Gibt die Lüneburger Verwaltung den Kurs der Verhandlungen über einen neuen Pachtvertrag allein vor oder dürfen auch die Flieger mit ins Cockpit? (Foto: t&w)

Wer darf mit ins Cockpit?

Lüneburg. Der erste Bürgerentscheid in der Hansestadt hat den Flugplan der Verwaltung gehörig durcheinandergewirbelt. So hat das Votum der Bürger das Flugziel „Ansiedlung neuer Jobs im Osten der Stadt“ für die nächsten 15 Jahre gecancelt. Das neue Flugziel lautet: „Aushandlung eines neuen Pachtvertrags“. Doch schon kommen Turbulenzen auf. Verwaltung und Flieger sind sich nicht einig, wer ins Cockpit darf und wer am Steuerknüppel sitzt.

Ordnungsdezernent Markus Moßmann hatte noch am Wahlabend angekündigt, dass die Verwaltung einen Vertragsentwurf ausarbeiten, vom Rat bestätigen und dann dem Luftsportverein vorlegen wolle. „Einen Riesenfehler“, nennt Richard Meier, Vorsitzender der Flieger, dieses Vorgehen. „Die Stadt scheint nicht viel gelernt zu haben.“ Er schlägt einen „Runden Tisch“ vor, an dem vorab alle ihre Schmerzgrenzen benennen.

Für Klaus Freytag von der „Bürgerinitiative gegen Fluglärm“ war die Schmerzgrenze mit dem klaren Ausgang des Bürgerbegehrens schon erreicht. „Unfassbar. Ich bin schockiert.“ Seit elf Jahren kämpft er gegen den Flugplatz. Nun sagt er: „In welcher Stadt lebe ich eigentlich?“

Bürgerinitiative sieht „viele Schuldige“

Er sieht einen ganzen Strauß von Ursachen: „Uns sind Unterstützer weggebrochen, etwa die Grünen – Ulrich Blanck ausgenommen. Die CDU ist eine Enttäuschung, wartete einfach ab. Das Engagement der Nachwuchsflieger. Von der LZ wurden wir über die Jahre benachteiligt. Eine Anti-OB-Stimmung in der Stadt. Zudem hat das Signalwort ‚betoniert‘ viele Leute bewogen, mit Ja zu stimmen.“

Die LZ hat den Wahltag am 14. Juni mit einem Liveticker begleitet. Dort finden sich sämtliche Entwicklungen, Zahlen, Statements und die wichtigsten Artikel zum Thema.

Die Sorge des BI-Sprechers, dass bei der Neuverhandlung des Pachtvertrages auch die Flugbeschränkungen gelockert werden könnten, zerstreut Flieger Meier: „Die Anzahl der Starts ist durch die Betriebserlaubnis gedeckelt. Das ist nicht zu verhandeln.“

Die Überweisung von 15.000 Euro, die Meier an jedem 1. November an die Stadt schickt, aus seiner Sicht schon. „Das hat auch nichts mit Übermut zu tun. Aber wenn Ulrich Mädge eine neue Pacht von 150.000 Euro ins Spiel bringt, fragen wir, warum wir als einziger Sportverein zur Kasse gebeten werden.“

"Das artet wieder in ein Diktat aus." - Richard Meier, Vorsitzender des Luftsportvereins

Die Ankündigung von Rechtsdezernent Moßmann, einen Vertragsentwurf vorlegen zu wollen, trübt Meiers Feierlaune: „Das artet wieder in ein Diktat aus.“ Um ein erneutes „Hauen und Stechen“ zu verhindern, regt er einen Runden Tisch zwischen Stadtverwaltung, Landrat, Ratsfraktionen und Fliegern an. Dort könnten dann auch die Leitlinien für die Nutzung des Geländes durch die Stadt festgelegt werden, wobei sich Meier „aus ökologischen Gründen kein weiteres Open-Air-Konzert auf dem Gelände“ vorstellen kann.

Die Stadt hält sich zu der Frage noch bedeckt, wer im Cockpit den Kurs mit festzurren soll und ob Vorab-Gespräche schon eine Klärung herbeiführen könnten. So werde die Stadt „noch entscheiden“, sagt Pressesprecherin Suzanne Moenck, „wer die Verhandlungen mit dem Luftsportverein führen wird:“ Grund: Die Kompetenzen verschiedener Dezernate würden berührt, etwa die Finanz-, Liegenschafts- und Umweltverwaltung.

Moenck weiter: „Auch wird noch zu klären sein, in welcher Form die Verhandlungen geführt beziehungsweise aufgenommen werden.“

Von Joachim Zießler