Sonntag , 20. September 2020
Die "Amt Neuhaus" ist in die Jahre gekommen. Der Neubau einer neuen Elbfähre ist noch nicht vom Tisch. (Foto: t&w)

Fachleute übernehmen das Ruder

Lüneburg. Landrat Jens Böther lässt im Kreistag bei inhaltlichen Diskussionen seinen Fachleuten gerne den Vortritt. Beim Thema der neuen Fähre für Bleckede war das in dieser Woche anders. Böther griff als erster zum Mikrofon: „Wir haben jetzt einen guten Weg gefunden“, zog er einen Schlussstrich unter die erste kleine Krise nach einem guten halben Jahr Amtszeit. Einstimmig beschloss der Kreistag, dass die Pläne für den Bau einer neuen Elbfähre weiter verfolgt werden und ein Hamburger Rechtsanwaltsbüro jetzt damit beauftragt wird, einen geeigneten Berater zu suchen, der dann die Ausschreibung fachlich koordiniert.

Der Landrat betonte, dass es „die veränderte Finanzsituation“ war, die ihn im Mai zu einer Alternativlösung bewogen hatte. Böther hatte damals mit einer Ein-Stimmen-Mehrheit im Kreisausschuss durchgesetzt, dass die Neubaupläne mit umweltfreundlicher Technologie auf Eis gelegt werden und die „Amt Neuhaus“ für eine verlängerte Übergangszeit mit einem neuen Motor versehen werden soll. Dass am Ende die Stimme der AfD den Ausschlag gegeben hatte, brachte Böther bei SPD, Grünen und Linken heftige Kritik ein. Böther zog den Antrag zurück, zumal sich eine Niederlage im Kreistag angedeutet hatte (LZ berichtete). Jetzt heißt es im Beschluss nur noch: „Die Ertüchtigung der vorhandenen Fähre wird in die Variantenprüfung als weitere Option einbezogen.“

Fährmann Stoll (Linke): „Das Ding ist irgendwann fällig“

Lob gab es dafür jetzt von allen Seiten. Der Bleckeder Wilhelm Kastens (CDU) freute sich, „dass wir gemeinsam an einer verlässlichen Fähre gearbeitet haben“. Achim Gründel (SPD) sprach von „einem vernünftigen Kompromiss, der uns eine neue Chance bietet“. Auch Ralf Gros (Grüne) befürwortete die Beibehaltung des alten Kurses mit dem Ziel einer neuen Fähre: „Wir dürfen das Ziel nicht aus den Augen verlieren.“ Martin Goedecke (Gruppe FDP/Unabhängige) verwies zudem darauf, dass bei der Wahl eines Wasserstoff-Antriebes eine ganze Infrastruktur im Raum Bleckede aufgebaut werden könnte – bis hin zu einem Wasserstoff-Kraftwerk am alten Kraftwerk-Standort in Alt Garge. Auch Christian-Eberhard Niemeyer (AfD) lobte den „neuen Denkanstoß“.

„Der alten Vorlage hätten wir nicht zugestimmt“, betonte Frank Stoll. Der Fraktionschef der Linke ist selbst Fährmann und unterstrich: „Eine 80 Jahre alte Fähre kommt in die Jahre. Das Ding ist irgendwann fällig.“ Es sei richtig, jetzt zweigleisig zu fahren und auf einen klimaneutralen Antrieb zu setzen.

Erster Kreisrat Jürgen Krumböhmer betonte die Bedeutung der Ausschreibung: „Jetzt übernehmen Fachleute das Ruder.“ Die Verwaltung habe beim Thema Fähren-Technologie „nicht den Ansatz einer Ahnung“. Krumböhmer verwies darauf, dass auch noch eine Zeit vergehen wird, bis der Gutachter gefunden sein dürfte und die fachlichen Vorbereitungen stehen. Ab dann seien etwa 15 Monate für die Ausschreibung und neun Monate reine Bauzeit zu kalkulieren.

Von Marc Rath

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