Samstag , 24. Oktober 2020
Maret Bening wird künftig als Gleichstellungsbeauftragte ausschließlich für den Landkreis tätig sein. (Foto: be)

Getrennte Wege

Lüneburg. Bislang war Maret Bening Gleichstellungsbeauftragte von Stadt und Kreis Lüneburg. Ihre Stelle ist beim Landkreis angesiedelt, sie ist aber je zur Hälfte ihrer Arbeitszeit für Stadt und Kreis im Einsatz. Im Gegenzug stellt die Stadt sicher, dass die Leitung des Familienbüros auch im Sinne des Landkreises agiert. Vertraglich geregelt ist das in einer Vereinbarung, die seit 2009 besteht. Doch damit ist jetzt Schluss. Ab kommendem Jahr arbeitet Bening mit voller Stelle nur für den Landkreis. Der Stadt bleibt nichts anderes übrig, sie muss eine eigene Stelle einrichten.

Im Januar hatte Bening im Finanzausschuss des Kreistages deutlich gemacht, dass sie im Jahr bei rund 1000 Personalentscheidungen zu einer Stellungnahme aufgefordert werde. Das sei in der Konstellation nicht zu schaffen. Daraufhin hatte die Politik mit breiter Mehrheit gleich signalisiert, dass der Landkreis künftig eine volle Stelle einrichten solle. Lediglich seitens der AfD gab es eine Enthaltung. Am 18. Mai gab der Kreistag dann grünes Licht. Aufgrund eines Antrages von SPD und Grünen zum Stellenplan steigt der Landkreis zum Jahresende aus der Vereinbarung zur Zusammenarbeit in Sachen Gleichstellungsbeauftragte aus. Bening bekommt ihre volle Stelle.

Gestiegener Bedarf

Auf Anfrage sagt Landkreis-Sprecherin Katrin Holzmann, die beiden Fraktionen sähen „einen gestiegenen Bedarf, auch um künftige Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zu gewinnen und zu halten. Die Aufgaben der Gleichstellungsbeauftragten sind ansonsten unverändert und können nun intensiver wahrgenommen werden, etwa die Zusammenarbeit mit den Gleichstellungsbeauftragten der Kommunen“. Auf die Frage, ob es noch ein Defizit bezüglich der Gleichstellung beim Landkreis gebe, verweist sie darauf, dass der Landkreis „erst kürzlich mit dem FaMi-Siegel ausgezeichnet worden ist, das Gleichstellung und vor allem die Vereinbarkeit von Familie und Beruf in den Blick nimmt. Hier steht der Landkreis gut da“. Auch die Stadt hat das Siegel, seit Februar 2018.

„Wir haben die gemeinsame Gleichstellungs-arbeit, ebenso wie das Zusammenwirken in anderen Bereichen wie dem Familienbüro, immer als positiv empfunden.“ – Suzanne Moenck, Stadtsprecherin

Bereits im Februar, als sich der Gedanke im Kreistag abzeichnete, habe die Stadt gesagt, dass sie so eine Entscheidung bedauern würde, sagt deren Sprecherin Suzanne Moenck. „Wir haben die gemeinsame Gleichstellungsarbeit, ebenso wie das Zusammenwirken in anderen Bereichen wie dem Familienbüro, immer als positiv empfunden“ Die offizielle Bestätigung der Kündigung infolge des Kreistagsbeschlusses erhielt die Stadt am 8. Juni. „Möglichkeiten einer weiteren Zusammenarbeit im Familienbüro werden im Gespräch zu klären sein“, sagt Moenck.

Der Verwaltungsausschuss der Stadt hat beschlossen, dass eine halbe Stelle ausgeschrieben wird.

Zur Sache

Seltene Sitzungen

Der Gleichstellungsausschuss der Stadt war auf Wunsch der Linken und mit Unterstützung der Jamaika-Gruppe in dieser Wahlperiode beibehalten worden. Dabei hatte er zuvor von 2012 bis zum Ende der vergangenen Wahlperiode im Herbst 2016 nicht getagt. Inzwischen hat das Gremium wieder eine lange Pause eingelegt, tagte zuletzt am 15. Oktober 2018. Auf die Frage zu den Gründen sagt die Ausschussvorsitzende Claudia Schmidt: „Es lag nichts Konkretes vor. Wir bereiten jetzt aber die nächste Sitzung vor.“ Die soll voraussichtlich nach den Sommerferien im August stattfinden.

Von Antje Schäfer