Donnerstag , 29. Oktober 2020
So sieht das fertige Haus der Geschichte von außen aus, das als Rekonstruktion auf dem Gelände des Freilichtmuseums am Kiekeberg entstanden ist. Foto: FLMK

Einblick in die Aufbauzeit nach Kriegsende

Rosengarten-Ehestorf. Normalerweise versuchen Museen, längst vergangene Zeiten wieder ins Hier und Jetzt zu holen, die man allenfalls aus alten Überlieferungen kennt. Das Freilichtmuseum am Kiekeberg hingegen widmet sich derzeit mit seinem Großprojekt „Königsberger Straße“ einer Zeitperiode, die viele Besucher noch aus Lebzeiten kennen dürften und die noch heute das Erscheinungsbild von Dörfern in ganz Deutschland prägen: Die Nachkriegszeit von 1945 bis 1979. Jetzt ist ein neuer Meilenstein fertiggestellt worden: Ein rekonstruiertes Siedlungsdoppelhaus, das heute mit einer neuen Dauerausstellung feierlich eröffnet wird.

Bis 2023 soll in dem Freilichtmuseum eine Baugruppe aus insgesamt fünf Gebäuden entstehen. Zuletzt war im vergangenen Herbst eine originale Tankstelle aus den 1950er-Jahren eröffnet worden. Zuvor ließ im August 2019 die Stiftung des Freilichtmuseums ein Quelle-Fertighaus vom „Typ 110-D“ aus Winsen/Luhe per Tieflader zum Areal am Kiekeberg karren (LZ berichtete). Während in dem Fall ein Original-Haus noch für den musealen Betrieb bis 2021 hergerichtet wird, handelt es sich bei dem heute zu eröffnenden Siedlungsdoppelhaus um eine Rekonstruktion. Das Vorbild für das Gebäude steht in Maschen, Baujahr 1958.

Finanzierung

Viele Förderer

Zahlreiche Förderer unterstützen das einmalige Projekt „Königsberger Straße“. Ihr Ziel ist es, die kulturellen Zeugen der unmittelbaren Nachkriegszeit für die Nachwelt zu erhalten und die Aufbauleistung darzustellen, teilt die Pressestelle des Freilichtmuseums am Kiekeberg mit. Das Gesamtprojekt ist auf 6,14 Millionen Euro angelegt.

Die „Königsberger Straße“ wird gefördert durch die Beauftragte der Bundesregierung für Kultur und Medien (Bund), das Land Niedersachsen, den Landkreis Harburg, den Förderfonds Hamburg/Niedersachsen der Metropolregion Hamburg, die Stiftung Niedersachsen, die Stiftung Hof Schlüter, die Niedersächsische Sparkassenstiftung, die Stiftung der Sparkasse Harburg-Buxtehude, den Lüneburgischen Landschaftsverband, die Klosterkammer Hannover, die Niedersächsische Bingo- Umweltstiftung und den Förderverein des Freilichtmuseums am Kiekeberg.

Museumssprecherin Marion Junker erklärt zu dem Siedlungsdoppelhaus: „Solche Häuser entstanden nach Kriegsende zu Hunderten im Landkreis Harburg, um die Wohnungsnot zu lindern.“ Das Gebäude des Siedlungsdoppelhauses sei zwar originalgetreu nachgebaut worden, entspreche aber den modernen Anforderungen zu Brandschutz und Barrierefreiheit. Und im Inneren bietet das Gebäude Platz für die neue Dauerausstellung.

Auf mehr als 100 Quadratmetern wird den Besuchern die Geschichte des Landkreises Harburg und der Metropolregion Hamburg nach 1945 erklärt, wirbt die Pressestelle des Freilichtmuseums. Die Ausstellung widmet sich Fragen wie: Wie wurden die vielen Flüchtlinge nach Ende des Zweiten Weltkriegs in der Region integriert? Welche Wechselbezüge gab es mit der Großstadt Hamburg? Wie entstand das heutige Niedersachsen? „Die Umbrüche in dieser spannenden Zeit betrafen jeden Dorfbewohner“, sagt Museumsdirektor Stefan Zimmermann. „Wir stellen dar, wie Einheimische, aber auch Neubürger, die Aufbauzeit erlebten.“

Das Freilichtmuseum am Kiekeberg (Am Kiekeberg 1, Rosengarten-Ehestorf) hat aktuell wegen des „Sommerspaß“-Programms bis einschließlich 26. August erweiterte Öffnungszeiten und zwar montags bis sonntags von zehn bis 18 Uhr. Zum Schutz vor Corona-Infektionen ist das Tragen einer Mund-Nasen-Bedeckung in den Ausstellungsräumen und im Museumsladen verpflichtend, auch im Außengelände wird das Tragen einer Maske empfohlen. Weitere Infos unter www.kiekeberg-museum.de.

Von Dennis Thomas