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Wenn der Kontowechsel fehlschlägt

Lüneburg. Das Filialnetz der Banken und Sparkassen schrumpft seit Jahren, Kunden müssen häufig weitere Wege gehen. Wer das nicht kann, hat oft nur eine Option: den Wechsel des Geldinstituts. Doch trotz klarer gesetzlicher Vorgaben läuft dabei nicht immer alles glatt, wie ein Ehepaar aus Niedersachsen erfahren musste. Obwohl das Paar alles richtig gemacht hatte, kam sein Geld vier Wochen verspätet auf dem neuen Konto an. Fast eine Woche hatten die Eheleute überhaupt keine Barmittel zur Verfügung. Die Verbraucherzentrale Niedersachsen informiert in einer Pressemitteilung darüber, was Betroffene in dieser Situation tun können und erklärt, worauf bei einem Kontowechsel zu achten ist.

Da die Commerzbank-Filiale in ihrem Wohnort schließen wird, veranlasste das Paar den Kontowechsel zur örtlichen Sparkasse. Ende Oktober 2020 stellte es einen Antrag auf Kontowechselhilfe zum 30. Dezember. Bis zu diesem Zeitpunkt sollten alle Guthaben, Daueraufträge und Lastschriftmandate auf die Sparkasse übertragen sein. Doch am 4. Januar war noch immer kein Geld angekommen. Auf Nachfrage bestätigte die Commerzbank, dass der Wechselantrag am 30. Oktober eingegangen war. Am 22. Januar wurde die Girokarte automatisch eingezogen. Damit kam das Ehepaar nicht mehr an das eigene Geld heran. Erst fünf Tage später traf das Guthaben bei der Sparkasse ein.

„Der Fall zeigt, was bei einem Kontowechsel schiefgehen kann, obwohl Verbraucher alles richtig machen“, erklärt Philipp Rehberg, Finanzexperte der Verbraucherzentrale Niedersachsen. „Dass eine Übergangsfrist von zwei Monaten trotz klarer gesetzlicher Vorgaben nicht ausreicht, ist für uns nicht nachvollziehbar und zeigt, wie rücksichtlos sich Banken im Einzelfall verhalten.“

Kunden haben klare Rechte

Seit der Einführung des Zahlungskontengesetzes im Jahr 2016 können Verbraucher ihre neue Bank zur Kontowechselhilfe ermächtigen. „Das Gesetz verpflichtet Kreditinstitute, Kunden beim Kontowechsel innerhalb Deutschlands zu helfen. Die Banken übernehmen den gesamten Papierkram und müssen dafür sorgen, dass alle Daueraufträge fristgerecht umgestellt sind“, verdeutlicht Rehberg. Wer das Geldinstitut wechseln möchte, sollte rechtzeitig Kontowechselhilfe beantragen. Für einen reibungslosen Übergang ist es zudem sinnvoll, das alte und das neue Konto für mindestens zwei Monate nebeneinander zu unterhalten.

Läuft ein Kontowechsel aufgrund von Versäumnissen der beteiligten Banken schief, haben Kunden klare Rechte. „Entstehen etwa Kosten durch nicht ausgeführte Daueraufträge oder Einzugsermächtigungen, steht Betroffenen ein Schadensersatzanspruch zu“, sagt der Finanzexperte. In diesem Fall sollten sie zunächst die Bank auffordern, den entstandenen Schaden zu erstatten. Weigert sich das Geldinstitut oder treten andere Probleme mit dem Kontenwechsel auf, können sich Betroffene bei den Verbraucherzentralen beraten lassen oder eine Schlichtungsstelle einschalten. Das Schlichtungsverfahren ist für Verbraucher kostenfrei. Außerdem ist es möglich, Beschwerde bei der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) einzureichen. lz

Weitere Informationen zum Kontowechsel gibt es unter www.verbraucherzentrale-niedersachsen.de/konto-wechseln-so-gehts

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