Samstag , 26. September 2020
Jonny vom Dahl am Lüneburger Stint – das Motiv ziert auch das CD-Cover. Foto: privat

Corona hält ihn nicht auf

Lüneburg. Sport oder Musik? Jonny vom Dahl hatte es in die Nachwuchs-Basketball-Bundesliga geschafft. Andererseits: „Ich will meine eigenen Geschichten erzählen“, sagt der 24-Jährige. Das klappt nicht mit dem Ball, aber mit der Gitarre. Er lebte in einer WG in Weimar, „mit meinem Bruder und meinem Opa“. Er studierte BWL – und schrieb Texte. Spontan mischte er vor vier Jahren bei der Casting-Show „The Voice“ mit, sammelte Erfahrungen, landete im Studio von Peter Hofmann, zog nach Lüneburg, und nun liegt sein „Sommerstadtgeflüster“ vor.

Es ist von einem jungen und bewegten Leben zu berichten und natürlich von Corona. Die Pandemie bremst, brutal wie sie ist, den Lauf, zu dem vom Dahl mit seinem Album startet. Aber es muss hinaus. Denn es passt nicht nur vom Titelsong her zum Sommer.

Songs über Liebe, Sehnsucht, Trauer und Kindheit

Die 14 Songs fallen zunächst mal in die prall gefüllte Schublade „Deutschpop“. Aber sie sind breit aufgestellt, sollten sich behaupten können. In ihnen spiegelt sich vom Dahls Musik-Erleben und Musiker-Leben. „Angefangen habe ich mit Jack-Johnson-Covers, dann landete ich beim Old-School-Hip-Hop, und ich liebe Funk“, sagt vom Dahl. Entsprechend bunt klingt das Album. Er singt von Lieblingskneipen und von der Liebe, vom Feiern und vom Trauern. Und von der Sehnsucht nach dem Gefühl einer unbeschwerten Kindheit: „Ja, für immer Kind bleiben / und alles neu sortieren / wenn das Erwachsensein mich blockiert / Wenn Erwachsensein limitiert.“

Ein Lied dreht sich um New York, ums Abheben, um Faszination und Schrecken, um das Nebeneinander von Begeisterung und Bitterkeit. Und um einen Präsidenten, der in den Song eingeblendet wird und tönt, dass er der größte Jobbringer-Präsident wird, den Gott jemals geschaffen hat. Apropos Gott: Jonny vom Dahl kommt aus einer christlichen Familie. Manchmal schimmert das in seinen Texten durch.

Vom Großstadtdschungel nach Lüneburg

Jonny vom Dahl lebte in London, auf dem CD-Cover ist er am Stint zu sehen. „Ich habe die Big-City-Erfahrung gemacht. Ich aber bin ein Typ, der gern in Großstadtnähe wohnt, nicht mittendrin.“ Lüneburg, das ist ja fast schon Hamburg.

Lüneburg, das hängt natürlich auch mit Peter Hoffmanns Studio in Vögelsen zusammen. Dort starteten Karrieren von Tokyo Hotel bis Lina. Jetzt kommt das „Sommerstadtgeflüster“ aus dem „Zentrum für gute Musik“, wie Hoffmann seinen Ort samt Capellmeister-Studio nennt. „Peter hat mir Vertrauen in mich selbst gegeben, auf mich zu schauen und nicht auf äußere Einflüsse“, sagt vom Dahl.

„Langsam fällt mir die Decke auf den Kopf, ich zieh’ los.“ – Jonny vom Dahl

Aufhalten soll die Seuche ihn nicht. Jonny vom Dahl hatte einen Livestream im Salon Hansen, und jetzt hat er ein Zelt fürs Autodach besorgt. „Langsam fällt mir die Decke auf den Kopf, ich zieh’ los.“ Jonny vom Dahl wird nicht die Clubs bespielen, die sind ja dicht, er geht auf die Straße. Auch das ist zurzeit nicht leicht. „Ich telefoniere mit den Behörden, gucke, wo es geht. In Lüneburg scheint es am schwierigsten zu sein.

Ein Lüneburg-Termin ist aber seit heute amtlich. Am 4. Juli wird Jonny vom Dahl beim Lüneburger Kultursommer auftreten. Er bestreitet das Vorprogramm zu einem Star, der auch deutsch singt, aber ein anderes Fach vertritt: Beatrice Egli. Die Schweizer Schlagersängerin gehört zu den Erfolgreichsten ihrer Branche – 1,1 Millionen Musikverkäufe. Dagegen hätte Jonny vom Dahl auch nichts einzuwenden.

Von Hans-Martin Koch