Donnerstag , 24. September 2020
Die Leitende Superintendentin Christine Schmid mit Hennig von Alten und Pastor Dennis Schipporeit (r.), die das Logo für den Zukunftsprozess „Gemeinsam 2035“ präsentieren. Foto: t&w

Weichen für die Zukunft stellen

Lüneburg. Der demografische Wandel, der bevorstehende Mangel an Pastoren und Diakonen sowie ein anhaltender Mitgliederschwund, der auch zu Einnahmeverlusten führt – all das stellt auch den evangelisch-lutherischen Kirchenkreis Lüneburg vor große Herausforderungen. Bei der Kirchenkreissynode, dem obersten Gremium des Kirchenkreises, unter Vorsitz von Detlev Saffran, wurden Weichen für die Zukunft gestellt.

Tagungsort war das Kulturforum Gut Wienebüttel, das den 62 von 81 anwesenden Mitgliedern ausreichend Platz gemäß den Abstandsregeln gewährte. Die Leitende Superintendentin Christine Schmid gab einen Rückblick darauf, wie sich die Gemeinden mit dem Lockdown „tastend in eine neue Wirklichkeit“ begeben hatten, in der Folgezeit viele kreative Ideen entwickelt wurden und wie es schließlich bis Juni zu einer Wiederaufnahme aller Bereiche des kirchlichen Lebens gekommen ist. Getragen sei man in dieser Zeit von einem tiefen Gefühl der Verbundenheit gewesen.

„Mitarbeiter locken und binden“

Allerdings habe die Pandemie auch finanzielle Folgen: Die Landeskirche verzeichne Kirchensteuereinbußen von rund 90 Millionen Euro. Dennoch fließen gemäß dem Etat die Mittel für Personal und Investitionen in den Gemeinden. Mit Blick auf die Folgejahre würden aber Kostensteigerungen bei Tariferhöhungen nicht mehr von der Landeskirche finanziert. Diese müssten die Gemeinden selber finanzieren. Christine Schmid appellierte: „Wir sollten unsere Ideen weiter verfolgen: Gemeindestrukturen durch Fusionen stärken, Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter locken und binden, Möglichkeiten der digitalen Verkündung forcieren und den Gebäudebestand für die Zukunft fit machen.“

Die Gebäude sind Basis der kirchlichen Arbeit, aber auch ein Kostenfaktor für die Gemeinden. Deshalb gilt es darauf zu achten, was zum Unterhalt getan werden kann und wie Mittel zielgerecht eingesetzt werden können. Das erklärte Hennig von Alten, Vorsitzender des Koordinierungsausschusses, zum sogenannten Gebäudebedarfsplan für den Kirchenkreis. Ziele sind gesicherte Standorte mit zeitgemäßen, nachhaltigen und bezahlbaren Gebäuden, er bietet Gemeinden Anregungen für Erhalt und Pflege und zeigt dem Kirchenkreis auf, wo Untersützung – auch finanzielle – notwendig ist.

Mehrheit stimmt für den Plan

Inga Reimers, Gebäudemanagerin im Kirchenkreis Lüneburg, hatte im Rahmen einer Bestandsaufnahme von 2016 bis 2018 insgesamt 142 Gemeindehäuser und -flächen, Pfarrhäuser und -dienstwohnungen erfasst. Der Koordinierungsausschuss entwickelte Kriterien für eine Bewertung, die Ergebnisse wurden den Gemeinden zur Bewertung vorgelegt. Der nun vorliegende Plan enthält auch Handlungsempfehlungen zur Verbesserung des Gebäudestandes, in manchen Fällen auch zur Reduzierung. Die Mitglieder der Kirchenkreissynode beschlossen den Plan mehrheitlich.

Wie sich der Kirchenkreis Lüneburg bis zum Jahr 2035 aufstellen will, damit ein vielfältiges kirchliches Leben in den Gemeinden auch dann möglich ist, zeigt das Projekt „Gemeinsam 2035“ auf. Pastor Dennis Schipporeit, Vorsitzender des Ausschusses für Stellenplanung und Strukturentwicklung, erläuterte diesen Prozess: Danach sollen Gemeinden der Innenstadt, aus Stadtteilen Lüneburgs sowie Gemeinden im Landkreis Zukunftsgemeinschaften bilden, um zum Beispiel gegenseitige Vertretungen zu ermöglichen, Personal übergreifend einzusetzen oder den Gebäudebedarf gemeinsam zu planen und umzusetzen. Die Synode votierte mehrheitlich dafür, dass die Gemeinschaften bis zum Jahresende schriftliche Vereinbarungen treffen.

Erfreuliches vermeldete Manfred Bollow, Vorsitzender des Finanzausschusses: Nachträglich fließen aus 2019 und außerdem für 2020 Sondermittel der Landeskirche. Insgesamt fast 440 000 Euro. Diese sollen unter anderem an die Kirchengemeinden, zur Förderung der Zukunftsgemeinschaften, Ausbau der IT-Struktur sowie an den Lebensraum Diakonie gehen.

Von Antje Schäfer