Maria Hinz (l.) und Tanja Düring vom Vorstand des Trägervereins zeigen ein zerschnittenes Stoffgeflecht, das die Kinder gefertigt hatten. (Foto: be)

Zerstörungswut trifft Waldkindergarten

Rullstorf. Ein wenig abseits vom Ort unter hohen Bäumen ist das Zuhause des Waldkindergartens „Die Wurzelzwerge“. Eigentlich ein friedliches Idyll, das jedoch Unbekannte seit geraumer Zeit stören – und zwar immer dann, wenn der Platz um den Bauwagen und den mächtigen Holztisch unter den Bäumen verwaist ist. Wenn Kinder und Erzieher den Wald ab der Mittagszeit verlassen haben, demoliert irgendjemand Spielzeug und Ausrüstung der Kita, hinterlässt Scherben von zertrümmerten Glasflaschen und Joint-Reste auf dem Waldboden. Genau dort, wo die Mädchen und Jungen spielen.

Bereits im vergangenen Jahr war der Geräteschuppen aufgehebelt und das riesige, zwischen Bäumen aufgespannte Sonnensegel als Trampolin zweckentfremdet worden. „Doch besonders schlimm ist der Vandalismus seit Mitte März, weil wir wegen der Corona-Pandemie nur eine kleine Notbetreuung hatten, der Platz daher recht unbeobachtet war“, berichten die beiden Vorstandsmitglieder des Trägervereins, Maria Hinz und Tanja Düring. Sie haben kein Verständnis dafür, dass immer wieder unbekannte Personen ihre Zerstörungswut an der Einrichtung auslassen.

Arbeit von Kindern und Eltern zunichte gemacht

Erst kürzlich seien die Seile aller drei Schaukeln angeschnitten worden. Die beiden Frauen bezeichnen das als böswillig. „Die Kinder schaukeln sehr gerne und geraten durch eine solche Tat unwissentlich in eine gefährliche Situation.“ Weiterhin sei ein von den Mädchen und Jungen selbst gefertigtes Geflecht zerschnitten und der große, von Eltern gezimmerte Holztisch, mit Messern und Filzstiften verunstaltet worden.

Dem Trägerverein reicht es nun. „Wir haben Anzeige bei der Polizei erstattet.“ Dabei haben Maria Hinz und Tanja Düring an und für sich nichts dagegen, dass das Gelände nach Betriebsschluss des Waldkindergartens zum Beispiel von Jugendlichen genutzt wird. „Wenn sie nichts zertrümmern und keinen Müll hinterlassen“, sagt Tanja Düring.

Polizeisprecher Kai Richter bestätigt unterdessen, dass die Ermittlungen in dem Fall aufgenommen wurden. Rullstorfs Bürgermeister Peter Müller (BRB) wusste bislang nichts von dem Vandalismus. Doch ähnliche Vorfälle habe es auch schon im Waldkindergarten im Ortsteil Boltersen gegeben. „Dort wurden Bänke zerstört“, berichtet er. Überdies habe es in der Vergangenheit einen Einbruch in das Gebäude am Sportplatz in Neu Boltersen gegeben. Es sei nichts gestohlen worden, es habe aber Sachschäden gegeben. „Vieles deutet auf Jugendliche oder junge Erwachsene als Täter hin“, vermutet Müller.

Polizei hat Ermittlungen aufgenommen

Einen Impuls für die Jugendarbeit in der Gemeinde habe leider die Corona-Krise ein wenig gehemmt. „Es wurde vor Corona eine Initiative gestartet, bei der junge Leute die Jugendarbeit in der Gemeinde ein Stück weit selbst organisieren. Unter anderem hat ein Workshop stattgefunden“, sagt er. Und auch privates Engagement trage Früchte in Form einer Strecke für junge Mountainbike-Fahrer, die zuvor weniger organisiert in Rullstorf unterwegs gewesen seien.

Es sei schwierig, in den kleinen Dörfern Angebote für Jugendliche zu schaffen, räumt Müller ein.

„Doch mutwillige Zerstörungen wie im Waldkindergarten gehen aber gar nicht und sind völlig unsinnig“, betont Peter Müller. Er und auch der Trägerverein des Waldkindergartens appellieren an die Anwohner, die Augen offen zu halten rund um den Platz, an dem die Kinder betreut werden. Vielleicht trägt schon das dazu bei, dass künftig weitere Vorfälle ausbleiben, lautet die Hoffnung vom Bürgermeister und Trägerverein der Wurzelzwerge.

Von Stefan Bohlmann