Freitag , 25. September 2020
Der 120 Jahre alte „Kaiser Wilhelm“ liegt am Ausrüstungskai der Hitzler Werft in Lauenburg. Fahrten sind derzeit Corona-bedingt nicht absehbar, sodass es für Restarbeiten der Sanierung keinen Zeitdruck gibt. (Foto: tja)

Eine verkorkste Saison

Lauenburg. Es sollte eine geschichtsträchtige Fahrt werden: Vom 17. Juli bis zum 2. August wollte der Verein zur Förderung des Lauenburger Elbschifffahrtsmuseums nach 50 Jahren mit seinem unter Denkmalschutz stehenden Raddampfer „Kaiser Wilhelm“ wieder zur Weser zurückkehren.

1900 bei der Dresdner Schiffswerft und Maschinenfabrik gebaut, war der Raddampfer zunächst 70 Jahre lang auf der Weser unterwegs. Als er ausgemustert wurde und die Verschrottung drohte, retteten Schifffahrts-Enthusiasten um Dr. Ernst Schmidt das Schiff und holten es 1970 an die Elbe nach Lauenburg. Nach einer 2019 begonnenen Sanierung erstrahlt er jetzt in frischem Glanz.

„Bedingt durch die Corona-Krise mussten wir die Tour zur Weser jetzt schweren Herzens absagen. Aber wir arbeiten an einem neuen Termin für Juli 2022“, sagt Markus Reich, der Kapitän des „Kaiser Wilhelm“ und Vorsitzende des Vereins, der das Schiff betreibt.

Entscheidung trifft schwer

Die Entscheidung zur Absage trifft den Verein schwer, denn er muss für die mit Bundesmitteln in Höhe von 950 000 Euro möglich gemachte Sanierung einen Eigenanteil von 95 000 Euro aufbringen. Reich: „Da hatten wir natürlich mit den Einnahmen kalkuliert.“ Das Interesse zur mehrtägigen Fahrt nach Hameln und zu Rundfahrten auf der Weser sei groß gewesen, heißt es.
„Ein Hygienekonzept und Abstandsregeln lassen sich an Bord eines solchen 120 Jahre alten Schiffes nur schwer umsetzen“, sagt Reich. Seit 2018 liefen die Vorbereitungen, die Vorfreude unter den Besatzungsmitgliedern und bei den Menschen im Weserbergland, die „den Kaiser“ noch von früher kannten, war groß.

„Das Interesse der Gäste aus allen Teilen der Welt und natürlich aus dem Weserbergland war überwältigend. Einige Teilstrecken waren bereits komplett ausgebucht“, berichtet Holger Böttcher, der Zahlmeister des Vereins. Mit der Verschiebung um gleich zwei Jahre hofft die Besatzung auf Planungssicherheit.

Auch Fahrten auf der Elbe, ob in den Hamburger Hafen oder nach Bleckede und Hitzacker, waren aufgrund der Corona-Pandemie bisher nicht möglich. Was künftige Fahren in diesem Sommer angeht, hänge „natürlich alles an noch möglichen weiteren Lockerungen“, sagt Reich.
29

Er hofft, dass vielleicht im Juli mit 50 oder 60 Fahrgästen an Bord abgelegt werden kann, um die Saison nicht ganz zu verlieren.

Von Timo Jann