Montag , 21. September 2020
Vom Eichenprozessionsspinner befallen sind auch diese Eichen an der ehemaligen Bundesstraße 4 kurz hinter dem Ortsausgang Bardowick in Richtung Wittorf. Wegen der Nähe zum Radweg sollen die Nester des Schädlings in den kommenden Tagen entfernt werden. Foto: t&w

Gefahr lauert in den Eichen

Bardowick. Zwischen 2013 und 2017 ist der Landkreis Lüneburg massiv gegen den Eichenprozessionsspinner vorgegangen, hat den Schädling aus der Luft und vom Boden bekämpft – mit Erfolg. Weil die Zahl der gemeldeten Krankheitsfälle deutlich zurückgegangen ist, verzichtet der Kreis seit 2018 auf den Einsatz von Insektiziden. Doch verschwunden ist der Eichenprozessionsspinner aus der Region nicht.

So haben die LZ-Leser Esther-Minette und Hans-Joachim Schröder bei einer Fahrradtour am Wochenende drei kahlgefressene Eichen an der ehemaligen Bundesstraße 4 zwischen Bardowick und Wittorf entdeckt, knapp hinter der Einmündung Mühlenstraße am Ortsausgang Bardowick. Ihr Verdacht: Befall durch Eichenprozessionsspinner. Diese Beobachtung hatte zuvor schon eine andere Bürgerin gemacht, das Vorkommen der für den Menschen gefährlichen Schädlinge Ende vergangener Woche an die Samtgemeinde Bardowick und den Landkreis gemeldet. Und die reagieren jetzt.

„Da der Radweg viel befahren ist, versuchen wir die Nester von einer Firma entfernen zu lassen.“ – Pressesprecherin Kathrin Holzmann

Zuständig ist in diesem Fall der Landkreis Lüneburg, da die Bäume an einer Kreisstraße liegen. Und der reagiert schnell und beginnt schon an diesem Freitag (26. Juni) mit der Bekämpfung des Eichenprozessionsspinners entlang der Kreisstraße 46. Aus diesem Grund können Radfahrer den betroffenen, etwa 500 Meter langen Abschnitt zwischen Bardowick und Wittorf voraussichtlich zwei Tage lang nicht befahren, sie können auf ausgeschilderten Wege östlich der Hauptstrecke ausweichen. Zusätzlich wird die K 46 bei Bedarf halbseitig gesperrt. Für die notwendigen Maßnahmen werden mehrere Fahrzeuge einer Spezialfirma im Einsatz sein, ebenso von der Feuerwehr, teilte Pressesprecherin Urte Modlich mit.

Reaktionen bis zu allergischem Schock möglich

Gefährlich sind Eichenprozessionsspinner für den Menschen wegen ihrer mikroskopisch kleinen Brennhaare. Sie werden vom Wind durch die Luft getragen und können bei Hautkontakt Reaktionen bis hin zu Atemnot und einem allergischen Schock auslösen (siehe Infobox). Deshalb empfiehlt die Kreissprecherin: „Auf dem Radweg bei Eichen wenn möglich Abstand halten und vor allem nicht länger aufhalten – also: kein Picknick, besonders dort, wo Warnschilder stehen.“ Die rot-gelben Hinweise stammen vielfach noch aus der Hochzeit der Verbreitung des Eichenprozessionsspinners zwischen 2013 und 2017. Vorsorglich hat der Landkreis die Warnschilder auch nach dem Rückgang der Schädlingsvorkommen stehen lassen. Auch rät die Kreissprecherin zu langärmeliger Kleidung auf längeren Strecken.

Grundsätzlich sollten Bürger im Verdachtsfall die jeweilige Samtgemeinde informieren. Dort wird geklärt, wer zuständig ist, das weitere Vorgehen in die Wege geleitet.

Informationen über den Befall und Tipps finden Bürger auch im Internet. Die Karte, auf der der aktuelle Befall abgebildet ist, wird derzeit noch aktualisiert. Außer an der ehemaligen B 4 in Bardowick sind dem Kreis bislang Vorkommen des Eichenprozessionsspinners an folgenden Standorten bekannt:
▶ Bardowick, im Zuge der Straße „Im Kuhreiher“;
▶ Betzendorf, auf einem Privatgrundstück;
▶ Radbruch, auf einem Privatgrundstück.
Der Betrieb Straßenbau und -unterhaltung geht davon aus, dass die Zahl der Standortmeldungen noch weiter steigen wird.

Von Malte Lühr

Hintergrund

Raupe mit Giftpfeilen

Seinen Namen verdankt der Eichenprozessionsspinner dem auffälligen Verhalten: Seine Raupen wandern abends zum Fressen in die Kronen der Eichen und morgens zurück. Nach 5 bis 6 Entwicklungsstadien verpuppen sich die Raupen, im Juli schlüpfen die Falter.

Eine Gefährdung des Menschen geht von den Haaren der älteren Raupen aus. Diese sind etwa zwei bis drei Millimeter lang, mit Widerhaken versehen und enthalten das Nesselgift Thaumetopoein. Die feinen Brennhaare können wie „Giftpfeile“ über weite Strecken getragen werden. Unmittelbar nach Hautkontakt entwickelt sich ein Juckreiz, Ausschlag, gegebenenfalls Hautentzündungen, Augenreizungen bis hin zu Atemnot oder einem allergi-schen Schock. Die Nesselhaare bleiben zudem über viele Jahre gefährlich.