Mittwoch , 23. September 2020

Gütersloh macht dicht: Laschet verkündet Lockdown

Nach dem Corona-Ausbruch beim Fleischverarbeiter Tönnies schränken die Behörden das öffentliche Leben im Kreis Gütersloh nun doch massiv ein. Erstmals seit den Lockerungen werde in Deutschland ein ganzer Kreis zurückgeführt „auf die Maßnahmen, die vor wenigen Wochen gegolten haben“, teilte Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) mit. Die Lochdown-Maßnahmen gelten zunächst bis Ende Juni, heißt es in Düsseldorf.

Düsseldorf. Mehr als 1500 Infizierte, geschlossene Schulen und Kitas, ein ruhender Schlachtbetrieb: Der Kreis Gütersloh zieht die Reißleine.

NRW-Ministerpräsident verkündet eine Verschärfung der Maßnahmen.

Laschet wies auf die Gefährlichkeit des aktuellen Ausbruchs hin, die verschiedenen Internationalitäten würden die Unterbrechung der Infektionsketten erschweren. “Der Zweck ist, die Situation zu beruhigen, die Tests auszuweiten”, erklärte Laschet.

Der Lockdown gelte zunächst für eine Woche. Bis zum 30. Juni werde man dann mehr Klarheit haben, inwieweit sich das Virus womöglich auch bei Menschen, die nicht bei Tönnies arbeiten, ausgebreitet habe, sagte Laschet.

Nach dem Corona-Ausbruch beim Fleischverarbeiter Tönnies verbieten die Behörden im Kreis Gütersloh unter anderem wieder Sport in geschlossenen Räumen und zahlreiche Kulturveranstaltungen. Fitnessstudios würden im Kreisgebiet ebenso geschlossen wie Kinos und Bars, sagte NRW-Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) am Dienstag in Düsseldorf.

Nun solle ermittelt werden, ob das Infektionsgeschehen über den Kreis Gütersloh hinausgeht. Ab sofort gelten wieder verschärften Regeln vom März. Im Kreis Gütersloh handele es sich um das bisher “größte Infektionsgeschehen” in NRW und in Deutschland.

7000 Tönnies-Mitarbeitzer unter Quarantäne

Rund 7000 Mitarbeiter stehen mitsamt ihren Familien seit einigen Tagen unter Quarantäne. Die Einhaltung der Quarantäne-Maßnahmen gestaltet sich aber schwierig.

Die nordrhein-westfälische Landesregierung hat deshalb drei Einsatzhundertschaften der Polizei in den Kreis Gütersloh geschickt. Die Polizisten sollen die Quarantäne der Tönnies-Mitarbeiter kontrollieren, sagte Laschet. Die Polizei werde die mobilen Testteams begleiten. Zur Not müssten die Behörden auch mit Zwang die Anordnungen durchsetzen. Es werde auch zusätzliche humanitäre Maßnahmen zur Unterstützung der Betroffenen geben.

Das Zentrum des Corona-Ausbruchs bei Tönnies liegt nach Aussagen von Laschet in der Fleischzerteilung. In dieser Abteilung gebe es die meisten Infizierten, sagte er. Bei Nicht-Mitarbeitern von Tönnies im Kreis Gütersloh habe man nur 24 Infizierte, so Laschet.

Laschet warnt vor Generalverdacht

Er warnte davor, Menschen aus dem Kreis Gütersloh unter “Pauschalverdacht” zu stellen. Man dürfe die Bewohner des Kreises “nicht stigmatisieren”. Laschet bezog sich auf Berichte, wonach Menschen aus dem Kreis an Urlaubsorten zur Abreise aufgefordert worden seien. Auf der Insel Usedom war ein Ehepaar aus Gütersloh dazu aufgefordert worden, vorzeitig abzureisen.

Für die Bewohner des Kreises Gütersloh gilt kein Ausreiseverbot aus dem Kreisgebiet. “Wir haben keine Ausreiseverbote erteilt”, sagte Laschet. Das verhängte Kontaktverbot und die Lockdown-Maßnahmen “gelten immer bezogen auf den Kreis”. Es würden damit die gleichen Regeln gelten, wie während der bundesweiten Kontaktverbote im März. Laschet appellierte aber an die Einwohner in Gütersloh, “jetzt nicht aus dem Kreis heraus in andere Kreise zu fahren”.

Schulen und Kitas geschlossen

Schulen und Kitas im Landkreis Gütersloh mit rund 370.000 Einwohnern waren bereits geschlossen worden. Für die größte deutsche Fleischfabrik war zudem ein vorübergehender Produktionsstopp verhängt worden. Auch im Kreis Warendorf werde es Einschränkungen geben.

RKI-Chef: “Pandemie ist nicht vorbei”

RKI-Chef Lothar Wieler resümierte am Dienstag zu den Vorfällen in NRW: “Wenn wir dem Virus eine Chance geben, sich auszubreiten, nimmt es sich diese Chance.” Er mahnte: “Wir müssen weiterhin sehr achtsam sein, um weitere Ausbrüche möglichst zu verhindern. Die Pandemie ist nicht vorbei, weder in Deutschland noch weltweit.” Den erhöhten Faktor R führte er ebenfalls auf lokale Ausbruchsgeschehen zurück.

Nach einem Corona-Ausbruch in einer Fleischfabrik der Tönnies-Gruppe im Kreis Gütersloh in Nordrhein-Westfalen ist die Zahl der infizierten Beschäftigten nach Angaben des Kreises bis Montagabend auf 1.553 gestiegen.

Ein Grund sind die Arbeits- und Wohnbedingungen, die der Einhaltung der Corona-Regeln entgegenstehen.

RND/ka/cle/dpa