Samstag , 31. Oktober 2020
Rund um den Stint in Lüneburgs Altstadt spielt sich ein Großteil des gastronomischen Lebens draußen ab. Im Zuge der Corona-Pandemie könnte das Angebot noch ausgeweitet werden. Foto: t&w

Mehr Außenplätze für Lokale

Lüneburg. Das von der Corona-Krise arg gebeutelte Gastronomiegewerbe braucht auch in Lüneburg Unterstützung, um die Folgen zu bewältigen. „Eine Maßnahme könnte sein, den Wirten mehr Platz auch auf den Straßen und Plätzen zu gewähren“, sind sich Ulrich Blanck (Grüne) und Frank Soldan (FDP) einig. Um diese Maßnahme nicht auf die lange Bank zu schieben, haben die beiden Fraktionen zur nächsten Ratssitzung einen entsprechenden Dringlichkeitsantrag eingebracht. Den braucht es aber laut Oberbürgermeister Ulrich Mädge (SPD) gar nicht. Denn bereits vor sechs Wochen hätten Dezernent Markus Moßmann und er entschieden, „dass wir überall dort, wo es geht, großzügig über eine Erweiterung der Außengastronomie entscheiden“.

Die beiden Fraktionsvorsitzenden führen zu ihrem Antrag aus, dass durch die erforderlichen Abstände im Innenbereich von Lokalen viele Plätze wegfallen. Überdies würden derzeit ohnehin viele Gäste lieber draußen sitzen, „wo sie sich sicherer vor einer möglichen Ansteckung fühlen“. Dazu kommen die sommerlichen Temperaturen, die einen Café- oder Restaurantbesuch unter freiem Himmel besonders angenehm machen. Für viele Wirte, die bisher nur wenige oder keine Plätze im Freien anbieten können, hänge die Zukunft auch davon ab, ob es gelinge zusätzliche Plätze im Außenbereich anbieten zu können.

Verweis auf den Härtefallfonds

Blanck sagt: „Wirten sollte jede Möglichkeit eröffnet werden, ein paar Euro zu verdienen, bevor noch weitere Rettungsschirme aufgespannt werden müssen.“ Soldan verweist auf den Härtefallfonds „Wir für Lüneburg“, den der Stadtrat Ende April verabschiedet hat und aus dem im Stadtgebiet ansässiger Einzelhandel sowie Gastronomie einmalig 2500 Euro bekommen kann. „Die FDP hält es darüber hinaus für wichtig, dass den Gastronomen die Möglichkeit gegeben wird, selbst Einnahmen zu generieren. Wir möchten unterstützen nach dem Motto Hilfe zur Selbsthilfe.“

Die zusätzlichen Außenplätze sollen laut Antrag befristet werden bis zum Jahresende. Dabei müsse aber auch darauf geachtet werden, dass Rettungswege frei bleiben, betont Soldan. Unter dieser Prämisse sei durchaus auch abzuwägen, ob in einigen Bereichen zusätzliche Plätze ermöglicht werden könnten, meint auch Heiko Meyer, Vorsitzender des Lüneburger Citymanagements. Allerdings müsse gewährleistet sein, dass es dadurch zu keiner Benachteiligung von Fußgängern, Radlern, Menschen mit Rollator oder mit Kinderwagen käme.

Zwei Anträge wurden bereits genehmigt

Oberbürgermeister Mädge sagt, dass er die Entscheidung zur Erweiterung der Außengastronomie dem Grünenpolitiker Blanck mitgeteilt habe, nachdem die Lünepost am 10. Juni das Thema aufgegriffen habe. „Erweiterungen hat es bereits gegeben zugunsten zweier Cafés An der Münze, wo zusätzliche Außen­gastronomieflächen auf der gegenüberliegenden Straßenseite eingerichtet wurden. Ein Antrag liegt uns für den Platz am Sande vor, wo es darum geht, einen bestehenden Außengastronomiebereich zu vergrößern.“

Am Sande, in der Schröderstraße und in der Grapengießerstraße seien einige bereits genehmigte Restaurationsvorgärten, wo ausreichend Platz ist, etwas breiter als eigentlich genehmigt aufgestellt, um die Abstandsregelungen einhalten zu können. „Dies wird von uns geduldet, so lange keine Beschwerden von den Nachbarn eingehen. Bei unseren Kontrollen achten wir zum Beispiel darauf, dass so Schaufenster oder Hauseingänge nicht zugestellt werden.“ Zu berücksichtigen sei natürlich bei den Genehmigungen, dass Flucht- und Rettungswege erhalten bleiben.

Die im Antrag von Grünen und FDP enthaltene Forderung, auf die Sondernutzungsgebühren im Zusammenhang mit den Außenplätzen zu verzichten, kontert Mädge: Es sei eh geplant gewesen, zur Ratssitzung eine Änderung der Satzung vorzuschlagen, nämlich die Gebühren bis Ende 2020 zu reduzieren.

Blancks Replik: „Dann ist es sicher kein Problem, wenn der Rat die Verwaltung mit einem Beschluss unterstützt und den Rücken stärkt. Und ein Verzicht auf die Erhebung von Sondernutzungsgebühren muss durch den Rat beschlossen werden.“

Rat tagt am 2. Juli

Um Anmeldung gebeten

Auch die Ratssitzung am Donnerstag, 2. Juli, findet im Auditorium des Leuphana-Zentralgebäudes (Universitätsallee 1) statt. Beginn der Sitzung ist 17 Uhr. Für Besucherinnen und Besucher steht eine begrenzte Anzahl von rund 30 Zuschauerplätzen zur Verfügung. Wer an der Ratssitzung teilnehmen möchte, wird gebeten, sich vorab mit Namen, Telefonnummer und Adresse per E-Mail bei der Hansestadt Lüneburg anzumelden unter presse@stadt.lueneburg.de.

Hintergrund dafür ist die Vorgabe, alle Teilnehmerinnen und Teilnehmer mit Blick auf die Corona-Pandemie und die Dokumentationspflicht zu registrieren. Damit es vor Beginn der Sitzung nicht zu einer Schlangenbildung kommt, ist eine vorherige schriftliche Anmeldung hilfreich. Die Anmeldungen werden nach ihrem Eingang berücksichtigt – sollten noch Plätze frei bleiben, können diese auch vor Ort vergeben werden. Verpflichtend für alle ist das Tragen eines Mund-Nasen-Schutzes – dieser darf nur am Platz abgelegt werden. Darüber hinaus gelten die üblichen Hygieneregeln.

Von Antje Schäfer

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