Montag , 26. Oktober 2020
Das Publikum mag Werner alias Dirk Hartkopf, der seit Monaten als gute Seele im Käseladen von Astrid Richter immer mal wieder durch ihre Lieblingsserie huscht. (Foto: be)

Es war eben nicht alles Käse

Lüneburg. Seine Auftritte waren regelmäßig, aber kurz. Meist war er nur wenige Sekunden lang im Bild zu sehen, manchmal auch nur im Hintergrund. Er war Beiwerk für die aktuelle Hauptdarstellerin, die glänzen soll. „Mal ein ,Hallo‘ oder ein ,Herzlich willkommen‘ – viel mehr war nicht“, sagt Dirk Hartkopf selbst über seine Rolle bei den Roten Rosen. Doch der Mann im Hintergrund hat Eindruck hinterlassen­ bei den Zuschauern, die ihn offenbar nicht bloß als Staffage wahrnehmen. Sie mögen ihn und wollen mehr sehen von Werner, der seit Monaten als gute Seele im Käseladen von Astrid Richter immer mal wieder durch ihre Lieblingsserie huscht.

Positive Resonanz in den Fanforen

Und das Publikum wird mehr sehen von Werner: Hartkopf hat von der Produktionsfirma, die auch ein größeres Talent in ihm erkannte als es für einen Komparsen erforderlich ist, jetzt einen Vertrag bekommen. Der lässt ihn nicht nur auf ein paar mehr und wohl auch längere Auftritte hoffen, sondern garantiert ihm auch eine Präsenz über das Staffelende und damit auch nach dem schon feststehenden Ausscheiden seiner Rosen-Chefin hinaus.

Als Komparse war der Bleckeder seit Folge 30 der laufenden Rosen-Staffel mit dabei, einmal die Woche streifte er sein blauweißes Hemd über und drehte mit Claudia Schmutzler Szenen im Käseladen. Anfangs war er nicht viel mehr als ein Stichwortgeber, doch trotz seiner spärlichen TV-Präsenz und des überschaubaren Textanteils mehrten sich schon bald Stimmen in den einschlägigen Fanforen und Netzwerken, die mehr sehen wollten von Werner. „Und das war ich nicht alles selbst“, sagt Hartkopf im Scherz.

Die Verantwortlichen der Produktionsfirma hätten das ohnehin nicht vermutet, denn in der inzwischen 14-jährigen Rosen-Historie gab es durchaus schon zwei, drei ähnliche Fälle, in denen das Publikum einer Randfigur zu mehr Gewicht in der Serie verholfen hat, weil die so sympathisch war. So ist es nun auch bei Werner und Darsteller Hartkopf, der damit dem Komparsendasein und dem damit verbundenen Höchstmaß an Drehtagen entwächst und deshalb eben – wie die Berufsschauspieler eben auch – einen richtigen Vertrag bekommt.

Kameraerfahrung bei LZplay

Für Hartkopf selbst kam die frohe Kunde ebenso überraschend wie zur passenden Zeit. Schließlich ist er auf einem anderen Betätigungsfeld derzeit zum Nichtstun verurteilt. Der Mann, der sich bei einer Versicherung um Schadensfälle kümmert, ist in der Region vor allem als DJ Ben Hardy bekannt und beliebt. Doch die Corona-Pandemie hat die Veranstaltungswirtschaft komplett in die Knie gezwungen und dafür gesorgt, dass auch Hardy, der einst bei der Lüneburg Marketing GmbH als Veranstaltungsmanager tätig war, derzeit allenfalls zu Hause Musik zum Tanzen auflegen kann. Und so ist es eine dieser glücklichen Fügungen des Lebens, dass für den 50-Jährigen in dem Moment, wo auf der einen Seite eine Tür zugeht, sich auf der anderen aber eine neue öffnet.
„Also ich mich im September 2019 hinter den Tresen eines Lüneburger Käseladen stellte, war das für mich nur eine lustige und total verrückte Idee. Ich hätte mir nicht im Traum einfallen lassen, dass dieser Typ in seiner Schürze und leicht trotteliger Art, der permanent von seiner geliebten Chefin durch den Laden gescheucht wird, sich in die Herzen der ARD-Zuschauer geraschelt hat“, freut er sich sich über die Aufwertung seines Fernsehengagements.

Kameraerfahrung hatte der Vater zweier Töchter schon vor seinen Einsätzen im Käseladen. Nicht bloß durch die Rosen, wo er auch mal einen Architekten gespielt hat, sondern ebenfalls durch seine Zeit bei LZplay, dem Videoportal der Landeszeitung gab er in den Anfangsjahren sein Gesicht als Moderator bei Formaten wie dem Salatbar-Talk.

Nun also Käse statt Salat. Mit Claudia Schmutzler habe die Chemie gleich gestimmt, „sie hat mir ja überhaupt erst die Möglichkeit gegeben, dass ich mich als Käse-Werner einbringen durfte“, ist Hartkopf dankbar. War seine Figur zu Beginn allenfalls das Alibi, das es der Inhaberin auch mal erlaubte, ihren Laden zu verlassen, ist Werner eine echte Rolle geworden. Eine, die trotz kleiner Anteile eine Fangemeinde eroberte. Wie aufmerksam die Zuschauer sind, kann der Bleckeder aber noch anders belegen: „Da kam im Internet schnell die Frage auf, ob Werner denn nur ein Hemd habe.“

Es gab noch ganz andere Herausforderungen

Hat er natürlich nicht. Und auch die anfängliche Sorge, die kleine und zierliche Schauspielerin könne auf dem Bildschirm rein optisch untergehen neben ihm, dem gestandenen Mannsbild, erwies sich als unbegründet, dagegen gab es ganz andere Herausforderungen, verrät Hartkopf: „Das Käsepapier raschelt extrem. Anfangs hatte ich fast Angst vor den Tonleuten, weil ich in fast jeder Einstellung mindestens ein, zwei Käsesorten einpacken musste.“

Von Alexander Hempelmann