Samstag , 24. Oktober 2020

Verhökern kann kein Grund sein

Eigentum verpflichtet. Das gilt für Privatleute wie für Kommunen. Dabei sollte dieses auch dem Wohle der Allgemeinheit dienen, wie es im Artikel 14, Absatz 2, u nseres Grundgesetzes heißt. Schlussfolgernd sollten Flächen, die in städtischen Besitz sind, mit Weit- und Umsicht eingesetzt werden. Verhökern, um zum Beispiel den Entschuldungsvertrag mit dem Land zu bedienen oder Steuereinnahmen zu generieren, kann kein Grund sein – auch bei den Flugplatzflächen nicht.

Denn in Zeiten des Klimawandels und der Hitzesommer muss jedem bewusst sein: Über das Areal gelangt Kaltluft in die Stadt. Das Argument des Verwaltungschefs, es solle ja nur ein kleiner Teil des Areals (8 von 50 Hektar) als Gewerbefläche künftig genutzt werden, sodass der Kaltluftstrom gewährt ist, ist mit Skepsis zu bewerten. Schließlich erklärte Wirtschaftsförderer Jürgen Enkelmann jüngst, dass Lüneburg pro Jahr einen Bedarf von 2 bis 3 Hektar Gewerbefläche habe. Nicht auszuschließen, dass mittels der Salami-Taktik weiteres Areal fürs Gewerbe zur Verfügung gestellt wird. Das hätte auch Folgen für die schützenswerte Flora und Fauna, die sich dort angesiedelt hat – auch Dank der Pflege des Geländes durch die Flieger. Ausgleichsflächen, die die Stadt dort angesiedelt hat zum Ausgleich für Baumaßnahmen, lassen sich verlagern. Umweltschützer kritisieren diese Praxis seit Jahren.

Finger weg vom Flugplatz heißt es auch, weil dort das Feuerwehrflugzeug seinen Standort hat. Dieses zu vertreiben, trotz steigender Waldbrandgefahr aufgrund der Hitzesommer, wäre fatal. Und zu guter Letzt: Ja, es geht auch um den Verein. Einer von vielen, die Lüneburg mit ihren Angeboten bereichern und zum Standortfaktor machen. Mancher profitiert von freiwilligen Leistungen der Stadt. Der Luftsportverein nicht, im Gegenteil, er wird mit einer Pacht zur Ader gelassen. Dabei bietet er gerade jungen Leuten gute und günstige Konditionen, um beim Segelfliegen abzuheben und am Boden ein Stück Gemeinschaft zu pflegen – auch beim Warten des Areals. Das alles zur Disposition zu stellen – kann man machen. Aber im Sinne des Gemeinwohls wäre das kurzsichtig gehandelt.

Von Antje Schäfer

Alle Informationen zum Bürgerentscheid finden Sie hier.