Zur Wochenmitte wird es heiß, meint LZ-Wetterfrosch Reinhard Zakrzewski. (Foto: privat)

Erste Hitzewelle rollt an

Deutsch Evern. An diesem Wochenende startet der kalendarische oder astronomische Sommer. Und wie auf Bestellung rollt die erste Hitzewelle an. Auslöser ist ein umfangreiches Tief über dem Nordatlantik, das an seiner Ostseite den Zustrom subtropischer Luft aus Spanien einleitet. Gleichzeitig lässt sich ein Ableger des Azorenhochs über Mitteleuropa nieder, der die Temperaturen ab Dienstag auf Tropenniveau treibt. Von einer Hitzewelle spricht man, wenn die Höchstwerte an mindestens fünf Tagen hintereinander um oder über 30 Grad liegen.

Vier Voraussetzungen müssen dabei erfüllt sein. Erstens: Das Einströmen von sehr warmer Luft aus südlichen Richtungen. Zweitens: Das großräumige Absinken von Luft in einem Hochdruckgebiet über uns, was – ähnlich wie beim Alpenföhn – eine Erwärmung von 1 Grad pro hundert Meter bewirkt und damit einen wichtigen Beitrag in Sachen Wärme leistet. Drittens: Ungehinderte Sonneneinstrahlung. Viertens: Ein trockener Untergrund, wodurch die Strahlungsenergie nicht in die Verdunstung, sondern hauptsächlich in die Erwärmung geht.

Nach einem Wochenende mit luftigen 21 bis 25 Grad, kaum Schauern und schon ordentlich Sonne am Sonntag, bleiben die Temperaturen am Montag noch unverändert. Bei einem Wechsel aus Sonne und Wolken sind im Kreis Lüneburg einzelne Schauer möglich. Ab Dienstag wird es dann immer schöner. Ein Ableger des Azorenhochs sorgt für Sonne satt und einen sprunghaften Anstieg der Temperaturen auf 26 bis 27 Grad am Dienstag und bis 29 Grad am Mittwoch.

Gewitterrisiko steigt zum Wochenende

In der zweiten Wochenhälfte heizt das Hoch noch weiter ein. Dann erwarten uns Spitzenwerte von 30 bis 32 Grad. Allerdings wird die Luft allmählich schwüler und zum Sonnabend steigt das Gewitterrisiko leicht an. Die dann sehr warmen Nächte bieten kaum Erholung. Ob das Treibhauswetter bis Anfang Juli anhält oder sich zumindest vorübergehend kühlere Luft durchsetzen kann, lässt sich derzeit noch nicht sagen.

Was bedeutet die Hitzewelle nun für den Verlauf des Hochsommers? Noch nicht viel, denn es gilt noch den Siebenschläferzeitraum abwarten. Dieser beginnt am 27. Juni und endet – wegen der von Pabst Gregor 1582 verfügten Kalenderreform und der damit verbundenen Verschiebung des Kalenders um zehn Tage nach hinten – erst am 7. Juli. Meteorologen sehen sich für einen guten Trend sogar den Wetterverlauf von 14 Tagen bis zum 10. Juli.

Der Grund: Schon 1956 hatte der Klimatologe F. Bauer statistisch nachgewiesen, dass sich das Schicksal des Hochsommers hauptsächlich zwischen dem 5. und 10. Juli entscheidet. Entsprechend können die Witterungsregeln rund um diesen Zeitraum auch als die eigentlichen Siebenschläferregeln interpretieren werden: „Ist Siebenbrüder (10. Juli) ein Regentag, so regnet’s noch sieben Wochen danach“, oder „Wie’s Wetter an St. Margaret (13. Juli), dasselbe noch vier Wochen steht.“

Das amerikanische Jahreszeitenmodell setzt derzeit auf einen durchschnittlich feuchten und etwas zu warmen Hochsommer. Dies würde für uns im Juli und August einen recht häufigen Wechsel aus trockenwarmen bis heißen und feucht-kühlen Abschnitten bedeuten – eben typisch norddeutsches Sommerwetter.

Von Reinhard Zakrzewski