Montag , 26. Oktober 2020
Seit Montag geht es auch für Erstklässler, wie auf diesem Archivbild zu sehen, wieder in die Schule – allerdings meist nicht für alle gleichzeitig. Wegen der Corona-Beschränkungen wird in kleineren Gruppen im Schichtbetrieb unterrichtet. Foto: A/t&w

Die Ersten sind die Letzten

Lüneburg. Schritt für Schritt durfte eine Klasse nach der anderen in den vergangenen Wochen zurück in den Präsenzunterricht, am Montag waren die letzten Schüler an der Reihe. An den Grundschulen sind das die 1. Klassen, an den weiterführenden die Klassen 5 und 6. Bisher verlief der Schulstart an den meisten Schulen weitestgehend problemlos, herausfordernd ist die Situation jedoch nach wie vor.

„Wir sind sehr froh, alle Klassen wieder im Haus haben“, sagt Tanja Staats, Leiterin der Heiligengeistschule in Lüneburg. Vor allem für die Erstklässler sei das Vierteljahr ohne Schule besonders schwer gewesen, da die Kinder sich „doch kaum erst eingewöhnt hatten und noch die Basiskompetenzen erwerben mussten“.

Im Stadtgebiet befinden sich insgesamt 698 Schüler in dieser Situation. 787 Mädchen und Jungen gehen in der Stadt in die 5. Klasse, 692 in den 6. Jahrgang. Im gesamten Landkreis dürfen seit Montag theoretisch 5309 Schüler aus den drei Jahrgängen wieder in den Unterricht – allerdings werden die Klassen nach wie vor nur in halber Größe beschult, weshalb manche Kinder noch eine Woche länger warten müssen.

7486 Schüler lernen in Stadt und Landkreis in den Klassenstufen 1, 5 und 6

An der Heiligengeistschule wird auf das Eintreffen der Erstklässler „entspannt und erwartungsfroh“ geblickt, denn die vergangenen Wochen hätten gezeigt, dass sich der jeweils nächste Jahrgang an den Großen orientiert. „Auch die Jüngsten werden ihren Teil zum Gelingen beitragen, da sind wir uns inzwischen sicher“, sagt Staats.

Andreas Herbig, Pressesprecher der Landesschulbehörde, betont, dass der Behörde nur in einzelnen Fällen Probleme wie die Unterschreitung von Mindestabständen in den Pausen gemeldet wurden. „Ansonsten ist festzustellen, dass alle Beteiligten ein hohes Engagement hinsichtlich der Umsetzung und Einhaltung von Vorgaben und Regeln zeigen.“

Die Situation stelle aber nichtsdestotrotz immer noch „eine große und einzigartige Herausforderung für die Schulen“ dar, meint Herbig. Das betont auch Stefan Schulz, Schulleiter des Gymnasiums Oedeme. „Wir mussten jetzt, vor der Rückkehr der Fünft- und Sechstklässler, die Raumaufteilung nochmal überdenken, einige Gänge zusätzlich zugänglich machen und an manchen Details des Hygienekonzepts nachjustieren.“

Gymnasium justiert beim Hygienekonzept nach

Zudem müssten die Pausenaufsichten intensiviert werden, um die Einhaltung der Regeln kontrollieren zu können. „Zum Glück sind von 120 Lehrkräften nur zehn im Homeoffice“, sagt Schulz. Außerdem findet der Sportunterricht sowie die Ganztagsbetreuung noch nicht statt, „das sind alles freie Kapazitäten, die wir nutzen können“.

Auch an der Förderschule am Knieberg mit dem Schwerpunkt geistige Entwicklung starte die Klassen 1, 5 und 6. Aufgrund der Besonderheiten der Schülerschaft könnten Regeln wie Abstand und Mund-Nase-Schutz nicht zu 100 Prozent eingehalten werden, macht Konrektor Torsten Jahn deutlich.

An den Berufsbildenden Schulen (BBS) sind bereits alle Schüler tageweise wieder im Präsenzunterricht. „Hier hat sich alles gut eingespielt, die Arbeit mit den Schülern läuft gut, und alle halten sich an die Abstands- und Hygieneregeln“, zieht Christiane Pätz, Schulleiterin der BBS III eine erste Bilanz.

„Die Arbeit mit den Schülern läuft gut, und alle halten sich an die Abstands- und Hygieneregeln.“ – Christiane Pätz, Schulleiterin der BBS III

Jedoch sei zu beobachten, dass die Schere zwischen bildungsfernen und -nahen Schülern größer werde. „Gerade für Schüler aus belasteten Familien sind eine feste Struktur und soziale Kontakte enorm wichtig. Ihnen fällt es schwer, ihre Arbeit zu Hause selbstständig zu erledigen.“ Zu diesen Schülern breche der Kontakt teilweise gänzlich ab, da sie weder die Möglichkeit nutzen, in der Schule zu lernen, noch regelmäßig zum Präsenzunterricht erscheinen.

„Deshalb würden wir es begrüßen, wenn möglichst bald wieder mehr Präsenzunterricht stattfinden kann“, sagt Pätz. Sie weiß aber auch, dass das von dem weiteren Infektionsgeschehen abhängt. Auch Tanja Staats zeigt sich diesbezüglich noch zurückhaltend. „Natürlich würde ich die Rückkehr zum regulären Unterricht nach den Sommerferien begrüßen, in dem Sinne, dass wir alle aus dem bösen Traum aufwachen“, sagt sie, wirft jedoch ein: „Da Corona aber Realität ist, halte ich das nicht für realistisch.“

Von Lilly von Consbruch

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