Donnerstag , 22. Oktober 2020
Oh, wie schön ist Panama: Gemeinsam mit zwölf weiteren Europäern verbringt Joél Plöger seine Tage am Strand. Vom Virus blieben sie bisher verschont. Fotos: privat

Gestrandet im Urlaubsparadies

Lüneburg/Bocas Del Torro. Für eine Stunde am Tag durfte Joél Plöger in den letzten Wochen einkaufen gehen. Aber nur an den Männertagen, also dienstags und donnerstags, die anderen Wochentage waren den Frauen vorbehalten. Und auch nur morgens um neun, weil das die letzte Ziffer seines Reisepasses ist.

So merkwürdig diese Regel auch klingen mag, auf Bocas Del Torro, einer kleinen Insel bei Panama, ist sie seit Monaten Realität. Und somit auch für den 27-jährigen Lüneburger, der dort eigentlich nur zwölf Tage Urlaub machen wollte – und wegen des Coronavirus bis heute nicht zurückgekommen ist.

„Als ich am 12. März los geflogen bin, sah hier unten in Südamerika alles noch ganz entspannt aus“, erzählt Plöger, der nun bereits seit zwölf Wochen in der Karibik lebt. „Schon kurz nach meiner Ankunft konnte man nicht mehr zurück.“

Selbstversorgung im Strandresort

Wobei – das stimme nicht so ganz, gibt er zu. „Die deutsche Botschaft hat uns empfohlen, nach Panama City zu fahren. Nur von da wäre es möglich gewesen, noch über Umwege einen Flug zurück nach Deutschland zu bekommen.“ Versprechen konnte die Botschaft das jedoch nicht, „es wäre nicht mehr als ein Versuch gewesen“.

Zehn Stunden Busfahrt nach Panama City und dazu die Gefahr, dort nicht mehr wegzukommen und die Zwangsquarantäne in der Hauptstadt verbringen zu müssen – das Risiko wollte Plöger nicht eingehen. Also blieb er auf der Insel und genoss die Freiheiten, die die Abgeschiedenheit in der Corona-Pandemie zu bieten hatte.

„Hier kontrolliert die Polizei nicht so streng. Es ist zwar auch schon passiert, dass eine andere Touristin am Männertag in die Apotheke musste und dann festgenommen und für 24 Stunden ins Gefängnis gesteckt wurde. Aber eigentlich ist es hier etwas entspannter, sodass wir zumindest an den Strand gehen konnten.“

Das kleine Strandresort, in dem Plöger mit zwölf anderen Europäern wohnt, musste direkt nach seiner Ankunft schließen. „Wir versorgen uns in der Restaurantküche, putzen unsere Bungalows selbst. Dafür zahle ich aber auch statt 200 Dollar nur zehn pro Nacht.“

Beschweren könne er sich über sein derzeitiges Leben nicht, meint der Lüneburger. Er verbringe seine Tage mit Surfen, Fischen und Lagerfeuer am Abend. Einzig die Uni sei etwas anstrengend. Er studiert derzeit in Dänemark Innovationsmanagement, die Onlinekurse finden aufgrund der Zeitverschiebung nachts statt. „Neulich habe ich eine Klausur von 2 bis 6 Uhr morgens geschrieben.“

Selbst die Pandemie zieht größtenteils an ihm und den anderen gestrandeten Touristen vorbei, sagt er. Auf der 70-Einwohner-Insel habe es noch keinen bestätigten Fall gegeben, auf der nächstgelegenen Insel seien die ersten in der letzten Woche erkrankt – nachdem die strengen Ausgangsbeschränkungen aufgehoben worden waren. Allerdings, so der 27-Jährige, sei das Testverfahren in Panama recht willkürlich. „Keine Ahnung, ob und wie die hier eigentlich testen, das ist sehr undurchsichtig.“

Die zweite Ausgangssperre droht

Ähnlich willkürlich erscheinen dem Lüneburger die Staatshilfen für die Panamaer. „Neulich hat jeder 50 Dollar in bar ausgehändigt bekommen. Das war wie auf dem Markt, und wer nicht da war, hatte halt Pech gehabt“, erzählt er.

Dabei seien die Einheimischen von den Maßnahmen gegen die Ausbreitung des Virus extrem betroffen. „Die ehemaligen Angestellten des Hotels kommen täglich zum Chef und bitten ihn um Geld, weil sie ihre Familien nicht mehr ernähren können. Sie durften ja die ganzen letzten Wochen auch nicht mehr zum Fischen rausfahren“, verdeutlicht Plöger.

Nicht nur deshalb hofft er, dass die zweite Vollquarantäne nicht so schnell kommt. „Es war schön hier, aber irgendwann will man dann doch wieder zurück.“ Ob er einen der ersten internationalen Flüge nehmen kann, die Ende Juni wieder starten sollen, ist noch ungewiss. „Die Zahlen steigen wieder, der Gesundheitsminister hat schon einen Antrag auf erneute Ausgangssperren gestellt. Wir rechnen deshalb eigentlich jeden Tag damit.“

Von Lilly von Consbruch

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