Dienstag , 22. September 2020

Zeit für den Abflug

Misst man es an dem Pulverdampf des Streits, scheint am Sonntag Episches anzustehen. Etwa die Entscheidung, ob ganz Lüneburg umgesiedelt wird, um Platz für einen Stausee zu machen. Dabei muss nur die Frage beantwortet werden, ob ein kleiner Verein seinen Standort verliert oder nicht. Dieser Standort, der Sonderlandeplatz Lüneburg, ist das Problem. Nicht zufällig liegen Flugplätze in der Regel am Stadtrand. Denn für die Anwohner sind sie belastend. Städtische Verkehrsflughäfen – wie in Bremen – bieten im Gegenzug auch Vorteile: Der Weg zum Flug in den Urlaub ist kurz. Nicht so in Lüneburg. Hier profitieren nur die Flieger, die dadurch einen kurzen Weg zum Hobby haben.

Als der Flugplatz gegründet wurde, lag er am Stadtrand. Inzwischen ist die Stadt um ihn herumgewachsen. Das schränkt die Flugsportler ein. Und stresst die Anwohner. Die Wahrscheinlichkeit schwerer Unfälle ist überschaubar, aber die Angst davor dennoch verständlich. Die Zeit ist über den Sonderlandeplatz Lüneburg hinweggegangen. Nun ist es Zeit für die Flieger, über ihn hinwegzukommen. Ihr Hobby ist nicht an diesen Standort gebunden. Wer bisher aus dem Umland zum Fliegen nach Lüneburg fuhr, hat halt künftig das Ziel Uelzen oder Lauenbrück oder Lüchow-Rehbeck oder… Auch für Lüneburger sind dies durchaus erreichbare Ziele. Dass im Zeitalter aufkommender Flugscham aber ausgerechnet Hobby-Piloten ihren Flugschein auf dem Öko-Ticket lösen wollen, muss man als etwas abgehoben bezeichnen. Der Flugplatz dient dem Artenschutz? Nur, wenn künftig Hecken auf der gemähten Landebahn gepflanzt werden. Und der Wachtelkönig nicht länger mit Flugbenzin-Dämpfen beatmet wird.

Die Lüneburger müssen am Sonntag eine einfache Frage beantworten: Was nützt der Stadt mehr? Dass Flieger ihrem Hobby in der bequemstmöglichen Weise frönen können – und dies zu Lasten von Anwohnern? Oder dass Areal zum Erhalt und Aufbau von Jobs vorhanden ist?

In Lüneburg liegt die Arbeitslosenquote nur im Landesschnitt, weil viele an die Alster pendeln. Wenn zukunftsfähige Jobs hierher geholt werden sollen, braucht die Hansestadt den Platz.

Von Joachim Zießler

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