Freitag , 25. September 2020
Peter Pabel ist beim Thema Wolf entspannt. Hier ist er gerade mit seiner Hündin Anouk unterwegs in einem Waldstück zwischen der Göhrde und Neu Darchau. (Foto: phs)

Auf Augenhöhe mit dem Wolf

Göhrde. Während die Diskussion über die Rückkehr des Wolfes in die heimischen Wälder immer wieder hochkocht und zum Teil recht emotional geführt wird, gehen die Mitglieder des Hochwildringes Göhrde gelassen mit diesem Beutegreifer in ihrem Revier um.

„Im Bereich des Hochwildringes jagen wir seit gut zehn Jahren mit dem Wolf. Dies geschieht mittlerweile völlig unaufgeregt nebeneinander, sozusagen auf Augenhöhe“, berichtet Peter Pabel, Vorsitzender der Hegegemeinschaft. Sein Jagdkonzept hat der Hochwildring aktualisiert und der neuen Situation mit dem größten heimischen Raubtier an der Seite angepasst.

In den Wäldern der Göhrde hat sich einiges verändert

Immerhin seien es die Jäger des Hochwildringes gewesen, die in ihren Jagdrevieren die ersten Wolfsnachweise in der Region erbracht hatten. „Die erste Paarbildung und das erste Wolfsrudel haben wir nachgewiesen und im niedersächsischen Wolfsmonitoring dokumentiert“, erinnert Pabel.

„Von einem grundsätzlich enormen Druck des Wolfes auf das Wild kann keine Rede sein.“ – Peter Pabel, Vorsitzender

Seither hat sich in den weiten Wäldern der Göhrde einiges verändert im Leben der Wildtiere und Jäger. Im Hochwildring Göhrde sei allerdings nicht erkennbar, dass der Wolf die Bestände von Rot-, Schwarz- und Rehwild auf größerer Fläche elementar beeinflusse, betont er.

„Von einem grundsätzlich enormen Druck des Wolfes auf das Wild kann keine Rede sein. Wenn der Wolf jagt, handelt es sich um einen ganz natürlichen Ablauf.“ Wie es auch die Rückkehr des größten heimischen Raubtieres sei, das lange Zeit auch in der Göhrde ausgestorben war.

Dennoch gebe es Veränderungen, denen sich die Jäger stellen wollen und müssen. „Das Wildverhalten hat sich mit der Rückkehr des Wolfes verändert“, räumt Pabel ein. Vor allem seien die Bewegungsmuster sowie die Rudel- und Rottenbildung andere geworden. „Das Wild ist unsteter und vorsichtiger geworden.“

Gejagt wird eben mit geteilter Beute

Fakt sei darüber hinaus auch, dass in den Kernzonen der Wolfsterritorien die Dichte des Wildbestandes und Jagdstrecken abgenommen haben. „Dies wird ganz unterschiedlich bewertet. Wir leben damit, jagen weiterhin – aber eben mit geteilter Beute.“

Jäger und Raubtier arrangierten sich. „Wir teilen die Beute. Die Wölfe haben gelernt, dass für sie bei unseren Drückjagden sogar etwas abfallen kann. Sie haben schon einige Male die Gelegenheit genutzt und sich satt gefressen.“ Daher finden immer mal wieder Wölfe den Weg in die Jagden hinein. „Ohne dass es mit unseren Hunden bislang zu Konflikten kam“, erzählt der Vorsitzende erfreut. Er hofft, dass dies auch künftig so bleibt.

Doch mit der Hoffnung alleine kann niemand die Zukunft gestalten. Das wissen die Jäger. Entsprechend passt der Hochwildring derzeit seine Jagdstrategien weiter an, die bereits in dem neuen Jagdkonzept verankert wurden. „Wir haben uns Gedanken gemacht und berücksichtigen nun die biologischen Bedürfnisse des Wildes besser.“

Dazu gehören revierübergreifende Jagdintervalle. Örtliche sowie zeitliche Ruhebereiche für das Wild sollen mit der neuen Strategie zudem selbst in der gesetzlichen Jagdzeit den Vorzug vor der intensiven Einzeljagd bekommen.

Die Menschen werden mit ihrer Jagd die Wildbestände nicht gefährden, meint er. „Dafür gibt es neben der eigenen Überzeugung auch jagdgesetzliche Aufträge.“ Dies gelte auch für das Damwild, dessen Vorkommen sich mittlerweile auf den Westen des Hochwildringes beschränkt. „Die zentrale Göhrde ist mittlerweile so gut wie damwildfrei.“

Auch das ist eine Folge, die auf die Rückkehr des Wolfes zurückzuführen ist und als natürliche Veränderung vom Hochwildring hingenommen wird. „Das Damwild kam ursprünglich nicht in der Göhrde vor und nun ist es eine bevorzugte Beute für den Wolf. Das ist der natürliche Kreislauf.“

Das Thema Muffelwild ist dort Geschichte

So ist es auch den Mufflons ergangen: „Das Thema Muffelwild ist für den Hochwildring Göhrde Geschichte“, erklärt Peter Pabel. Wissenschaftliche Studien belegten die genetische Ursprünglichkeit und Bedeutsamkeit des ehemaligen Vorkommens in der Göhrde, sagt er. „Eine Koexistenz zwischen Wolf und Mufflon ist in der freien Wildbahn nicht bekannt. Wenn man daher im Wolfsland etwas für das Mufflon tun will, dann ist dies nur in besonderen Lebensräumen möglich.“

Hintergrund

Hochwildring reicht bis Lüneburg

Der Hochwildring Göhrde ist eine ministeriell bestätigte, großräumige Hegegemeinschaft in den Landkreisen Lüneburg, Uelzen und Lüchow-Dannenberg, die für rund 300 Jagdreviere das Regelwerk für die Beja-gung von Rotwild, Damwild und Schwarzwild erstellt. Die äußere Grenze reicht bis an Lüneburg heran. Die gesetzliche Aufgabe ist die Erhaltung und nachhaltige Nutzung von gesunden, sozial richtig strukturierten Schalenwildbeständen (Rotwild, Rehwild, Schwarzwild, Damwild) in angepasster Zahl bei größtmöglicher faunistischer und floristischer Artenvielfalt unter Vermeidung von Wildschäden in der Land- und Forstwirtschaft.

Von Stefan Bohlmann