dieser Weg sollte konsequent weiter umgesetzt werden, insbesondere durch eine weitere Verbesserung der Testangebote und die Gewährleistung des Zugangs zur Therapie für alle Menschen, die in Deutschland mit HIV leben“, betont Lothar H. Wieler, Präsident des Robert Koch-Instituts. Nach Schätzungen des RKI sind aber in Deutschland aktuell etwa 10 600 bereits erfolgte HIV-Infektionen noch nicht diagnostiziert. „Wer von seiner Infektion nichts weiß, kann das Virus unbeabsichtigt weitergeben, außerdem ist bei Spätdiagnosen die Sterblichkeit höher“, unterstreicht Wieler.

Das Gesundheitsamt Lüneburg bietet jeden Dienstag von 14 bis 17 Uhr eine anonyme und kostenlose AIDS-Beratung und HIV-Testung an.

Impfsprechstunde

Dr. Sebastian Graefe (Facharzt für Mikrobiologie): Natürlich hoffen wir alle auf einen hocheffektiven Impfstoff gegen Covid-19, es gibt weltweit mehr als einhundert Projekte zur Impfstoffentwicklung. Für viele Erkrankungen wie Masern, Mumps, Röteln, Pocken oder Kinderlähmung gibt es inzwischen hervorragende Impfungen, die Leid und Tod auf der Welt verhindern können. Wir verfügen auch über eine Reihe von Impfstoffen, die für den Sommer, für Urlaub und für Reisen empfohlen werden. Wichtig: Impfstoffe gehören zu den sichersten Arzneimitteln. Sie werden unter höchsten Sicherheits- und Hygienestandards hergestellt und unterliegen einer ständigen Kontrolle. Die Kosten für die Impfungen übernehmen die meisten Krankenkassen, erkundigen Sie sich individuell nach den Modalitäten Ihrer Krankenkasse.

HPV (Humanes Pappilomavirus)

Seit 2006 verfügen wir über eine Impfung gegen das sexuell übertragbare Pappilomavirus, mit dem ca. 80 Prozent aller Menschen im Laufe Ihres Sexuallebens in Kontakt kommen. Nicht bei allen Menschen schafft es das Immunsystem, diese Viren erfolgreich zu bekämpfen und sie entwickeln lästige und psychisch sehr belastende Warzen im Genitalbereich oder gar Gebärmutterhalskrebs, Peniskrebs oder Krebs der Mundhöhle. Auch durch Kondome lässt sich eine Infektion nicht zuverlässig vermeiden. Das geht nur über eine Impfung, die für Mädchen /junge Frauen und Jungen / junge Männer zwischen 9 und 17 Jahren eine Krankenkassenleistung ist.

FSME (Frühsommer­meningoenzephalitis)

Für einen mehrjährigen Impfschutz gegen diese potenziell schwere, durch Zeckenbisse ausgelöste Erkrankung des Gehirns sind drei Impfungen nötig. Die ersten beiden erfolgen im Abstand von 1 bis 3 Monaten, die dritte – je nach FSME-Impfstoff – nach 5 oder 9 bis 12 Monaten. Danach ist eine erste FSME-Auffrischung nach 3 Jahren, anschließend je nach Alter und Impfstoff alle 3 bis 5 Jahre nötig, um bestmöglich vorgesorgt zu haben. Doch auch kurzfristig kann noch ein Impfschutz gegen FSME aufgebaut werden – hier kann der Arzt beraten.

Reiseimpfungen

Ein erhöhtes Risiko besteht für bestimmte durch Impfungen vermeidbare Erkrankungen auf Auslandsreisen, weshalb die Ständige Impfkommision (STIKO) des Robert-Koch-Instituts (RKI) auch Empfehlungen zu Reiseimpfungen ausspricht. Da das Infektionsrisiko je nach aktuellem Impfstatus, Reiseland, Art und Dauer der Reise, Saison, geplanten Aktivitäten sowie möglicher vorbestehender Grundkrankheiten individuell unterschiedlich ist, wird empfohlen, sich vor einer Reise ins Ausland über die dortigen Infektionsrisiken zu informieren und insbesondere bei absehbar anderen oder gesteigerten Infektionsrisiken grundsätzlich eine reisemedizinische Beratung einzuholen. Bitte denken Sie an Ihren Impfpass.

Reisemedizinische Beratung und Impfsprechstunde im Gesundheitsamt: Montags von 8 Uhr bis 10 Uhr nach Terminvergabe unter www.impfzentrum.de

  • Das Bürgertelefon zum Coronavirus ist unter der (04131) 26-1000 zu erreichen.
  • Über den aktuellen Stand zum Coronavirus in Lüneburg und Umgebung informieren wir Sie hier.